Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Musik macht hellhörig für Emotionen

10.03.2009
Therapie mit Musik schult die Gefühlswahrnehmung

Wer ein Musikinstrument spielt, kann im Gespräch mit anderen zwischen den Zeilen versteckte Gefühle besser erkennen. Das besagt eine Studie von Neurobiologen der Northwestern University, die im European Journal of Neuroscience veröffentlicht wurde.

Musiker reagierten im Experiment auf feine akustische Unterschiede in einem emotionellen Tonbeispiel weitaus stärker als Nicht-Musiker. Diese Erkenntnisse können der Behandlung von Kindern mit Autismus sowie mit Lese- und Sprachschwierigkeiten zugute kommen. Musiktherapie könnte ihnen helfen, Emotionen anderer Menschen besser zu erkennen.

Diese Erkenntnis lieferte ein Experiment mit 30 Versuchspersonen, die Hälfte davon Musiker. Während sie einen Naturfilm mit Untertiteln ansahen, wurde in regelmäßigen Abständen über Köpfhörer das Weinen eines Babys zugespielt. "Wir wählten dieses Tonbeispiel, da es besonders hohe Emotionalität hervorrief und sowohl komplexe als auch einfache Abschnitte besaß", so Studienleiterin Nina Kraus im pressetext-Interview. Elektroden maßen die elektrische Reaktion der Probanden im Hirnstamm, der den Hörnerv mit dem Großhirn verbindet. Bei den Musikern war die Reaktion besonders stark, wenn das Weingeräusch komplexer wurde und sich rasch änderte, während sie auf gleichbleibende Abschnitte weit weniger reagierten als die nicht-musischen Versuchspersonen. "Es scheint, dass die Musiker ihre Gehirnressourcen für komplexere Teile aufheben, auf die wiederum die Nicht-Musiker weniger reagierten", so Kraus. Das spielen eines Musikinstruments schärfe nicht nur das Gehör für Musik, sondern auch jenes für andere Geräusche.

Als "Musiker" definierten die Forscher Menschen, die ein Instrument spielen. "In weiteren Forschungen wollen wir beobachten, ob sich verschiedene Instrumente oder Musikstile unterschiedlich auf die Emotionswahrnehmung auswirken oder ob vielmehr das eifrige Musikhören alleine den Ausschlag gibt." Zwar sei es auch denkbar, dass emotionsbetonte Personen öfters Musikinstrumente in die Hand nehmen, bemerkt Kraus. "Doch wir konnten feststellen, dass der Grad der Treffsicherheit der neuronalen Wahrnehmung mit dem Ausmaß der Musikerfahrung zunahm. Je länger die Teilnehmer ihr Instrument spielten und je früher sie damit begonnen hatten, desto größer war diese Fähigkeit." Das beweise die entscheidende Rolle der Erfahrung, so Kraus weiter.

Frühere Forschungen der Neurobiologen haben Rückstände der Geräuschverarbeitung bei manchen Kindern gezeigt, die an Autismus oder an Dyslexie leiden, worunter man ein Lese- und Verständnisproblem bei normalem Seh- und Hörvermögen versteht. Diese Rückstände, die es den Betroffenen erschweren, Emotionen zu erkennen, seien der gesteigerten Fähigkeit der Musiker genau entgegengesetzt, erklärt Kraus. "Spezielles Musiktraining, das die mangelhafte neurale akustische Wahrnehmung verbessert, könnte diese Engstelle erweitern." Dabei sei die Geräuschverarbeitung in den beiden Leiden unterschiedlich und erfordere genaue klinische Bestimmung. "Menschen mit Dyslexie verschlüsseln die Geräuschelemente ungenau, die man für die Unterscheidung von Konsonanten braucht. Autisten schaffen es hingegen nicht, die genaue Tonlage zu erkennen, in der viele Informationen über Gefühle stecken", so die US-Forscherin abschließend gegenüber pressetext.

Johannes Pernsteiner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.soc.northwestern.edu/brainvolts

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Unternehmen entwickeln sich zu Serviceanbietern
25.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

nachricht Europas demografische Zukunft
25.07.2017 | Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Im Focus: Breitbandlichtquellen mit flüssigem Kern

Jenaer Forschern ist es gelungen breitbandiges Laserlicht im mittleren Infrarotbereich mit Hilfe von flüssigkeitsgefüllten optischen Fasern zu erzeugen. Mit den Fasern lieferten sie zudem experimentelle Beweise für eine neue Dynamik von Solitonen – zeitlich und spektral stabile Lichtwellen – die aufgrund der besonderen Eigenschaften des Flüssigkerns entsteht. Die Ergebnisse der Arbeiten publizierte das Jenaer Wissenschaftler-Team vom Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT), dem Fraunhofer-Insitut für Angewandte Optik und Feinmechanik, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Helmholtz-Insituts im renommierten Fachblatt Nature Communications.

Aus einem ultraschnellen intensiven Laserpuls, den sie in die Faser einkoppeln, erzeugen die Wissenschaftler ein, für das menschliche Auge nicht sichtbares,...

Im Focus: Flexible proximity sensor creates smart surfaces

Fraunhofer IPA has developed a proximity sensor made from silicone and carbon nanotubes (CNT) which detects objects and determines their position. The materials and printing process used mean that the sensor is extremely flexible, economical and can be used for large surfaces. Industry and research partners can use and further develop this innovation straight away.

At first glance, the proximity sensor appears to be nothing special: a thin, elastic layer of silicone onto which black square surfaces are printed, but these...

Im Focus: 3-D scanning with water

3-D shape acquisition using water displacement as the shape sensor for the reconstruction of complex objects

A global team of computer scientists and engineers have developed an innovative technique that more completely reconstructs challenging 3D objects. An ancient...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

Gipfeltreffen der String-Mathematik: Internationale Konferenz StringMath 2017

24.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Grossmäuliger Fisch war nach Massenaussterben Spitzenräuber

26.07.2017 | Geowissenschaften

IT-Experten entdecken Chancen für den Channel-Markt

25.07.2017 | Unternehmensmeldung

Erst hot dann Schrott! – Elektronik-Überhitzung effektiv vorbeugen

25.07.2017 | Seminare Workshops