Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Klinische Studie zum Jülicher Neurostimulator abgeschlossen

29.10.2010
Behandlung von chronischem Tinnitus zeigt Erfolge
PATIENTEN-HOTLINE: 0221-454 6333, tinnitus@anm-medical.com

Eine klinische Studie zum Jülicher Neurostimulator zur Tinnitus-Therapie ist nun beendet. Zehn Monate lang untersuchten Wissenschaftler um Prof. Peter Tass vom Forschungszentrum Jülich die neue Therapie.

Ihr Ergebnis: Nach drei Monaten besserte sich der Tinnitus bei 71 Prozent der Patienten um mindestens einen Tinnitus-Schweregrad. Ein nachhaltiger Erfolg stellt sich nach einer längeren Therapie ein, wie eine freiwillige sechsmonatige Weiterbehandlung der Patienten zeigte. Mittels Elektroenzephalographie (EEG) konnten die Forscher zudem theoretisch vorausgesagte Hirnstromveränderungen durch den Neurostimulator nachweisen. Sie sehen darin einen Beleg dafür, dass der Stimulator krankhaft synchron feuernde Nervenzellverbände wieder in einen gesunden Rhythmus zurückführt.

Der Neurostimulator soll die bei Tinnitus-Patienten krankhaft synchron feuernden Neuronen im Gehirn dauerhaft in einen gesunden Zustand versetzen. Dazu wird die Technologie des sogenannten Coordinated Reset (CR) eingesetzt: Den Patienten werden über einen Schallgenerator und einen speziellen Kopfhörer mehrere Stunden pro Tag Stimulationssequenzen ins Ohr gespielt, die auf ihren spezifischen dominanten Tinnitus-Ton abgestimmt sind. Diese Stimulation zielt darauf ab, krankhaft synchrone Nervenzellverbände zu desynchronisieren, damit die Neuronen nachhaltig ihre krankhafte Vernetzung und damit ihre Fähigkeit zur Synchronisation verlernen.

Vom Juni 2009 bis Juli 2010 behandelten Tass und seine Kollegen insgesamt 61 Patienten mit einem chronisch-tonalen Tinnitus mit dem Neurostimulator. Sie teilten die Probanden dazu in insgesamt fünf Gruppen auf. In vier Gruppen variierten Stimulusdauer und -zahl, die fünfte Gruppe erhielt eine Scheinbehandlung. Zwölf Wochen dauerte die erste Therapiephase, gefolgt von einer vierwöchigen Behandlungspause, um Nachwirkungen zu untersuchen. Danach unterzogen sich alle Studienteilnehmer freiwillig einer sechs Monate langen Weiterbehandlung, der die Stimulation mit den bis dahin besten Ergebnissen zugrunde lag. Den Behandlungserfolg überprüften die Forscher unter anderem anhand der Änderungen der subjektiven Tinnitus-Lautheit und -Belästigung sowie des Tinnitus-Schweregrades und durch Messungen der Hirnströme im EEG. In ihrer Studie arbeiteten die Forscher nach international festgelegten Richtlinien, welche die Qualität klinischer Studien sichern (ICH-GCP-Richtlinien).

Bei einer Behandlung von vier bis sechs Stunden pro Tag reduzierte sich die wahrgenommene Tinnitus-Lautstärke bereits nach zwölf Wochen Therapie um 51 Prozent, die subjektive Belästigung nahm um 48 Prozent ab. Diese Effekte blieben auch in der Therapiepause noch statistisch signifikant messbar, schwächten sich aber wieder ab. Ein Zeichen dafür, dass für eine maximale Therapiewirkung eine längere Behandlung nötig ist. Das bestätigte die angeschlossene freiwillige Weiterbehandlung: Nach dieser wurde der Prozentsatz aller Studienteilnehmer mit dem Tinnitus-Schweregrad "leicht" im Vergleich zum Studienbeginn mehr als verdoppelt (von 32 auf 69 Prozent), ohne dass dauerhafte Nebenwirkungen auftraten. Die Scheinbehandlung hingegen führte zu keiner Veränderung des Tinnitus.

Im Rahmen der klinischen Studie untersuchten die Wissenschaftler mittels EEG außerdem Änderungen der Hirnströme, denn diese spiegeln die krankhafte Aktivität der Nervenzellen wider. Die Ergebnisse zeigten - wie theoretisch vorhergesagt - Änderungen der Hirnstromaktivität: Die krankhafte, übermäßig synchrone und verlangsamte Tätigkeit der Nervenzellen im Frequenzbereich zwischen 1 und 3 Hz nimmt signifikant ab, während der gesunde und für die Informationsverarbeitung wichtige Ruherhythmus, der Alpharhythmus, im Bereich um 10 Hz, wieder signifikant zunimmt.

Der Neurostimulator ist inzwischen durch den Lizenzpartner des Forschungszentrums, die Firma ANM Adaptive Neuromodulation GmbH, als Medizinprodukt entwickelt und zugelassen und wird durch diesen vertrieben.

Weitere Informationen:

Adaptive Neuromodulation GmbH (ANM):
www.anm-medical.com
Pressekontakt:
Bitte beachten Sie: Wir können keine Patientenanfragen beantworten. Benutzen Sie hierfür bitte die Hotline der Firma ANM:

Info-Telefon: +49 221 454 6333

Annette Stettien, Dr. Barbara Schunk,
Tel.: 02461 61 2388 bzw. 8031,
E-mail: a.stettien@fz-juelich.de, b.schunk@fz-juelich.de
Das Forschungszentrum Jülich...
... betreibt interdisziplinäre Spitzenforschung, stellt sich drängenden Fragen der Gegenwart und entwickelt gleichzeitig Schlüsseltechnologien für morgen. Hierbei konzentriert sich die Forschung auf die Bereiche Gesundheit, Energie und Umwelt sowie Informationstechnologie. Einzigartige Expertise und Infrastruktur in der Physik, den Materialwissenschaften, der Nanotechnologie und im Supercomputing prägen die Zusammenarbeit der Forscherinnen und Forscher. Mit rund 4 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gehört Jülich, Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, zu den großen Forschungszentren Europas.

Annette Stettien | Forschungszentrum Juelich GmbH
Weitere Informationen:
http://www.anm-medical.com

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave
02.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT

nachricht Europaweite Studie zu Antibiotikaresistenzen in Krankenhäusern
18.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weiterbildung zu statistischen Methoden in der Versuchsplanung und -auswertung

06.12.2016 | Seminare Workshops

Bund fördert Entwicklung sicherer Schnellladetechnik für Hochleistungsbatterien mit 2,5 Millionen

06.12.2016 | Förderungen Preise

Innovationen für eine nachhaltige Forstwirtschaft

06.12.2016 | Agrar- Forstwissenschaften