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Schizophrenie: Europaweite Langzeitstudie startet

04.12.2014

Großprojekt unter österreichischer Leitung zielt auf verbesserte Behandlung ab

Schizophrene Störungen zählen weltweit laut Weltgesundheitsorganisation zu den zehn belastendsten Erkrankungen. In Europa sind etwa fünf Millionen Menschen betroffen, alleine in Österreich über 80.000.


Foto: Prof. W. Wolfgang Fleischhacker

Copyright: Fotostudio Stanger, Innsbruck

Um die medikamentöse Behandlung Schizophrenie-Kranker weiter zu verbessern, startet eine europaweite Langzeitstudie unter österreichischer Leitung. Das teilte der international bekannte Schizophrenie-Experte, Prof. Wolfgang Fleischhacker von der Medizinischen Universität Innsbruck, am Donnerstag in einer Aussendung mit.

Die Langzeitstudie trägt den Titel „European Long-acting Antipsychotics in Schizophrenia Trial (EULAST)“. Sie läuft bis 2018. PsychiaterInnen von 40 Fachkliniken aus Europa arbeiten dabei zusammen. „Gemeinsam zielen wir darauf ab, die Therapie von PatientInnen mit schizophrenen Störungen weiter zu verbessern. Dazu untersuchen wir erstmals länderübergreifend, ob Medikamente der neuen Generation als Depot oder oral verabreicht Betroffenen besser helfen“, sagt Fleischhacker.

Der Schizophrenie-Spezialist mit rund dreißig Jahren Erfahrung ist bei EULAST als führender Wissenschafter (Principal Investigator) gemeinsam mit zwei Kollegen aus Holland und Israel im Einsatz. Er leitet die Universitätsklinik für Biologische Psychiatrie sowie das Department für Psychiatrie und Psychotherapie der Medizinischen Universität Innsbruck. Finanziert wird EULAST von der Stiftung „European Group for Research in Schizophrenia (EGRIS)“ mit Sitz in Amsterdam.

Mit Betroffenen zusammenarbeiten

Schizophrenie ist eine vergleichsweise weitverbreitete, zumeist chronische Erkrankung. Weltweit leidet etwa ein Prozent der Bevölkerung daran. „Wenn Sie hundert Menschen kennen, dann kennen Sie wahrscheinlich auch einen, der an einer schizophrenen Störung leidet“, verdeutlicht Fleischhacker die praktische Bedeutung des Großforschungsvorhabens EULAST.

Im Zuge der Studie werden die MedizinerInnen 650 Schizophrenie-Kranke aus Europa über einen Zeitraum von 18 Monaten untersuchen. „Für uns ist diese Forschung äußerst wichtig, denn bei konsequenter, medikamentöser Therapie, sprich regelmäßiger Einnahme der Medikamente, ist diese Erkrankung sehr gut behandelbar. Therapieabbrüche sind der häufigste Grund für einen Rückfall und beeinflussen daher den Verlauf negativ,“ betont der Experte.

An praktischen Problemen orientiert

EULAST setzt exakt an diesen Punkten an. Die größte Herausforderung in der Behandlung schizophrener Störungen ist die Langzeitbehandlung, denn die Therapietreue (Compliance) ist bei dieser Erkrankung erfahrungsgemäß schlecht. Das belegte Fleischhacker gemeinsam mit seinem Kollegen Prof. René Kahn, Vorstand der Abteilung für Psychiatrie am University Medical Center in Utrecht, im Zuge der weltweit bisher größten Behandlungsstudie zu Therapieabbrüchen bei Schizophrenie-Ersterkrankten.

Laut den Ergebnissen dieses „European First Episode Schizophrenia Trial (EUFEST)“ brechen 60 Prozent jener PatientInnen ihre Behandlung mit Antipsychotika der alten Generation, wie Haloperidol ab, aber auch mit den neueren, besser verträglichen Antipsychotika beträgt die Abbruchrate noch zwischen 20 und 45 Prozent. Häufig führen diese Therapieabbrüche zu schweren Rückfällen. Nach zwei Jahren ist dies bereits bei 80 Prozent der Fall.

Durch die regelmäßige Einnahme von Antipsychotika können diese Rückfallraten dagegen auf bis zu 20 Prozent reduziert werden. Antipsychotika werden zur Behandlung von Psychosen, wie der Schizophrenie, eingesetzt. EULAST geht der Frage nach, ob Antipsychotika der neuen Generation - wie Aripripazol oder Paliperidon - in Form von Depotspritzen, die ein Mal monatlich verabreicht werden, auf längere Sicht verabreicht einen besseren Behandlungserfolg als die tägliche Einnahme oraler Medikamente bringen.

Stichwort Schizophrenie

Schizophrene Störungen sind weltweit ähnlich häufig. Zwischen dem 18. und 35. Lebensjahr tritt die Krankheit meistens erstmals auf. Frauen und Männer sind gleich häufig betroffen. Als Ursachen gelten laut aktuellstem Forschungsstand unter anderem Kommunikationsstörungen zwischen Nervenzellen in jenen Gehirnarealen, die für die Koordination und Bearbeitung von Denken, Fühlen und Wahrnehmen verantwortlich sind. Die Erkrankung betrifft daher die gesamte Persönlichkeit.

Im praktischen Leben leiden Menschen, die an schizophrenen Störungen erkrankt sind, häufig an Wahnideen und Halluzinationen. Zudem sind Aufmerksamkeits- und Gedächtnisleistungen und planendes Denken beeinträchtigt. Hinzu kommen Einbußen im Antrieb sowie im Erleben und Bewerten von Gefühlen, was soziale Kontakte erschwert und häufig auch sozialen Rückzug bewirkt.

Kontakt:
Prof. W. Wolfgang Fleischhacker
Medizinische Universität Innsbruck
Department für Psychiatrie und Psychotherapie
Telefon: +43 512 504 23669
Mail: wolfgang.fleischhacker@i-med.ac.at
Web: http://www.eulast.eu

Mag.a Gabriele Rampl
Science Communications EULAST
Forschungsteam Prof. Fleischhacker
Telefon: +43 650 2763351
Mail: office@scinews.at
Web: www.scinews.at

Mag.a Gabriele Rampl | Medizinische Universität Innsbruck

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