Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nadeln gegen Hormonstörungen der Frau

27.08.2009
Akupunktur mögliche Therapie bei häufigster Unfruchtbarkeits-Ursache

Akupunktur könnte sich zur Eindämmung einer geläufigen weiblichen Hormonstörung eignen. Zu diesem Schluss kommen Neurowissenschaftler der Universität Göteborg in der Fachzeitschrift "American Journal of Physiology - Regulatory, Integrative and Comparative Physiology".

Bei Frauen, die am Polyzystischen Ovarialsyndrom (PCOS) litten, das als häufigste Ursache für Testosteronüberschuss und Regelstörungen gilt, zeigte eine Behandlung durch Akupunktur Erfolge. "Wenngleich der Zeitpunkt noch zu früh ist, um Akupunktur für diese Störung zu empfehlen, ist das Ergebnis vielversprechend", so die Studienautorin Elisabet Stener-Victorin im pressetext-Interview.

Etwa jede zehnte Frau im gebärfähigen Alter ist in Europa vom PCO-Syndrom betroffen, womit diese hormonelle Störung die am häufigsten auftretende bei Frauen dieser Altersgruppe ist. Es zeigt sich in der Ausprägung zahlreicher kleiner, unreifer Zysten in den Eierstöcken, aufgrund derer die Hormonproduktion gehörig durcheinander gebracht wird. Betroffene Frauen produzieren dadurch zu große Mengen des männlichen Sexualhormons und leiden an Störungen ihres Zyklus, woraus oft Unfruchtbarkeit entstehen kann. Frauen, die am PCO-Syndrom leiden, haben auch ein erhöhtes Risiko für Fettsucht, Typ-2-Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Neben dem erhöhte Testosteron-Spiegel zeigen Betroffene auch erhöhte Aktivität im sympathischen Nervensystem, wie Stener-Victorin bereits früher zeigen konnte. Die Ursache für PCOS ist hingegen trotz seiner weiten Verbreitung bisher nicht bekannt.

In der aktuellen Studie erhielten eine Gruppe von Frauen mit PCOS vier Monate lang regelmäßig Elektro-Akupunktur. Bei dieser Technik werden die Nadeln mit einer schwachen, elektrischen Stromstärke mit niedrigen Frequenzen stimuliert. Eine zweite Gruppe wurde angehalten, in diesem Zeitraum mindestens dreimal pro Woche Sport zu betreiben, was über Pulsmesser auch kontrolliert wurde. Schließlich gab es noch eine Kontrollgruppe, die man allein über die Bedeutung von Bewegung und einer gesunden Ernährung aufklärte, ohne jedoch spezielle Anweisungen zu geben. Sowohl Sport als auch Akupunktur verringerten die Aktivität im Sympathikus gegenüber der Kontrollgruppe. In weiteren Punkten zeigte allerdings die Akupunktur größeren Erfolg. "Bei den Frauen, die mit Akupunktur behandelt wurden, normalisierte sich der Menstruationszyklus und der Testosteron-Spiegel sank deutlich. Das ist besonders wichtig, da das Testosteron in direktem Zusammenhang zur Sympathikus-Aktivität steht", so Stener-Victorin. Bei der Sportgruppe konnten letztere Effekte nicht festgestellt werden.

Dass die Forscherin bisher Akupunktur noch nicht für PCOS empfehlen kann, begründet sie mit den Einschränkungen im Studiendesign. "Einerseits war die Versuchsgruppe mit 20 Frauen noch sehr klein, weshalb eine parallele Kohortenstudie mit 70 Probandinnen noch weitere Aufschlüsse liefern soll." Die in der Studie untersuchten Kontrollgruppen würden es weiters nicht erlauben, Placeboeffekte der mit Akupunktur Behandelten ganz auszuschließen. "Das Problem ist derzeit, dass die heute erhältlichen Placebo-Nadeln noch nicht gut genug sind, um diesen Effekt tatsächlich und unter randomisierten Bedingungen nachzuweisen. Das wird jedoch eines Tages möglich sein", schätzt Stener-Victorin. "Positiv ist jedoch zu vermerken, dass diese Behandlung keine Nebenwirkungen zeigt."

Johannes Pernsteiner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.sahlgrenska.gu.se/english

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave
02.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT

nachricht Europaweite Studie zu Antibiotikaresistenzen in Krankenhäusern
18.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie