Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Krankenhäuser in der Notaufnahme - Neue Studie der Hochschule Pforzheim

08.02.2013
Patienten wird die Behandlung verweigert, weil das nötige Fachpersonal fehlt.
Dieser Vorwurf könnte in Zukunft die Schlagzeilen bestimmen. Ärzte werden bereits heute händeringend gesucht, Pflegekräfte werden folgen, so eine aktuelle Studie des TDS Instituts für Personalforschung an der Hochschule Pforzheim. Besonders gefährdet sind demnach kleinere Krankenhäuser und Krankenhäuser in ländlichen Regionen.

Wie wirkt sich das Fehlen der Fachkräfte aus und welche Strategien werden entwickelt, um diesem Mangel entgegenzuwirken? Über 130 Krankenhäuser befragten Professor Dr. Stephan Fischer und Annegret Zimmermann im September und Oktober 2012. Ende Januar 2013 folgte die Auswertung. Die strukturierte Untersuchung des TDS Instituts für Personalforschung lässt Rückschlüsse auf die Personalsituation der Ärzte, der Pflegekräfte und der Verwaltungsfachangestellten in den Krankenhäusern zu.
Das Fazit: „Ärzte sind bereits heute Mangelware“, so Fischer. Der Leiter des Instituts sieht ein klares Stadt-Land- und Größen-Gefälle. „Auch größere Kliniken haben Schwierigkeiten, vakante Ärztestellen zu besetzen, doch bei kleineren stehen die Chancen noch deutlich schlechter.“ Acht von zehn Krankenhäusern im ländlichen Raum können freiwerdende Posten nur sehr schlecht neubesetzen. „Es fehlen schlichtweg Bewerber!“ bilanziert Fischer.

Die Personalsituation hat sich auch in den Rekrutierungsstrategien niedergeschlagen. Die Anwerbung und Anstellung von ausländischen Ärzten ist für 81 Prozent der Befragten kein Problem. „Mit Image lässt sich punkten“, folgert Annegret Zimmermann. Während Universitätskrankenhäuser immerhin zehn Bewerbungen auf eine freiwerdende Ärztestelle bekommen – unabhängig vom Status der ausgeschriebenen Stelle – haben kleinere Kliniken kaum Auswahl. Ein bis fünf Akademiker bemühen sich hier um die vakante Stelle. Aus dem Dilemma gibt es laut der Studie für die Krankenhäuser nur einen Ausweg: Das Studium muss für mehr Bewerber geöffnet werden, die Attraktivität des Berufs muss steigen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sollte besser gewährleistet sein.

Doch nicht nur die Ärzteschaft ist eine knappe Ressource. Bereits heute können über ein Drittel der befragten Krankenhäuser die freiwerdenden Pflegestellen nicht wieder oder nur mit Problemen besetzen. „Die Tendenz ist stark ansteigend“, erklärte Stephan Fischer. „Drei Viertel aller Kliniken sieht hier in Zukunft ein deutliches Problem“, so der Professor der Hochschule Pforzheim. Auch stehen Kliniken im ländlichen Raum wieder stärker Fokus. Stellen im Pflegebereich, vielfach über Annoncen in den regionalen Tageszeitungen beworben, können in Großstädten schneller wieder besetzt werden. Auch hier bilden Fachkräfte aus dem Ausland bereits eine attraktive Alternative. Die Arbeitszeiten, eine angemessene Bezahlung und das soziale Umfeld sind Faktoren, die die Entscheidung der Pflegekräfte zu Gunsten eines Standortes beeinflussen.

„Nur bei den Verwaltungsfachangestellten der Krankenhäuser gibt es zurzeit keine Probleme“, stellte Fischer fest. Hier scheint das Reservoir an Fachkräften ausreichend. Für alle Einrichtungen sind die eigene Homepage, Imagebroschüren oder Anzeigen in den einschlägigen Medien inzwischen Standradinstrumente zur Personalanwerbung. Keine Relevanz sehen die Arbeitgeber in der Nutzung der Social Media. Facebook, Xing oder Google+ sind in der Krankenhausarbeitswelt noch nicht angekommen, obwohl künftige Arbeitnehmer hier ein verstärktes Interesse signalisieren.

Die Personalsituation verursache höhere Kosten, so ein Fazit der Studie. „Über die Hälfte der Kliniken beschäftigten bereits Honorarärzte, Stellenwerbungen werden teurer und die Beschäftigung von ausländischem Fachpersonal bedeutet oft eine intensivere Einarbeitung“, führt Fischer als Beispiele auf. Ein positives Image wirke sich günstig auf die Personalentwicklung aus. „Kleinere Häuser müssen sich hier deutlicher abheben, um zu punkten“, so Professor Fischer. „Personalentwicklung und -rekrutierung ist für die Kliniken zentral“, erläutert der Leiter des Instituts der Hochschule Pforzheim. Schließlich wäre das Abweisen von Patienten nicht nur kontraproduktiv für das Image der Klinik, sondern widerspräche auch deren Auftrag.

Sabine Laartz | idw
Weitere Informationen:
http://www.hs-pforzheim.de/tds-institut

Weitere Berichte zu: Fachkraft Notaufnahme Personalforschung Personalsituation Pflegekraft TDS

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu sicherem Autofahren bis ins hohe Alter
19.06.2017 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften