Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

SHIFT-Studie: Weniger Herzschläge verringern bei Herzschwäche das Infarkt-Risiko

30.08.2010
PA der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie zum Europäischen Kardiologenkongress in Stockholm

Der Wirkstoff Ivabradin reduziert die Herzfrequenz (HF; = Anzahl der Herzschläge) und verringert damit signifikant die gefährlichen Folgen einer Herzinsuffizienz (HI, Herzschwäche). Prof. Michel Komajda (Pitié Salpetrière hospital, Paris), Leiter der SHIFT Studie: „Die Ergebnisse zeigten, dass Ivabradin die Zahl der Herz-Kreislauf-Sterblichkeit (primärer Endpunkt der Studie) um 18 Prozent verringerte. Ivabradin war auch assoziiert mit einer 26-prozentigen Verringerung von HI-bedingten Ereignissen, die zu Krankenhaus-Einweisungen („Hospitalisation“) oder Tod führten.“

Ivabradin blockiert selektiv den so genannten Funny-Kanal (If) in den Schrittmacherzellen des Sinusknotens des Herzens und senkt dadurch selektiv die Herzfrequenz, ohne dass es zu unerwünschten kardialen Nebeneffekten kommt. Die auf dem Europäischen Kardiologenkongress (ESC; 28. August bis 1. September) in Stockholm vorgestellte Studie untersuchte allfällige günstige Effekte von Ivabradin auf Patienten mit erhöhter Ruhe-Herzfrequenz. Rund 6500 Patienten mit Herzinsuffizienz, die alle von ihren Ärzten empfohlenen HI-Therapien bekamen und eine Ruhe-Herzfrequenz von mindestens 70 Schlägen pro Minute hatten, wurden in eine Ivabradin- und eine Placebo-Gruppe geteilt, und im Durchschnitt 23 Monate kontrolliert.

„Die Ergebnisse dieser Studie sind sehr bedeutsam“, kommentiert DGK-Präsident Prof. Dr. Michael Böhm (Universitätsklinikum des Saarlandes), deutscher Studienleiter von SHIFT und Mitautor der im „Lancet“ veröffentlichten Arbeit zum Thema. „Die positiven Effekte wurden zusätzlich zu den Wirkungen anderer Medikamente erzielt. Herzinsuffizienz und erhöhte Herzfrequenz sind sehr weit verbreitet, und es ist für Ärzte und Patienten eine wichtige positive Nachricht, dass auch bei Anwendung der besten Medikamente der Einsatz von Ivabradin das Risiko des Todes oder der Hospitalisation zusätzlich um mehr als 25 Prozent verringert.“

HI geht normaler Weise mit einem hohen Sterblichkeits-Risiko einher. Etwa 50 Prozent der Patienten sterben innerhalb der ersten fünf Jahre, und sie müssen häufige und längere Krankenhaus-Aufenthalte sowie eine Verschlechterung der Lebensqualität ertragen. Weltweit nimmt die Häufigkeit von HI zu.

Bei Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollte grundsätzlich die Herzfrequenz bestimmt und bei der Therapie berücksichtigt werden, so Prof. Böhm. „Auf die Herzfrequenz wurde bei Koronarpatienten lange Zeit zu wenig geachtet. Bereits frühere Studien haben gezeigt, dass eine erhöhte Herzfrequenz definitiv ein kardiovaskulärer Risikofaktor ist, der konsequent behandelt werden sollte. Bereits eine Herzfrequenz im höheren Normbereich ist für jeden Aspekt des kardiovaskulären Kontinuums ein unabhängiger Risikofaktor.“

Grund für den engen Zusammenhang zwischen Herzfrequenz und Lebenserwartung sei, so Prof. Böhm, der hohe Energieverbrauch des Herzmuskels („Myokard“): Das menschliche Herz verbraucht pro Schlag 300 Milligramm Adenosin-Triphosphat. Pro Tag macht das 30 Kilogramm des Energieträgers aus. Mit einer Reduktion der Minutenfrequenz um zehn Schläge können 5 Kilogramm Adenosin-Triphosphat pro Tag eingespart werden. Diese Einsparung von Energie und Sauerstoff spiegelt sich in klinischen Endpunkten wider.“

Kontakt:

Prof. Dr. Eckart Fleck (Pressesprecher der DGK)

Roland Bettschart, B&K - Medien- und Kommunikationsberatung GmbH

Mobil +43-676-6356775; Tel.: +43-1-3194378-22; bettschart@bkkommunikation.com

Christiane Limberg | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgk.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fließender Übergang zwischen Design und Simulation

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Industrial Data Space macht neue Geschäftsmodelle möglich

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Neue Sicherheitstechnik ermöglicht Teamarbeit

27.03.2017 | HANNOVER MESSE