Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Leistenbruch-Operationen häufig vermeidbar: Ultraschall erkennt Hernien-Komplikation schonend und kostengünstig

27.09.2010
In Deutschland erleiden jährlich etwa 250000 Menschen einen Leistenbruch. Eine Operation ist nur dann notwendig, wenn sich Darmschlingen im Leistenkanal einklemmen könnten und dadurch absterben.

Eine Studie mit mehr als 7 000 Patienten zeigt, dass eine einfache Ultraschalluntersuchung diese Gefahr frühzeitig erkennt. Bis zu 30000 Operationen lassen sich auf diese Weise vermeiden, so die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM).

Leistenbrüche gehören, insbesondere bei Männern, weltweit zu den häufigsten Erkrankungen: Bei einer „Inguinal-Hernie“ drängen Teile der Eingeweide in den Leistenkanal. Verklemmen sie sich dort, können Darmschlingen absterben.

„Dies ist eine lebensgefährliche, aber sehr seltene Komplikation”, berichtet Dr. med. Helmar Gai aus Hamburg, der auf Leistenbruchoperationen spezialisiert ist. Von außen sei der Beule in der Leiste nicht anzusehen, ob sie für den Patienten zum Risiko werden kann, erläutert Dr. Gai: „Selbst Computer- oder Kernspintomografie helfen in der Regel nicht weiter, da sie nur Momentaufnahmen liefern.” Bei einer Ultraschalluntersuchung dagegen könne der Arzt beobachten, wie sich die Hernie verändert, wenn der Patient durch Pressen den Druck im Bauchraum erhöht.

Eine Studie der Klinik Fleetinsel an mehr als 7000 Patienten zeigt, dass die Form der Hernie in der Ultraschalluntersuchung eine gute Risikoabschätzung ermöglicht. Dr. Gai unterscheidet drei Formen: Bei etwa einem Viertel der Patienten zeige sich auch im Ultraschallbild nur eine einfache Beule. Dr. Gai: „Diese Patienten müssen nicht operiert werden, solange sie keine oder nur sehr geringe Beschwerden haben. Sie müssen sich auch nicht körperlich einschränken. Wir raten ihnen nur, ruckartige Bewegungen bei gleichzeitiger starker Anspannung der Bauchdecke zu vermeiden.” Bei mehr als der Hälfte der Patienten hat die Hernie eine röhrenförmige Ausdehnung angenommen. Auch hier ist nach Einschätzung von Dr. Gai bei Beschwerdefreiheit eine Operation nicht erforderlich, solange keine Darmschlingen in die Hernie vordringen. Nur bei sanduhrförmigen Hernien müsse grundsätzlich operiert werden . Dies ist bei weniger als einem Viertel aller Patienten der Fall.

Die Hamburger Ärzte raten bei Beschwerdefreiheit zu jährlichen Nachuntersuchungen. In der Studie mussten sie in keinem Fall eine Notfalloperation wegen einer eingeklemmten Hernie durchführen. „Diese Ultraschalluntersuchung kann innerhalb weniger Minuten durchgeführt werden. Sie belastet den Patienten nicht und ist wesentlich kostengünstiger als CT oder Kernspin.” Nach Schätzung des Experten könnten durch Ultraschalluntersuchungen in Deutschland jedes Jahr 25000 bis 30000 Hernienoperationen vermieden werden. Dies würde viele Patienten auch vor Schmerzen in der Leiste bewahren, zu denen es nach fünf bis 35 Prozent der Operationen kommt.

Ultraschalluntersuchungen sind in vielen medizinischen Fachgebieten das bildgebende Verfahren der Wahl, so auch in der Inneren Medizin und insbesondere in der Gastroenterologie. „Bei der Sonografie der Organe des Bauchraums entscheidet wie bei allen anderen Ultraschalluntersuchungen auch die Qualifikation des Anwenders über die Qualität der Diagnostik“, sagt Professor Dr. med. Dieter Nürnberg, Präsident der DEGUM und Facharzt für Gastroenterologie aus Neuruppin. Die DEGUM bietet deshalb im Rahmen ihres Drei-Stufenkonzeptes zertifizierte Fortbildung für sonografierende Ärzte aller Fächer an.

Quelle:
H. Gai
Ultraschall von Leistenhernien: Morphologische Klassifikation für ein potenziell konservatives Vorgehen bei asymptomatischen Patienten

Ultraschall in der Medizin 2010; 31: 258–263

Kontakt für Journalisten:
Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM)
Pressestelle
Anna Julia Voormann
Julia Hommrich
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-423
Fax: 0711 8931-167
hommrich@medizinkommunikation.org

Anna Julia Voormann | idw
Weitere Informationen:
http://www.degum.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Neue Gene für das Risiko von allergischen Erkrankungen entdeckt
21.11.2017 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

nachricht Bedeutung von Biodiversität in Wäldern könnte mit Klimawandel zunehmen
17.11.2017 | Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Metamaterial mit Dreheffekt

Mit 3D-Druckern für den Mikrobereich ist es Forschern des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) gelungen ein Metamaterial aus würfelförmigen Bausteinen zu schaffen, das auf Druckkräfte mit einer Rotation antwortet. Üblicherweise gelingt dies nur mit Hilfe einer Übersetzung wie zum Beispiel einer Kurbelwelle. Das ausgeklügelte Design aus Streben und Ringstrukturen, sowie die zu Grunde liegende Mathematik stellen die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift Science vor.

„Übt man Kraft von oben auf einen Materialblock aus, dann deformiert sich dieser in unterschiedlicher Weise. Er kann sich ausbuchten, zusammenstauchen oder...

Im Focus: Proton-Rekord: Magnetisches Moment mit höchster Genauigkeit gemessen

Hochpräzise Messung des g-Faktors elf Mal genauer als bisher – Ergebnisse zeigen große Übereinstimmung zwischen Protonen und Antiprotonen

Das magnetische Moment eines einzelnen Protons ist unvorstellbar klein, aber es kann dennoch gemessen werden. Vor über zehn Jahren wurde für diese Messung der...

Im Focus: New proton record: Researchers measure magnetic moment with greatest possible precision

High-precision measurement of the g-factor eleven times more precise than before / Results indicate a strong similarity between protons and antiprotons

The magnetic moment of an individual proton is inconceivably small, but can still be quantified. The basis for undertaking this measurement was laid over ten...

Im Focus: Reibungswärme treibt hydrothermale Aktivität auf Enceladus an

Computersimulation zeigt, wie der Eismond Wasser in einem porösen Gesteinskern aufheizt

Wärme aus der Reibung von Gestein, ausgelöst durch starke Gezeitenkräfte, könnte der „Motor“ für die hydrothermale Aktivität auf dem Saturnmond Enceladus sein....

Im Focus: Frictional Heat Powers Hydrothermal Activity on Enceladus

Computer simulation shows how the icy moon heats water in a porous rock core

Heat from the friction of rocks caused by tidal forces could be the “engine” for the hydrothermal activity on Saturn's moon Enceladus. This presupposes that...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Forschungsschwerpunkt „Smarte Systeme für Mensch und Maschine“ gegründet

24.11.2017 | Veranstaltungen

Schonender Hüftgelenkersatz bei jungen Patienten - Schlüssellochchirurgie und weniger Abrieb

24.11.2017 | Veranstaltungen

Kinderanästhesie aktuell: Symposium für Ärzte und Pflegekräfte

23.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Treibjagd in der Petrischale

24.11.2017 | Biowissenschaften Chemie

Riesen-Drehmomentsensor aus der PTB bringt Präzision vom Labor in den Prüfstand

24.11.2017 | Energie und Elektrotechnik

Projekt RadVerS – Welcher Radfahrtyp sind Sie?

24.11.2017 | Verkehr Logistik