Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie sich Musikergehirne erinnern

19.11.2010
Komplexe Fingerbewegungen im Baustein-Prinzip gespeichert

Ihre Fingerperfektion verdanken professionelle Musiker einer besonderen Fähigkeit des Gehirns. Es erkennt beim Üben wiederkehrende Bewegungsmuster, speichert diese blockweise ab und kann sie in dieser Form auch wieder abrufen.

Das berichten Neurologen vom Universitätsklinikum Leipzig http://neurologie.uniklinikum-leipzig.de in der Zeitschrift "Current Biology". "Dank dieser Erinnerungsbausteine erspart sich ein Musikergehirn Zeit und Energie. Musiker haben somit freie Reserven für Leichtigkeit, Präzision und Virtuosität beim Spielen", erklärt Studienleiter Joseph Claßen.

Üben spart Energie

Die Forscher ließen 15 professionelle Violinisten und Pianisten Übungsstücke spielen und zeichneten dabei die Griffe der linken Hand als Elektroimpulse auf. Sie analysierten die einzelnen Abläufe und gliederten sie in Bewegungsmuster. Anschließend setzte man den Musikern eine Magnetspule auf den Kopf, die durch elektrische Impulse eine transkranielle Stimulation bestimmter Verbände von Gehirnnervenzellen auslöst, ohne dabei zu schmerzen. Das Ergebnis waren spontane, unbewusste Fingerbewegungen, die jenen beim Spielen auf dem Instrument erstaunlich ähnelten. Bei einer Kontrollgruppe von 17 Nichtmusikern führte die Stimulierung hingegen zu ungerichteten Zuckungen.

Diese Beobachtung erklären die Forscher durch die bis zu 10.000 Übungsstunden, die professionelle Musiker hinter sich haben. Dieses Training erlaubt es, Gemeinsamkeiten von Bewegungen zu abstrahieren und in Modulen abzuspeichern. "Erst so können die Finger hochkomplexe Abläufe schnell abrufen und müssen nicht jede einzelne Muskelaktivität bewusst planen", erklärt der Studienautor. Ähnliche Prozesse dürften überall im Spiel sein, wo es um hohe Fingerfertigkeit geht - also auch beim Tippen eines Textes bis hin zu den täglichen Handbewegungen eines Chirurgen.

Musizieren ist Meisterleistung

Immer wieder bringen Forscher neue Details zutage die verdeutlichen, welche Meisterleistung das Gehirn beim Musizieren vollbringt. So steuert es etwa die linke Hand von Geigern in einem Präzisionsbereich von Millimeterbruchteilen. Im Unterschied zu anderen feinmotorischen Aufgabenstellungen integriert die Musik zudem auch Hören, Sehen, Körpergefühl und Emotionen und stellt etwa in Konzerten höchste Anforderungen in jeder Sekunden über lange Zeiträume (pressetext berichtete: http://pressetext.com/news/090801003/ ).

Johannes Pernsteiner | pressetext.redaktion
Weitere Informationen:
http://neurologie.uniklinikum-leipzig.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Zirkuläre Wirtschaft: Neues Wirtschaftsmodell für die chemische Industrie?
28.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Unternehmen entwickeln sich zu Serviceanbietern
25.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie