Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schon die Dinosaurier hörten die Vögel singen

24.08.2011
Neue Studie enträtselt frühe Evolution der Vögel

Falken sind keine Greifvögel – jedenfalls stammesgeschichtlich, sondern sie sind enge Verwandte der Papageien und Sperlingsvögel. Und der gemeinsame Urahn von Papageien und Sperlingsvögeln konnte vermutlich schon zu Zeiten der Dinosaurier Gesang erlernen - 30 Millionen Jahre früher als bisher angenommen. Das geht aus einer neuen Studie von Forschern aus Münster hervor, die einen entscheidenden Beitrag zur Klärung der Evolution der Vögel liefert.


Papageien, hier ein Hellroter Ara, sind die nächsten Verwandten der Singvögel
Foto: Kriegs/LWL

„Wir haben einen der kontroversesten Teile des Stammbaums der Vögel entschlüsselt“, ist sich der Doktorand Alexander Suh vom Zentrum der Molekularbiologie der Entzündung (ZMBE) der Universität Münster sicher. Gemeinsam mit seinen Betreuern - Gruppenleiter Dr. Jürgen Schmitz, Prof. Jürgen Brosius (beide: ZMBE) sowie Dr. Jan Ole Kriegs vom Museum für Naturkunde des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) - hat Suh in der August-Ausgabe der international renommierten Fachzeitschrift „Nature Communications“ eine entsprechende Forschungsarbeit veröffentlicht.

„Erstmals können wir damit sagen, mit wem mehr als die Hälfte aller Vogelarten, die Sperlingsvögel, also alle Singvögel und Schreivögel, am engsten verwandt sind", erklärt Suh, der im Institut für Experimentelle Pathologie des ZMBE forscht. „Früher stellte man sie in die Nähe der Spechte oder der Kuckucke. Jetzt wissen wir, dass es die Papageien sind, die auf dem Nachbarast im Stammbaum sitzen."

Diese Erkenntnisse haben interessante neurobiologische Konsequenzen. Denn Papageien und die meisten Sperlingsvögel besitzen die - unter Vögeln seltene - Fähigkeit, Gesang zu erlernen. Sperlingsvögel wie der Zebrafink oder Papageien wie der Wellensittich sind daher wichtige Modellorganismen, um zu erforschen, wie Lernprozesse im Gehirn funktionieren. Die nahe Verwandtschaft dieser beiden Vogelgruppen legt den Schluss nahe, dass auch der gemeinsame Urahn von Sperlingsvögeln und Papageien diese Fähigkeit besaß. Erlernter Gesang wäre dann über 30 Millionen Jahre früher entstanden als bislang angenommen, und zwar vermutlich bereits im Zeitalter der Dinosaurier, schlussfolgern die Forscher.

Auch die Falken sind nach der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Studie nahe mit Sperlingsvögeln und Papageien verwandt und haben erstaunlicherweise nichts mit Bussarden, Adlern und anderen Greifvögeln zu tun. Aber nicht nur diese Äste des Stammbaums standen im Fokus der Studie. Die Daten auf der Basis so genannter „springender Gene" ermöglichen die Rekonstruktion der Vogelevolution bis tief in das späte Mesozoikum vor zirka 100 Millionen Jahren hinein. Die „springenden Gene“ dienen dabei als „Marker“, denn sie bleiben für viele Jahrmillionen erkennbar als „molekulare Fossilien“ in der Erbsubstanz. Das macht diese Gene zu „Zeitzeugen der Evolution“.

Literatur:

Suh A. et al. (2011): Mesozoic retroposons reveal parrots as the closest living relatives of passerine birds. Nature Communications 2/Article number: 443, doi:10.1038/ncomms1448; http://dx.doi.org/10.1038/ncomms1448

Redaktion:
Dr. Thomas Bauer
Telefon: 0251 83-58937, E-Mail: thbauer@uni-muenster.de

Dr. Christina Heimken | Uni Münster
Weitere Informationen:
http://www.uni-muenster.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave
02.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT

nachricht Europaweite Studie zu Antibiotikaresistenzen in Krankenhäusern
18.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie