Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Studie beschreibt Zusammenhang zwischen Psyche und chronisch entzündlichen Darmerkrankungen

20.11.2012
Die chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind behandel- aber nicht heilbar.
Neben den körperlichen Symptomen sind Betroffene auch psychischen Belastungen ausgesetzt. Eine neue Studie von PD Dr. Jonas Mudter, Universität Erlangen und Mitglied im Kompetenznetz Darmerkrankungen und der GISG, zeigt jetzt, welche Auswirkungen CED auf die Psyche der Betroffenen haben können. Demnach gelten Unsicherheit im Sozialkontakt, ein erhöhtes soziales Unterstützungsbedürfnis und Depressivität als die gravierendsten Faktoren.

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen betreffen derzeit ungefähr 320.000 Menschen in Deutschland. Die Krankheiten brechen besonders häufig im Alter von 15 bis 35 Jahren aus, in einer Zeit also, in der viele Menschen ihre Berufe planen und Familien gründen. Als Ursachen für den Ausbruch werden Veränderungen der individuellen Umweltbedingungen, Gene und eine Barrierestörung des Darms vermutet.

Die Krankheiten verlaufen schubweise, mit Bauchschmerzen, häufigen Durchfällen und bei länger anhaltenden Schüben mit Gewichtsverlust und Schwäche. Neben den körperlichen Beschwerden spielen die psychosozialen Belastungen eine wichtige Rolle für Betroffene: Die Erkrankung kann von Ängsten begleitet sein, die Beschwerden werden häufig im Arbeits- oder sozialen Umfeld tabuisiert und können zu Problemen am Arbeitsplatz führen.

Dr. Jonas Mudter, Oberarzt und stellvertretender Leiter der Endoskopie der Universitätsklinik Erlangen und Mitglied des Kompetenznetz Darmerkrankungen, und seine Kollegin Dr. Ekaterina Krauss, Ärztin für Innere Medizin, haben nun eine Studie veröffentlicht, mit der die Zusammenhänge zwischen den psychischen Belastungen und chronisch entzündlichen Darmerkrankungen beschrieben werden.

Im Zeitraum von September 2011 bis März 2012 wurden 270 Personen mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa und eine nicht von CED-betroffene Kontrollgruppe – 110 Personen – in Fragebogen gestützten Interviews dazu befragt, welche psychischen Faktoren ihr Wohlbefinden am stärksten beeinflussen.

Das Ergebnis zeigt einen klaren Zusammenhang zwischen chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, dem verstärkten Auftreten von Depressivität sowie einem erhöhten Bedarf an sozialer Unterstützung, wie sie zum Beispiel die Familie oder Selbsthilfegruppen bieten. Diese Faktoren beeinträchtigen besonders häufig Betroffene mit Morbus Crohn, weniger diejenigen mit Colitis ulcerosa, und sie sind in ihrer Ausprägung abhängig von der Schwere des Entzündungsgrades.

Erste bundesweite prospektive Umfrage von ÄrztInnen für chronisch entzündliche Darmerkrankungen

Die Studie „Analyse von psychischen Belastungsfaktoren bei CED-Patienten“ entstand als eines der ersten Projekte der GISG, German Inflammatory Bowel Disease Study Group, eine gemeinnützige Studienplattform, in der VertreterInnen aus Praxen, Kliniken und Universitäten zusammen Studienideen erarbeiten und ausführen. Die GISG wurde 2008 von der „Arbeitsgemeinschaft für chronisch entzündliche Darmerkrankungen“ (DACED) gegründet und in das Kompetenznetz Darmerkrankungen integriert.

An der Studie beteiligten sich bundesweit mehr als 30 Studienzentren, zu denen sowohl Krankenhäuser und Universitätskliniken als auch niedergelassene Arztpraxen gehörten.

Das Kompetenznetz Darmerkrankungen

Das Kompetenznetz Darmerkrankungen ist ein Verbund von WissenschaftlerInnen, niedergelassenen ÄrztInnen, Fachkliniken, universitären Instituten und der Wirtschaft, der sich mit den beiden am häufigsten auftretenden chronisch entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa beschäftigt. Ziel ist, das Wissen um die Krankheiten bekannter zu machen, die Wege von Forschungserkenntnissen zu den PatientInnen zu verkürzen und die Versorgung der PatientInnen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen zu verbessern.

Kontakt zur GISG:
Frau Raimonda Vaitkute, GISG-Organisationsbüro beim Kompetenznetz Darmerkrankungen
Telefon: +49.(0)431.597-4153, E-Mail: r.vaitkute@kompetenznetz-ced.de

Kontakt für JournalistInnen:
Susanne Weller / Pressestelle Kompetenznetz Darmerkrankungen
Telefon.: +49.(0)172.308 41 36, E-Mail: s.weller@weller-media.com

Susanne Weller | idw
Weitere Informationen:
http://www.kompetenznetz-ced.de/
http://www.gisg.eu/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Ab ins Ungewisse: Über das Risikoverhalten von Jugendlichen
19.01.2017 | Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

nachricht Der Klang des Ozeans
12.01.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise