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Mehrheit der Studierenden bereit zur Selbständigkeit

05.11.2012
Eine Mehrheit der Studierenden kann sich nach dem Examen eine freiberufliche oder unternehmerische Existenz vorstellen. Eine Studie der Uni Kassel zeigt nun, was die Hochschulen tun können, um jungen Menschen den Weg in die Selbständigkeit zu ebnen.

Die Ergebnisse machen ferner deutlich, dass Elemente, die für eine selbständige oder unternehmerische Tätigkeit typisch sind, für die junge Generation eine außerordentlich hohe Bedeutung haben. So äußerten 96 Prozent der Befragten den Wunsch, in einer späteren Berufstätigkeit eigene Ideen umsetzen zu können. 93 Prozent wünschen sich eine selbstbestimmte Arbeitssituation.

92 Prozent wünschen sich eine verantwortungsvolle Tätigkeit und für immerhin 91 Prozent ist Kreativität im Job wichtig bis sehr wichtig. Dabei neigen Männer einer selbständigen Tätigkeit stärker zu als Frauen und internationale Studierende stärker als deutsche Studentinnen und Studenten. Die Befragung wurde im Rahmen des Universitäts-Projekts SIDEStep (Studentische Ideen stärken die eigenen Potentiale) im Auftrag von UniKasselTransfer durchgeführt, der zentralen Einrichtung der Hochschule für den Bereich Wissenstransfer.

„Selbstbestimmtes Arbeiten, das Verwirklichen eigener Ideen und die Übernahme von Verantwortung sind für die heutigen Studierenden außerordentlich wichtige Ziele“, sagte Diplom-Ökonomin Maria Daskalakis vom Fachgebiet Umwelt- und Verhaltensökonomik der Uni Kassel. So wünscht sich eine große Mehrheit der Studierenden Angebote zur Förderung der Kreativität, zur Entwicklung und Umsetzung eigener Projektideen sowie zur Feststellung der Befähigung zur unternehmerischen Selbstständigkeit. Unterstützungsangebote zum Aufbau eigener Netzwerke bereits während des Studiums wird von über 70 Prozent der Studierenden gewünscht, wobei fast die Hälfte der Studierenden gerade diesem Themenfeld eine starke bis sehr starke Relevanz zuweist.

Eine effiziente Gründungsförderung durch die Hochschulen könne dieses Potenzial in Zukunft deutlich besser erschließen als bislang geschehen. „Das ökonomische Potenzial von Firmen, die durch Studierende gleichsam aus der Hochschule heraus gegründet werden, wird in Deutschland noch immer unterschätzt“, sagte Daskalakis. Wie die britische Zeitung „The Guardian“ im vergangenen Jahr berichtete, gründeten alleine die Absolventen des Massachusetts Institute of Technology (MIT) weltweit 25.800 Firmen mit insgesamt mehr als drei Millionen Beschäftigten. Keimzelle des Silicon Valley in Kalifornien, heute die Heimat von Firmen wie Amazon, Apple, Facebook oder Google, war der Stanford Industrial Park, eine Initiative der benachbarten Stanford University.

Bei aller Begeisterung für selbstbestimmtes Arbeiten, sind sich die Studierenden allerdings auch bewusst, dass der Weg zu einer selbständigen oder unternehmerischen Tätigkeit oft nicht einfach ist. Dies wird deutlich, sobald man die Studierenden vor die Alternative stellt, sich für eine abhängige oder eine selbständige Beschäftigung zu entscheiden. 75 Prozent der Befragten erklärten auf diese Frage, sie tendierten nach dem Studium stark oder sehr stark zu einer abhängigen Beschäftigung. Nur 25 Prozent erklärten, sie neigten stark oder sehr stark einer Tätigkeit als Selbständiger zu. „Auf den ersten Blick haben wir hier einen Widerspruch“, erklärt Daskalakis: „Wenn 57 Prozent der Befragten erklären, sie wollten später einmal ihr eigener Chef sein, aber 75 Prozent sich im Zweifelsfall für eine abhängige Beschäftigung entscheiden würden, passt das augenscheinlich nicht zusammen. Tatsächlich zeigt es, dass sich viele junge Menschen sehr pragmatisch verhalten und die Risiken einer Existenz als Selbständige gut einschätzen können.“

Wie die Studie ergab, können Universitäten eine Menge tun, um Hürden für eine spätere Tätigkeit ihrer Studierenden als Firmengründer abzubauen und unternehmerische Kompetenzen zu stärken. Dazu wurden nochmals jene rund 1.000 Studierenden befragt, die zuvor angegeben hatten, sie würden sich nach dem Studium im Zweifelsfall für die Selbständigkeit entscheiden. So wünschten sich 90 Prozent dieser Befragtengruppe eine Unterstützung durch die Hochschule im Bereich der Gründungsfinanzierung. 88 Prozent wünschten sich eine rechtliche Beratung in der Phase der Firmengründung. 83 Prozent würden es begrüßen, wenn ihre Hochschule sie bei der Vermarktung ihrer Geschäftsidee unterstützen würde.

„Die Ergebnisse der Sidestep-Studie geben nicht nur wichtige Hinweise für die Gründungsförderung von Hochschulen, sondern auch für die Personalführung von Unternehmen und Konzernen“, sagte Dr. Oliver Fromm, Leiter von UniKasselTransfer. „Die Absolventen der Zukunft suchen ein Arbeitsumfeld, in dem sie möglichst selbstverantwortlich arbeiten, eigene Ideen und Kreativität einbringen können.“ Darauf müssten sich auch Unternehmen einstellen, wenn sie kreative Köpfe gewinnen und an sich binden wollten.
Die Universität Kassel betreibt seit vielen Jahren eine systematische Gründungsberatung und –förderung. Der UniKasselTransfer Inkubator begleitet junge Gründer auf dem Weg in die Selbständigkeit. Ein Unternehmer Rat aus erfahrenen Wirtschaftsexperten berät Studierende, die sich mit einer Idee für neue Produkte oder Dienstleistungen selbständig machen wollen. Zentrum der Gründungsaktivitäten wird künftig der Science Park Kassel sein, der 2015 auf dem Gelände der Universität seine Tore öffnen soll.

Die vollständige Studie finden Sie hier:
http://www.uni-kassel.de/ukt/fileadmin/datas/ukt/inkubator/
Dokumente/Auswertungen_Projekt_Sidestep_Gender_und_Sidestep_11_10_2012.pdf

Info
Dipl.-Oec. Maria Daskalakis
Universität Kassel
Fachgebiet Umwelt- und Verhaltensökonomik
Tel. 0561/804-3809
E-Mail: Daskalakis@wirtschaft.uni-kassel.de

Dr. Oliver Fromm
UniKasselTransfer
Tel.: 0561/804-2734
E-Mail: ofromm@uni-kassel.de

Dr. Guido Rijkhoek | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-kassel.de

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