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Kölner Demograf: Lebenserwartung erreicht neue Rekordhöhen

21.06.2010
Nach neusten Berechnungen an der Universität zu Köln wird sich die Anzahl der Hundertjährigen innerhalb von 50 Jahren verzwanzigfachen

Aktuelle Modellrechnungen des Demografen und Wirtschaftswissenschaftlers Eckart Bomsdorf von der Universität zu Köln zeigen, dass die Lebenserwartung in Deutschland neue Rekordhöhen erreichen wird. Bei in diesem Jahr geborenen Mädchen beträgt demnach die Lebenserwartung 92,7 Jahre und bei Jungen 87,6 Jahre.

Die Berechnungen von Professor Bomsdorf zeigen zudem, dass bereits die heute lebende Generation der „Best Ager“ sehr alt werden könnte. Über 100.000 der 50-Jährigen würden danach das Alter von 100 Jahren erreichen. Damit würde sich die Anzahl der Hundertjährigen in fünfzig Jahren gegenüber heute nahezu verzwanzigfachen - und das bei sinkender Bevölkerungszahl. „Das sind Werte, die Gesellschaft und Politik mehr als nachdenklich stimmen sollten“, sagt Bomsdorf.

Noch eindrucksvoller sieht es bei den Neugeborenen aus. Von den im Jahr 2010 geborenen Mädchen könnten 50 Prozent ein Alter von 95 Jahren erreichen, Jungen ein Alter von 90 Jahren. 25 Prozent könnten sogar mindestens das Alter von 100 bzw. 97 Jahren erreichen.

Steigende Lebenserwartungen führen zu steigenden Kosten in
Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung. Bei der Pflegeversicherung zeige sich diese Veränderung besonders deutlich: Eine Zunahme der Anzahl der Pflegebedürftigen von heute 2,2 Millionen auf 4,5 Millionen im Jahr 2050 sei durchaus realistisch. Wegen des Rückgangs der Bevölkerung würde der Anteil der Pflegebedürftigen an der Bevölkerung noch deutlicher zunehmen: von heute 2,6% auf über 6% in 2050. „Diese Zahlen verdeutlichen, dass die höhere Lebenserwartung zu einer großen Belastung der Sozialsysteme führen wird, deren Höhe heute vielfach immer noch unterschätzt wird. Beitragserhöhungen sind längerfristig unvermeidbar“, sagt Bomsdorf.

Längeres Leben gebe es nicht umsonst. „Eine höhere Lebenserwartung führt zu längeren Rentenlaufzeiten, der in erster Linie durch eine Erhöhung und insbesondere auch Flexibilisierung des gesetzlichen Renteneintrittsalters - langfristig sogar über das Alter von 67 hinaus - begegnet werden kann“, sagt Bomsdorf. Nach den am Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialstatistik der Universität zu Köln durchgeführten Berechnungen hat bereits heute eine 65-jährige Frau eine Lebenserwartung von 22,7 Jahren. Ein gleichaltriger Mann hat dagegen eine Lebenserwartung von 18,8 Jahren. Selbst 80-Jährige haben heute noch eine Lebenserwartung von 9,8 (Frauen) bzw. von 8,2 Jahren (Männer).

Tabelle: Berechnungen von Professor Eckart Bomsdorf, 2010

Bei Rückfragen: Universität zu Köln
Dr. Patrick Honecker
Pressesprecher
Tel: +49 221 470-2202; 0170 5781717
E-Mail: patrick.honecker(at)uni-koeln.de
Inhaltliche Fragen:
Professor Dr. Eckart Bomsdorf
Seminar für Wirtschafts- und Sozialstatistik
Tel: +49 221 470-2982
Verantwortlich: Pierre Hattenbach

Gabriele Rutzen | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-koeln.de

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