Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Labor: Kunststoff beeinflusst Testergebnisse

07.11.2008
Austretende Chemikalien verändern biologische Reaktionen

Angst vor einer Chemikalie, die aus manchen Kunststoffen austreten kann, hat viele Konsumenten dazu gebracht, keine wieder verwendbaren Plastikflaschen mehr zu benutzen.

Jetzt denken auch Wissenschaftler ernsthaft darüber nach, ihre Reagenzröhrchen aus Plastik nicht mehr einzusetzen. Eine Studie von Wissenschaftlern der University of Alberta ist zu dem Ergebnis gekommen, dass die Bestandteile von kommerziellen Röhrchen, wie sie weltweit in Laboren eingesetzt werden, einige biologische Reaktionen blockieren können. Die Folge davon könnten falsche Schlussfolgerungen zum Beispiel über die Wirksamkeit eines Medikaments sein. Details der Studie wurden in Science veröffentlicht.

Laut dem Biochemiker Andrew Holt ist bereits Wasser ausreichend, um diese Chemikalien aus den Teströhrchen auszuwaschen. Die Wissenschaftler kamen diesem Phänomen auf die Spur als sie ein Medikament gegen Parkinson testeten. Diese Forschungsergebnisse geben laut Holt Berichten von Wissenschaftlern Gewicht, die meinten, dass das Plastik die Ergebnisse von manchen Experimenten beeinflusst habe. "Den Menschen scheint bewusst zu sein, dass Kunststoffe problematisch sein können. Bemerkenswert ist aber, dass niemand getan hat, wozu wir dann gezwungen waren."

Nachdem das Team bemerkt hatte, dass die Messungen des Enzyms MAO-B mehr als außergewöhnlich waren, versuchten die Wissenschaftler, die Ursachen dafür zu ermitteln. Die wahrscheinlichsten Schuldigen waren die Plastikröhrchen, die in der Mikrozentrifuge eingesetzt wurden. Das Wasser, das sich bei mehreren Herstellern in den Röhrchen findet, führte zu einer rund 40-prozentigen Blockierung des Enzyms. Als die Bestandteile des Wassers untersucht wurden, fanden sich Spuren einer antimikrobiellen Substanz und einer Chemikalie, die verhindert, dass das Wasser sich am Plastik festsetzt. Beide wurde von den Herstellern absichtlich hinzugefügt. Auch die Plastikspitzen der Pipetten setzten Chemikalien frei, die biologische Reaktionen blockierten. Chemikalien, die aus den eingesetzten Kunststoffplatten austraten, machten das Enzym jedoch aktiver.

Holt ist laut New Scientist davon überzeugt, dass diese chemischen Reaktionen die Ergebnisse von Experimenten so sehr verfälschen können, dass es entscheidende Auswirkungen auf die Forschung geben kann. Viele der derzeit im Umlauf befindlichen Daten dürften seiner Meinung nach in irgendeiner Weise beeinflusst worden sein. Bisher ist es dem Wissenschaftler noch nicht gelungen, Studien mit falschen Daten oder falschen Schlussfolgerungen zu identifizieren. Er glaubt dennoch, dass durch den Einsatz dieser Kunststoff-Produkte viel Zeit und viel Geld verschwendet worden ist.

Als Holt erstmals auf die möglichen Probleme aufmerksam wurde, kontaktierte er Sarstedt, einen Hersteller von Plastikspitzen von Pipetten. Dem Unternehmen gelang es in der Folge jedoch nicht, diese Forschungsergebnisse zu wiederholen. Holt geht davon aus, dass die Experimente nicht mit den gleichen Standards durchgeführt worden seien. Außerdem habe er seit einem Jahr nichts mehr von dem Unternehmen gehört.

Michaela Monschein | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.ualberta.ca
http://www.sarstedt.com

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Besser lernen dank Zink?

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Innenraum-Ortung für dynamische Umgebungen

23.03.2017 | Architektur Bauwesen