Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Studie zeigt großes Potenzial bei gleichzeitiger Erzeugung von Wärme und Elektrizität

19.07.2011
Remmel: Mit Kraft-Wärme-Kopplung kann NRW 35 Prozent CO2-Emissionen und Rohstoffe einsparen

Nordrhein-Westfalen bietet hervorragende Voraussetzungen für den Einsatz von Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). Eine neue Studie im Auftrag des NRW-Klimaschutzministeriums und der EnergieAgentur.NRW zeigt, dass in NRW ein beachtliches Potenzial besteht.


So funktioniert Kraft-Wärme-Kopplung:
1. Dampferzeuger mit Feuerraum und Brenner (z.B. Gasfeuerung)
2. Turbine, Generator und Transformator zur Stromwandlung
3. Einspeisung ins Netz der öffentlichen Stromversorger
4. Wärmetauscher zur Wiedererwärmung des Fernwärmerücklaufs
5. Steuerung der Temperatur und Flussmenge der Fernwärmeleitung
6. Abnahme der Fernwärme im Hausanschluss

Grundsätzlich können 35 Prozent der CO2-Emissionen und 35 Prozent der Rohstoffe eingespart werden, wenn Elektrizität und Wärme gleichzeitig produziert werden. „Hier liegt ein ungeheures Potenzial. Gerade die dicht besiedelten Ballungsräume an Rhein und Ruhr sind ideal, um Energie wirklich effizient einzusetzen. Während andere Bundesländer gute Standorte für Solarenergie oder Wasserkraft sind, ist NRW ein guter Standort für Kraft-Wärme-Kopplung. Wo sonst liegen Industrie und Wohngebäude oder Bürogebäude so nah zusammen wie bei uns. Das macht es einfach, die Wärme zu den Verbraucherinnen und Verbrauchern zu bringen“, sagt Klimaschutzminister Johannes Remmel.

Kraft-Wärme-Kopplung ist eine der wichtigen Schlüsseltechnik für die Energiestruktur der Zukunft. Minister Johannes Remmel begrüßte daher die jüngsten Investitionsentscheidungen von Stadtwerken für den Bau neuer Gaskraftwerke als Basis für Kraft-Wärme-Kopplung. „Mit dem Beschluss etwa des Energieversorgers Trianel zur Errichtung eines Gaskraftwerkes in Krefeld sieht der Minister gute Chancen für eine Verbindung von Nah- und Fernwärme an der Rhein/Ruhr-Schiene. Remmel: „Die Fernwärmeunternehmen im Ruhrgebiet wollen eine Herausforderung angehen, die im Sinne von Klimaschutz, Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit auf der Hand liegt: die Chance für ein technische und wirtschaftliche Zusammenarbeit auszuloten. Die Landesregierung wird dieses Engagement unterstützen.“

Erstellt wurde die wissenschaftliche Studie vom Bremer Energie Institut, dem Fraunhofer Institut System- und Innovationsforschung, dem Institut für Ressourceneffizienz und Energiestrategien IREES GmbH und der Energieberatung GmbH. Die Institute kommen zu dem Ergebnis, dass die Verdoppelung des Anteils der Kraft-Wärme-Kopplung an der Nettostromerzeugung in Nordrhein-Westfalen möglich ist. „Auf dieses ungeheure Potenzial können wir nicht verzichten, wenn wir die Energiewende beschleunigen wollen“, so Remmel.

Bereits im Koalitionsvertrag hat die Landesregierung das Ziel formuliert, den Anteil der KWK an der Stromerzeugung bis 2020 auf mehr als 25 Prozent zu

Heizung von Gebäuden und die Erwärmung von Brauchwasser erzeugt und vielfach über Nah- oder Fernwärmeleitungen transportiert. Im Vergleich zu reinen stromerzeugenden Kraftwerken bedeutet dies eine höhere Ausnutzung der eingesetzten Brennstoffe, damit stellen moderne Heizkraftwerke eine sehr effiziente Art der Energieversorgung dar. Die Art des Brennstoffs kann variieren.

Die Institute errechneten ein wirtschaftliches KWK-Potenzial in NRW von insgesamt 75 Terrawattstunden pro Jahr. Das entspricht rund 36 Prozent des landesweiten Nutzwärmebedarfs. Die erzeugte Strommenge läge für die Neuanlagen bei etwa 80 Terrawattstunden pro Jahr. Die Studie belegt, dass die KWK vor allem in Großstädten, also zum Beispiel in den Ballungsräumen und Großstädten wie Düsseldorf oder Essen eine wirtschaftliche Option ist: Rund zwei Drittel des wirtschaftlichen Potenzials entfallen auf Städte mit mehr als 150.000 Einwohnern. Dagegen sind neue Fernwärmenetze für kleinere Kommunen in der Regel keine wirtschaftliche Lösung. Hier bieten sich dagegen einzelne KWK-Projekte an, zum Beispiel bei größeren Gewerbe- oder Dienstleistungsobjekten.

„Wir müssen die Möglichkeiten der modernen Energieerzeugung und auch der Verteilung von Energie gezielt einsetzen“, sagt Minister Remmel. Die EnergieAgentur.NRW berät Kommunen und Investoren, welche Lösung für welches Projekt die richtige ist. „Aber neben Information brauchen wir auch Förderung.

Um Planungssicherheit herzustellen, muss das KWK-Gesetz an die neuen Rahmenbedingungen angepasst und die Förderkonditionen verbessert werden“, fordert Remmel und fügt hinzu: „Während die Bundesregierung hier untätig geblieben ist, haben wir das Thema durch einen Bundesratsantrag auf die Tagesordnung gebracht. Wir brauchen KWK für eine moderne Energieversorgung. KWK begünstigt vor allem kleine und mittlere Energieversorger, etwa die Stadtwerke. Die Bundesregierung hingegen begünstigt vor allem die großen Energiekonzerne. Bundesumweltminister Röttgen muss hier Verantwortung für Nordrhein-Westfalen zeigen. Darauf werden wir drängen.“

Im Bereich der industriellen KWK-Nutzung orten die Autoren der Studie zusätzliche Potenziale. So zeigt die Analyse, dass allein durch die Modernisierung der bereits bestehenden Anlagen eine Steigerung der Stromerzeugung um bis zu 12,7 Terrawattstunden pro Jahr möglich ist. In 2008 lag die Stromerzeugung aus industrieller KWK bei 6,2 Terrawattstunden pro Jahr. Die Modernisierung der KWK-Anlagen betrifft vor allem die Unternehmen in der Chemie-, Ernährungs- und Papierindustrie – aber auch in der Metallerzeugung.

Eine Kurzfassung der Potenzialstudie steht im Internet zum Download: http://www.umwelt.nrw.de

Die EnergieAgentur.NRW bietet mehrere Beratungsstellen und Informationen zum Thema Kraft-Wärme-Kopplung:

- Netzwerk Kraftwerkstechnik im Cluster „EnergieRegion.NRW“,
Ansprechpartnerin: Margit Thomeczek; mailto:Thomeczek@EnergieRegion.NRW.de;
- Energie- und Contractingberatung zum Thema KWK: EnergieAgentur.NRW;
Ansprechpartner: Matthias Kabus/Rüdiger Brechler; mailto:post@energieagentur.nrw.de ; 0202/24552-0

- Online-Rechner der EnergieAgentur.NRW für Blockheizkraftwerke: http://www.EnergieAgentur.NRW.de

| EnergieAgentur.NRW
Weitere Informationen:
http://www.EnergieAgentur.NRW.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Erste großangelegte Genomstudie prähistorischer Skelette aus Afrika
27.09.2017 | Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte / Max Planck Institute for the Science of Human History

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise