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Leiharbeit in der Pflege als letztes Mittel?

09.09.2010
Institut Arbeit und Technik warnt vor Auswirkungen des Fachkräftemangels

Dass auch Kliniken, Seniorenheime und Pflegedienste inzwischen zunehmend auf Leiharbeit setzen, deutet auf einen immer kritischeren Fachkräftemangel in der Branche hin. Die reguläre Arbeit ist in vielen Einrichtungen bereits heute mit dem vorhandenen Personal kaum noch zu bewältigen.

„Leiharbeit wird in der Pflege weitgehend nicht zur Kompensation von Auftragsspitzen eingesetzt, sondern als letztes Mittel zur Aufrechterhaltung der Versorgung bei zu geringer Personalausstattung oder fehlender Personalrekrutierung“, zeigen aktuelle Untersuchungen, die das Institut Arbeit und Technik (IAT /Fachhochschule Gelsenkirchen) im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung durchgeführt hat.

Trotz wirtschaftlicher Krise ist die Anzahl der Leiharbeitnehmerinnen in Gesundheitsdiensten weiter um 4.300 (+28,4 %) angestiegen. Zwar ist die quantitative Bedeutung von Leiharbeit in der Gesundheitsbranche derzeit mit rund 19.250 Personen bzw. einem Anteil von 3 Prozent noch relativ gering. Jedoch lässt sich seit 2004 ein überproportionaler Anstieg um mehr als das Fünffache feststellen. Leiharbeit in der Pflege ist – wie in anderen Gesundheitsberufen, aber im Unterschied zu vielen anderen Branchen – überwiegend Frauenarbeit. Für die Leiharbeit im Bereich der Gesundheitsdienste beträgt der Anteil weiblicher Beschäftigter 78,1 Prozent. Gesucht wird vor allem Fachpersonal, Hilfstätigkeiten werden durch Leiharbeit relativ selten besetzt.

Stellenabbau und steigende Arbeitsbelastung

Krankenhäuser haben in den letzten Jahren insbesondere den Abbau von Planstellen in der Pflege zur Kostenreduktion ausgiebig genutzt. Gleichzeitig wächst die Nachfrage nach Gesundheitsdienstleistungen und aufgrund gestiegener Ansprüche an die Pflegearbeit haben die Arbeitsbelastungen der Beschäftigten deutlich zugenommen. Lösungskonzepte aus anderen Branchen – wie die Leiharbeit – können nicht einfach in den Gesundheitssektor übertragen werden, ohne die Besonderheiten dieses überwiegend durch qualifizierte personenorientierte Dienstleistungsarbeit geprägten Sektors zu berücksichtigen, meinen die IAT-Forscher.

Leiharbeit kann unter bestimmten Bedingungen eine sinnvolle Ergänzung zur regulären Beschäftigung im Pflegesektor darstellen. Den Einrichtungen dient sie zur Kompensation von (krankheitsbedingten) Personalausfällen, zur Personalbeschaffung und Entlastung von Arbeitgeberpflichten. Für die Beschäftigten kann Leiharbeit eine Brückenfunktion zurück in das Berufsleben übernehmen. Wichtig sind Qualität und Passgenauigkeit der Leiharbeit – sowohl die Personaldienstleister müssen die Branche gut kennen als auch die Entleihbetriebe über die eigenen Prozesse und Bedarfe informiert sein.

„Gute Leiharbeit“ als Konzept der Arbeitsflexibilisierung darf nicht die Erosion der Tarifstrukturen, Arbeitsbedingungen und Mitbestimmungsrechte befördern, warnen die IAT-Forscher. Aber auch „gute Leiharbeit“ kann das grundlegende Problem des Fachkräfte-mangels in der Pflege keinesfalls lösen. Entscheidend ist nach Einschätzung der IAT-Forscher, „dass es perspektivisch flächendeckend in Gesundheitseinrichtungen gelingt, die Arbeitsbedingungen strukturell zu optimieren, statt eine Reparaturmentalität auf der Basis von Leiharbeit zu befördern. Dies erfordert nicht zuletzt ein Umdenken derart, dass nicht länger nur die Senkung von Personal- sondern auch von Organisationskosten ins Zentrum nachhaltiger betrieblicher Modernisierung und Restrukturierung rückt.

Ihre Ansprechpartner:
Christoph Bräutigam, Durchwahl: 0209/1707-222, E-Mail: braeutigam@iat.eu; Elke Dahlbeck, Durchwahl: 0209/1707-331, E-Mail: dahlbeck@iat.eu; Peter Enste, Durchwahl: 0209/1707-133, E-Mail: enste@iat.eu; Michaela Evans, Durchwahl: 0209/1707-121, E-Mail: evans@iat.eu; PD Dr. Josef Hilbert, Durchwahl: 0209/1707-120, E-Mail: hilbert@iat.eu
Claudia Braczko
Pressereferentin
Institut Arbeit und Technik
der Fachhochschule Gelsenkirchen
Telefon: 0209/1707-176
E-Mail: braczko@iat.eu

Claudia Braczko | idw
Weitere Informationen:
http://www.iat.eu
http://www.iat.eu/forschung-aktuell/2010/fa2010-10.pdf

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