Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Studie zu Multipler Sklerose: „Schlafende Viren“ stören Selbstheilungskräfte

27.09.2013
„Schlafende“ oder inaktive Viren, die im Laufe der menschlichen Evolution durch Virusinfektionen ins menschliche Erbgut gelangt sind, können bei einer Reaktivierung die Selbstheilungskräfte des zentralen Nervensystems stören.

Das hat eine internationale Gruppe von Wissenschaftlern um den Zellbiologen Prof. Dr. Patrick Küry von der Neurologischen Klinik des Universitätsklinikums Düsseldorf jetzt nachgewiesen. Forscher vermuten schon länger, dass diese sogenannten humanen endogenen Retroviren (HERV) auch den Krankheitsverlauf sowie die Regeneration bei Multipler Sklerose beeinflussen. Diesem möglichen Nachweis sind die Wissenschaftler nun ein Stück näher gekommen.

Die Ergebnisse dieser Studie sind am 16. September 2013 in der Fachzeitschrift „Annals of Neurology“ veröffentlicht worden.

Multiple Sklerose (MS) ist eine Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS), bei der das fehlgeleitete Immunsystem die schützende Isolationsschicht der Nervenfasern – die Myelinscheiden – im Gehirn und Rückenmark angreift und zerstört. Da das ZNS nur über eine beschränkte Regenerationsfähigkeit verfügt, kann die Wiederherstellung der schützenden Isolationsschicht nur unvollständig erfolgen. Die Folge: Nervenreize werden immer schlechter weitergeleitet, es kommt zu bleibenden neurologischen Behinderungen wie Lähmungen und Erblindung.

Die internationale Arbeitsgruppe um Prof. Küry konnte nun nachweisen, dass die für die funktionelle Erholung des ZNS wichtige Regeneration der Myelinscheiden durch das Hüllprotein Env eines reaktivierten, „schlafenden“ Virus gestört wird – das HERV-W. Prof. Küry: „Sein Hüllprotein scheint durch Immunzellen ins Gehirn gebracht zu werden und trifft dort auf viele für die Wiederherstellung der Myelinscheiden erforderlichen Vorläuferzellen, die durch diesen Kontakt in ihrer Reifungsfähigkeit geschwächt werden.“

Ziel weiterer Untersuchungen mit den beteiligten Forschungsgruppen an den Universitäten in Homburg (Prof. Dr. Frank Kirchhoff) und Grenoble (Prof. Dr. Patrice Marche) sowie mit Unterstützung des HERV-W Entdeckers Dr. Hervé Perron in Genf/Lyon (Firma Geneuro SA) ist es, die Funktionalität des Retrovirus HERV-W im Detail zu untersuchen. Dazu wurden bereits neutralisierende Antikörper, die gegen das ENV Protein gerichtet sind, entwickelt – mit dem Ziel, diese bei der MS-Therapie einzusetzen. An entsprechenden klinischen Studien, die schon initiiert wurden, wird sich im weiteren Verlauf auch die Neurologische Klinik des Universitätsklinikums Düsseldorf beteiligen. Gefördert wird die aktuelle Studie durch die französischen Organisationen ARSEP („Aide à la Recherche sur la Sclérose En Plaques“) und AFM („Association Française contre les Myopathies“).

Originalveröffentlichung:
Kremer D, Schichel T, Förster M, Tzekova N, Bernard C, van der Valk P, van Horssen J, Hartung HP, Perron H, Küry P.

HERV-W envelope protein inhibits oligodendroglial precursor cell differentiation. Ann Neurol. 2013 Jul 8. doi: 10.1002/ana.23970. [Epub ahead of print]

Kontakt: Prof. Dr. Patrick Küry, Neurologische Klinik des Universitätsklinikums Düsseldorf (Direktor: Prof. Dr. Hans-Peter Hartung), Tel.: 0211 / 81-17822, E-Mail: kuery@uni-duesseldorf.de

Susanne Dopheide | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-duesseldorf.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Dialysepatienten besser vor Lungenentzündung schützen
17.01.2018 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

nachricht Neue Studie der Uni Halle: Wie der Klimawandel das Pflanzenwachstum verändert
12.01.2018 | Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Optisches Nanoskop ermöglicht Abbildung von Quantenpunkten

Physiker haben eine lichtmikroskopische Technik entwickelt, mit der sich Atome auf der Nanoskala abbilden lassen. Das neue Verfahren ermöglicht insbesondere, Quantenpunkte in einem Halbleiter-Chip bildlich darzustellen. Dies berichten die Wissenschaftler des Departements Physik und des Swiss Nanoscience Institute der Universität Basel zusammen mit Kollegen der Universität Bochum in «Nature Photonics».

Mikroskope machen Strukturen sichtbar, die dem menschlichen Auge sonst verborgen blieben. Einzelne Moleküle und Atome, die nur Bruchteile eines Nanometers...

Im Focus: Optical Nanoscope Allows Imaging of Quantum Dots

Physicists have developed a technique based on optical microscopy that can be used to create images of atoms on the nanoscale. In particular, the new method allows the imaging of quantum dots in a semiconductor chip. Together with colleagues from the University of Bochum, scientists from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute reported the findings in the journal Nature Photonics.

Microscopes allow us to see structures that are otherwise invisible to the human eye. However, conventional optical microscopes cannot be used to image...

Im Focus: Vollmond-Dreierlei am 31. Januar 2018

Am 31. Januar 2018 fallen zum ersten Mal seit dem 30. Dezember 1982 "Supermond" (ein Vollmond in Erdnähe), "Blutmond" (eine totale Mondfinsternis) und "Blue Moon" (ein zweiter Vollmond im Kalendermonat) zusammen - Beobachter im deutschen Sprachraum verpassen allerdings die sichtbaren Phasen der Mondfinsternis.

Nach den letzten drei Vollmonden am 4. November 2017, 3. Dezember 2017 und 2. Januar 2018 ist auch der bevorstehende Vollmond am 31. Januar 2018 ein...

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

Veranstaltungen

15. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

23.01.2018 | Veranstaltungen

Gemeinsam innovativ werden

23.01.2018 | Veranstaltungen

Leichtbau zu Ende gedacht – Herausforderung Recycling

23.01.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Lebensrettende Mikrobläschen

23.01.2018 | Biowissenschaften Chemie

3D-Druck von Metallen: Neue Legierung ermöglicht Druck von sicheren Stahl-Produkten

23.01.2018 | Maschinenbau

CHP1-Mutation verursacht zerebelläre Ataxie

23.01.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics