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Nierentransplantation bleibt für Lebendspender ohne erhöhte Herz-Kreislauf-Risiken

26.03.2012
Die Spende einer Niere zu Lebzeiten bringt dem Organspender keine bleibenden gesundheitlichen Nachteile. Dies zeigt eine aktuelle Studie im British Medical Journal. Auch das Risiko für einen späteren Herzinfarkt oder Schlaganfall ist nach der Organentnahme nicht erhöht. Diese Ergebnisse nimmt die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) erneut zum Anlass, Menschen zur Organspende anzuregen.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Beratungen zum Transplantationsgesetz, in dem auch deutliche Verbesserungen der Rahmenbedingungen für Lebendspender vorgesehen sind, weist die DGCH darauf hin, wie wichtig Spenderorgane für tausende Menschen sind, die seit langem etwa auf eine neue Niere, Leber, Herz oder Lunge warten.

„Die Entnahme einer Niere gehört heute zu den chirurgischen Standardeingriffen“, erläutert DGCH-Generalsekretär Professor Dr. med. Hartwig Bauer aus Berlin: „Das Operationsrisiko ist dank der sorgfältigen Voruntersuchungen und Auswahl der Spender sehr gering.“ Einige Kliniken würden die Operation auch minimalinvasiv durchführen. „Diese laparoskopische Operation ist für den Spender besonders schonend und sie hinterlässt eine kürzere Narbe“, so der Chirurg.

Frühere Untersuchungen haben bereits gezeigt, dass Lebendspender einer Niere eine normale Lebenserwartung haben. Es bestand jedoch die Sorge, dass – ähnlich wie bei Nierenkranken – das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht sein könnte. „Auch wenn die verbliebene Niere die Funktion der entfernten Niere weitgehend übernehme, war es deshalb nicht auszuschließen, dass Lebendspender auf lange Sicht gesundheitliche Nachteile, wie einen Anstieg des Blutdrucks mit seinen Folgen auf das Kreislaufsystem, davon tragen könnten.

Eine jetzt im British Medical Journal (BMJ) veröffentlichte Studie scheint derartigen Befürchtungen die Grundlage zu nehmen: Nierenexperten aus Kanada haben 2028 Einwohner der Provinz Ontario, die zwischen 1992 und 2008 eine Niere gespendet haben, über bis zu 18 Jahre danach beobachtet. Allen Spendern wurden bis zu zehn gleichaltrige Personen gegenüber gestellt, die ebenfalls als Spender akzeptiert worden wären. Die Forscher stellten weder bei Herzinfarkten noch Schlaganfällen eine Abweichung nach oben fest.

Die Sterberate der Lebendspender war sogar niedriger als in der Kontrollgruppe. Dies bestätigt frühere Erfahrungen. „Denn die strengen Kriterien bei der Auswahl der Spender und die intensive medizinische Betreuung führen dazu, dass ihre Lebenserwartung im Vergleich zur Normalbevölkerung sogar erhöht ist“, sagt Professor Bauer. Für einige Menschen sei die Lebendspende sicherlich auch ein Anlass, künftig vermehrt auf die eigene Gesundheit zu achten.

Die Nierenlebendspende ist für die Transplantationsmedizin unverzichtbar, betont die DGCH. Für etwa 8000 Menschen, die in Deutschland jedes Jahr eine neue Niere benötigen, stehen nur etwa 2200 Nieren von Verstorbenen zur Verfügung. „Allein diese Zahlen könnten dazu veranlassen, sich für eine Organspende nach dem Tod zu entscheiden oder im Zweifelsfall sogar für eine Lebendspende“, sagt Professor Bauer. Viele Dialysepatienten, die regelmäßig zur Blutwäsche in die Klinik gehen, hoffen auf eine Lebendspende. In einigen Zentren beträgt der Anteil der Lebendnierenspenden bereits 25 Prozent. Die Lebendspende hat den Vorteil, dass die Operation genau geplant werden kann. Voraussetzung für eine Lebendspende ist, dass kein Organ eines Verstorbenen zur Verfügung steht. Der Spender muss mit dem Nierenkranken verwandt sein oder eine enge emotionale Beziehung zu ihm haben. Medizinische Tests zur Gewebeverträglichkeit müssen zudem gezeigt haben, dass Chancen auf einen langfristigen Erfolg der Transplantation bestehen. Die Absicherung der Spender durch Leistungen der Krankenkassen wie Krankengeld zur Kompensation des Verdienstausfalls sollen im neuen Gesetz deutlich verbessert werden.

Literatur:
Amit X Garg et al. Cardiovascular disease in kidney donors: matched cohort study. BMJ 2012;344:e1203; http://www.bmj.com/content/344/bmj.e1203
Kontakt für Journalisten:
Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH)
Pressestelle
Anna Julia Voormann
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Berliner Büro:
Langenbeck-Virchow-Haus
Luisenstraße 59
10117 Berlin
Telefon: 0711 8931-552
Fax: 0711 8931-167
E-Mail: voormann@medizinkommunikation.org

Anna Julia Voormann | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgch.de
http://www.bmj.com/content/344/bmj.e1203

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