Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Klimaschutz mit Instrumenten der Außenhandelspolitik

18.01.2013
Internationale Studie unter Oldenburger Federführung

Border Carbon Adjustment (BCA) nennt sich ein Instrument des Außenhandels. Es soll Wettbewerbsnachteile von Staaten, die eine ambitionierte Klima- und Umweltpolitik verfolgen, abmildern und kontraproduktive Emissionsverlagerungen ins Ausland verringern.

Dass das Instrument die Nachteile für emissions- und handelsintensive Industrien in diesen Ländern und damit auch Emissionsverlagerungen tatsächlich deutlich reduzieren kann, bestätigt nun eine von der Universität Oldenburg unter Federführung des Wirtschaftswissenschaflters Prof. Dr. Christoph Böhringer initiierte internationale Studie des Energy Modeling Forum (EMF).

Das Energy Modeling Forum (EMF) ist eine international renommierte Experten-Plattform, die sich mit wichtigen Energie- und Umweltfragen beschäftigt und Handlungsempfehlungen für die Wirtschaftspolitik formuliert. In der EMF-Studie haben sich zwölf Expertengruppen von Forschungseinrichtungen aus Deutschland, den USA, Kanada, Frankreich, Norwegen, Österreich und der Schweiz mit BCA beschäftigt und die ökonomischen und emissionsseitigen Auswirkungen anhand von modellgestützten quantitativen Analysen untersucht.

Die globalen Folgen des von Menschen verursachten Treibhausgaseffekts machen eine globale Klimapolitik unabdingbar. Doch trotz aller politischen Anstrengungen scheint ein verbindliches weltweites Abkommen zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen in weiter Ferne. Um den Klimaschutz dennoch voranzutreiben, haben einige Länder eine Vorreiterrolle übernommen.

Sie verfolgen auf nationaler Ebene ambitionierte Zielwerte für den Ausstoß von Treibhausgasen. Eine solche unilaterale Klimaschutzpolitik birgt jedoch die Gefahr in sich, dass Industriebetriebe ihre Produktionsstätten in Länder verlagern, in denen die Regulierungen nicht greifen. Ein Mittel, dem Verlust an internationaler Wettbewerbsfähigkeit für emissions- und handelsintensive Industrien in den regulierten Staaten entgegenzusteuern, besteht Böhringer zufolge in einem preislichen Grenzausgleich auf den Kohlenstoffgehalt von exportierten und importierten Gütern.

"Vereinfacht geht es darum, bei Importen aus unregulierten Ländern eine Abgabe auf deren Kohlenstoffgehalt zu erheben. Dabei entspricht die Höhe der Abgabe dem Emissionspreis bzw. der Emissionssteuer des importierenden Landes mit unilateraler Klimaschutzpolitik", erläutert der Hochschullehrer für Wirtschaftspolitik. Umgekehrt sollten der Industrie für Exporte in nicht-regulierte Länder die heimisch bezahlten Emissionsabgaben zurückerstattet werden.

BCA könne die negativen Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit von emissions- und handelsintensiven Industrien unilateral handelnder Länder deutlich mildern und so Emissionsverlagerungen ins Ausland effektiv verringern.

"Aus globaler Perspektive sind die mit Border Carbon Adjustment im Klimaschutz erzielbaren Kosteneinsparungen aber sehr gering", schränkt Böhringer ein. Hauptgrund dafür sei, dass branchenweites BCA keine direkten Anreize für Emissionsvermeidungen bei ausländischen Firmen setze. "Der wesentliche Effekt des Instruments besteht in der – teilweisen – Überwälzung von Emissionsminderungskosten auf unregulierte Länder, da sie die realen Austauschverhältnisse zwischen Exporten und Importen zugunsten der besteuernden Länder verändern", so der Wissenschaftler in der von ihm herausgegebenen Sonderausgabe der internationalen Fachzeitschrift Energy Economics.

Energy Economics, Volume 34, Supplement 2, Pages S95-S250 (December 2012): "The Role of Border Carbon Adjustment in Unilateral Climate Policy: Results from EMF 29”, Edited by Christoph Böhringer, Edward J. Balistreri and Thomas F. Rutherford

Infos: http://www.sciencedirect.com/science/journal/01409883/34/supp/S2

Kontakt:
Prof. Dr. Christoph Böhringer, Institut für Wirtschaftspolitik, Tel.: 0441/798-4102, E-Mail: christoph.boehringer@uni-oldenburg.de
PRESSE & KOMMUNIKATION
REDAKTION:
DR. CORINNA DAHM-BREY
26111 OLDENBURG
TEL. (0441) 7 98 - 54 46
FAX (0441) 7 98 - 55 45
PRESSE@UNI-OLDENBURG.DE

Prof. Dr. Christoph Böhringer | Universität Oldenburg
Weitere Informationen:
http://www.uni-oldenburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Neue Gene für das Risiko von allergischen Erkrankungen entdeckt
21.11.2017 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

nachricht Bedeutung von Biodiversität in Wäldern könnte mit Klimawandel zunehmen
17.11.2017 | Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Metamaterial mit Dreheffekt

Mit 3D-Druckern für den Mikrobereich ist es Forschern des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) gelungen ein Metamaterial aus würfelförmigen Bausteinen zu schaffen, das auf Druckkräfte mit einer Rotation antwortet. Üblicherweise gelingt dies nur mit Hilfe einer Übersetzung wie zum Beispiel einer Kurbelwelle. Das ausgeklügelte Design aus Streben und Ringstrukturen, sowie die zu Grunde liegende Mathematik stellen die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift Science vor.

„Übt man Kraft von oben auf einen Materialblock aus, dann deformiert sich dieser in unterschiedlicher Weise. Er kann sich ausbuchten, zusammenstauchen oder...

Im Focus: Proton-Rekord: Magnetisches Moment mit höchster Genauigkeit gemessen

Hochpräzise Messung des g-Faktors elf Mal genauer als bisher – Ergebnisse zeigen große Übereinstimmung zwischen Protonen und Antiprotonen

Das magnetische Moment eines einzelnen Protons ist unvorstellbar klein, aber es kann dennoch gemessen werden. Vor über zehn Jahren wurde für diese Messung der...

Im Focus: New proton record: Researchers measure magnetic moment with greatest possible precision

High-precision measurement of the g-factor eleven times more precise than before / Results indicate a strong similarity between protons and antiprotons

The magnetic moment of an individual proton is inconceivably small, but can still be quantified. The basis for undertaking this measurement was laid over ten...

Im Focus: Reibungswärme treibt hydrothermale Aktivität auf Enceladus an

Computersimulation zeigt, wie der Eismond Wasser in einem porösen Gesteinskern aufheizt

Wärme aus der Reibung von Gestein, ausgelöst durch starke Gezeitenkräfte, könnte der „Motor“ für die hydrothermale Aktivität auf dem Saturnmond Enceladus sein....

Im Focus: Frictional Heat Powers Hydrothermal Activity on Enceladus

Computer simulation shows how the icy moon heats water in a porous rock core

Heat from the friction of rocks caused by tidal forces could be the “engine” for the hydrothermal activity on Saturn's moon Enceladus. This presupposes that...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mathematiker-Jahrestagung DMV + GDM: 5. bis 9. März 2018 an Uni Paderborn - Über 1.000 Teilnehmer

24.11.2017 | Veranstaltungen

Forschungsschwerpunkt „Smarte Systeme für Mensch und Maschine“ gegründet

24.11.2017 | Veranstaltungen

Schonender Hüftgelenkersatz bei jungen Patienten - Schlüssellochchirurgie und weniger Abrieb

24.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mathematiker-Jahrestagung DMV + GDM: 5. bis 9. März 2018 an Uni Paderborn - Über 1.000 Teilnehmer

24.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Maschinen über die eigene Handfläche steuern: Nachwuchspreis für Medieninformatik-Student

24.11.2017 | Förderungen Preise

Treibjagd in der Petrischale

24.11.2017 | Biowissenschaften Chemie