Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Shopping beeinflusst das Klima

22.06.2009
Studie: Wohlstand führt automatisch zu mehr Emissionen

Wer im Geschäft einen Artikel kauft, belastet damit in der Regel nicht die Umwelt im eigenen Land, sondern in der Region, in der dieser produziert wurde.

Diese bisher stets vernachlässigte Tatsache nahm der Energieexperte Edgar Hertwich von der Universität Trondheim genauer unter die Lupe. Er berechnete den Klimafußabdruck von 73 Ländern und 14 Regionen, wobei Produktionsdaten, Importe und Exporte der einzelnen Länder sowie deren Treibhausgas-Emissionen als Grundlage dienten.

Werden Abgase aus Industrie und Transport den Konsumgruppen zugeordnet, deren Nachfrage jeweils befriedigt wird, so zeigt sich ein völlig neues Bild der Umweltbelastung. Eine immense Bedeutung trägt der Konsum der privaten Haushalte, da er nach dieser Perspektive fast drei Viertel aller weltweiten Emissionen von Treibhausgasen verursacht. Den Rest teilen sich Infrastruktur und öffentliche Hand. Die online abrufbare Auflistung nach Ländern und Produktgruppen macht auch den Missstand deutlich, dass im Ausland produzierte Waren nicht in der Klimabilanz des Verbraucherlandes auftauchen. Oft steigen dadurch die von den Bewohnern eines Landes verursachten Emissionen weiter an, selbst wenn die Umweltbelastung gemäß den Kyoto-Vereinbarungen sinkt.

"Kaufen wir in Europa Kleidung oder Unterhaltungselektronik aus China, so verbrauchen wir damit Energie und Emissionen auf dem Niveau Chinas. Dort und in vielen Schwellenländern produziert man jedoch weiterhin kohlenstoffintensiv und kaum energieeffizient", verdeutlicht Hertwich im pressetext-Interview. Das führe dazu, dass beispielsweise 58 Mio. Tonnen von 2001 in der Schweiz produzierten Treibhausgasen 87 Mio. Tonnen derselben gegenüberstehen, die im Ausland für importierte Güter und Dienstleistungen ausgestoßen wurden. "Anstatt die Auslagerung der Produktion in Entwicklungsländer als Fortschritt im Klimaschutz zu betrachten, sollten daher in Zukunft globale Zusammenhänge transparenter gemacht werden", schlägt der Umweltexperte vor.

Deutlich macht das Fußabdruck-Modell unter anderem, dass steigender Wohlstand eines Landes unweigerlich zu höheren Emissionen führt. "Reiche Staaten sind wirtschaftlich aktiver und verbrauchen automatisch mehr Energie. Daneben hat die Globalisierung für viele billige Güter und entsprechend höheren Konsum gesorgt, denn die Lebensdauer etwa von Spielzeug oder Handys ist erheblich kürzer und der Materialdurchsatz entsprechend höher", berichtet Hertwich. Neben der Emissionsreduktion in Drittweltstaaten sei somit die Änderung der Konsummuster der wichtigste Ansatzpunkt für den Klimaschutz. Das Bewusstsein für "Grünes Shopping" ist bisher noch wenig ausgeprägt, erste Angebote dazu gibt es jedoch bereits (pressetext berichtete http://pressetext.com/news/090620001/ ).

Die Forschung liefert wichtige Daten für die Erweiterung der "integrierten Produktpolitik" der EU. Dabei handelt es sich um Bemühungen, die Auswirkungen eines Produktes in all seinen Lebensphasen von Entwicklung bis Entsorgung auf Boden, Wasser und Luft zu erfassen und in weiterer Folge Umweltbelastungen zu minimieren. Umgesetzt wird dies bereits teils in freiwilligen ökonomischen Instrumenten wie etwa Umweltzeichen, teils in gesundheits-, wirtschafts- oder finanzpolitischen Maßnahmen. "Bisher gibt es integrierte Produktpolitik bei Elektronik-Artikeln, wo man um Schrottrecycling bemüht ist, sowie bei der Vermeidung giftiger Chemikalien in der Produktion. In Zukunft könnte das Prinzip auf Treibhausgasemissionen ausgeweitet werden", so Hertwich gegenüber pressetext.

Johannes Pernsteiner | pressetext.schweiz
Weitere Informationen:
http://www.ntnu.no/english
http://carbonfootprintofnations.com

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Neue Studie „Education first! Bildung entscheidet über die Zukunft Sahel-Afrikas“
29.11.2017 | Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung

nachricht Zukunftsstudie zum Autoland Saarland veröffentlicht
29.11.2017 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits

15.12.2017 | Informationstechnologie

Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke

15.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen

15.12.2017 | Energie und Elektrotechnik