Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Klimawandel und Wintersport: Ausgeschneit

10.01.2014
Sonnenschein auf verschneiten Pisten – so sieht für viele ein perfekter Skitag aus.

Eine neue Studie zeigt: Solche Tage werden seltener und kommen künftig später in der Saison. Die Tourismusmanager in den Wintersportgebieten müssen umdenken.

Auf deutsche Skigebiete kommen schwierige Zeiten zu. Aufgrund des Klimawandels werden langfristig nur ein bis zwei Skigebiete in Deutschland übrigbleiben. Das zeigt eine neue Studie von Jürgen Schmude, Geographieprofessor an der LMU, die demnächst im Fachmagazin „Tourism Economics“ erscheint.

Schmude und seine Mitarbeiterin Anja Berghammer haben den Parameter des „optimalen Skitags“ eingeführt, um die wirtschaftliche Entwicklung des Ski-Tourismus zu berechnen. Denn Skifahrer haben eine genaue Vorstellung vom idealen Wetter für ihren Pistenspaß. Ist diese erfüllt, klingeln die Kassen, weil viele Gäste in die Skigebiete strömen.

„An einem optimalen Skitag, gibt es keinen Niederschlag, die Sonne scheint mindestens fünf Stunden und die gefühlte Temperatur liegt zwischen minus 5 und plus 5. Wichtig ist auch ein eher psychologischer Aspekt: Dass die Skipiste kein weißes Band in grüner Landschaft ist“, sagt Schmude.

Die beiden Wissenschaftler haben sechs verschiedene Klimamodelle angewendet, um die Zukunft für die deutschen Skigebiete vorherzusagen. Die Modelle variieren bezüglich des vorhergesagten Temperaturanstiegs und der Veränderungen der Niederschläge und bilden so ein breites Spektrum der möglichen zukünftigen Klimaentwicklung ab.

Zukünftig die beste Skizeit: Ostern

Wie die Modellrechnung zeigt, wird es künftig immer weniger ideale Skitage in Deutschland geben und sie werden sich zeitlich verschieben: Am Beispiel Berchtesgadener Land simulierten die Wissenschaftler die jahreszeitliche Verteilung der optimalen Skitage und konnten dabei eine deutliche Verschiebung feststellen.

„Im Augenblick liegt das Maximum der optimalen Skitage im Dezember und Januar. Dies wird sich über die 2020er- bis 2030er-Jahre in Richtung Ostern verschieben. Wir haben das „Christmas-Easter-Shift“ genannt: Es gibt dann keine weißen Weihnachten mehr, sondern die optimalen Skitage treten eher im März und April auf“, sagt Schmude.

Der Grund ist eine andere Niederschlagsverteilung – insgesamt gibt es weniger Niederschläge und besonders im Dezember wird es eher regnen als schneien – und ein späteres Auftreten von Frosttagen während der Skisaison.

Neue Ideen gefragt

„Diese Veränderungen bedeuten für touristische Einrichtungen einen Paradigmenwechsel: Man kann nicht mehr weiße Weihnachten vermarkten, sondern man muss sich darum kümmern, dass die Gäste an Ostern noch Lust haben zum Skifahren“, sagt Schmude, „dies erfordert neue Marketingstrategien“. Insgesamt gehen die Wissenschaftler davon aus, dass kleine, niedrig gelegene Skigebiete aus dem Markt ausscheiden werden. Skitourismus sollte in Zukunft vor allem in solchen Regionen gefördert werden, die bereits jetzt die vorteilhaftesten Bedingungen aufweisen – also vor allem in den hoch gelegenen Gebieten.

Für Schmude ist angesichts seiner Berechnungen klar: „Die meisten deutschen Skigebiete liegen langfristig nicht hoch genug. Wenn wir unsere Modellierungen betrachten, werden wir bis 2050 voraussichtlich noch ein bis zwei deutsche Skigebiete haben. Anderswo sollte die Abhängigkeit von der Schneelage zurückgefahren werden, indem alternative Konzepte für den Tourismus entwickelt werden und das Angebot diversifiziert wird.“

(Tourism Economics 2014)

Publikation:
The Christmas-Easter-Shift. Simulating Alpine ski resorts’ future development under climate change conditions using the parameter “Optimal Ski Day“
Anja Berghammer, Jürgen Schmude
Tourism Economics 2014
DOI: http://dx.doi.org/10.5367/te.2013.0272
Kontakt:
Prof. Dr. Jürgen Schmude
Department of Geography
Chair of Economic Geography and Tourism Research
Tel +49 (0)89 / 28 92 28 76
E-Mail: juergen.schmude@geographie.uni-muenchen.de
Weitere Informationen:
http://www.uni-muenchen.de/aktuelles/spotlight/2014_meldungen/
schmude_klimawandel_skisport.html
Interview mit Professor Jürgen Schmude zu Tourismus und Wintersport

Luise Dirscherl | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-muenchen.de

Weitere Berichte zu: Klimawandel Niederschlag Skigebiet Wintersport

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wiederverwendung von IT- und Kommunikationsgeräten schont Klima und Ressourcen
23.02.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Klimawandel verstärkt Selenmangel
21.02.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie