Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kalorien-nicht Proteine oder Kohlenhydrate-sind der Schlüssel zum Gewichtsverlust bei Diabetikern

01.03.2012
Eine neue Studie der University of Otago in Neuseeland hat gezeigt, daß eine Reduzierung der Kalorienaufnahme bei übergewichtigen oder fettleibigen Typ-2 Diabetikern eher zum Gewichtsverlust führt, als eine besonders protein- und kohlenhydratreiche Ernährung. Der Endokrinologe Dr. Jeremy Krebs leitete die Studie, die erst kürzlich in der internationalen Wissenschaftszeitschrift "Diabetologia" veröffentlicht wurde.

Über einen Zeitraum von zwei Jahren untersuchten die Wissenschaftler den Gewichtsverlust von insgesamt 419 Probanden in Auckland, Wellington und Christchurch im Alter von 35 bis 75 Jahren, die sich an einen fettarmen Ernährungsplan halten mussten. Während eine Gruppe proteinreiche Kost zu sich nahm, sollte sich die andere Gruppe kohlenhydratreich ernähren.

"Wir haben diese Untersuchung durchgeführt, weil Gewichtsverlust gerade bei der Regulation des Blutzuckerspiegels sehr wichtig ist und viele Diabetiker extrem übergewichtig sind. Es herrscht jedoch Uneinigkeit darüber, durch welche Ernährung ein solcher Gewichtsverlust am besten und vor allem langfristig erzielt werden kann", erklärte Dr. Krebs.

Kohlenhydratarme und proteinreiche Ernährungsweisen, wie die Atkins Diät oder die Zone Diät von Dr. Sears, sind derzeit in aller Munde. Zwar ist bei diesen Diäten ein schneller Gewichtsverlust möglich, wie bei herkömmlichen Schlankheitskuren sind langfristige Ergebnisse jedoch auch hier nur schwer zu erzielen. Dabei ist es besonders wichtig, langfristig abzunehmen, und nicht nur über einen Zeitraum von sechs Monaten oder einem Jahr, so Dr. Krebs.

Im Rahmen der Studie wurden Diabetiker mittleren Übergewichts (BMI über 27) in zwei Gruppen aufgeteilt und folgten einem bestimmten Ernährungsplan. Die Gruppen trafen sich außerdem 18 Mal mit einem Ernährungsexperten und führten Diättagebücher, um ihre Ernährung und ihren Gewichtsverlust zu dokumentieren.

Die Untersuchungen zeigten, dass sich der Gewichtsverlust derer, die sich fettarm und proteinreich ernährten, nach zwei Jahren kaum von denen unterschied, die eine fettarme und kohlenhydratreiche Kost verordnet bekommen hatten. Die Testpersonen beider Gruppen nahmen ab, was auf die Verringerung der Kalorienaufnahme durch die fettarme Diät zurückzuführen war. Allein die Kalorienreduzierung war somit ausschlaggebend für den Gewichtsverlust. "Wir konnten bei beiden Gruppen einen kleinen Gewichtsverlust von zwei bis drei Kilo verzeichnen, zwischen den beiden Ernährungsweisen wurden jedoch kaum Unterschiede sichtbar. Der Schlüssel zum langfristigen Gewichtsverlust liegt somit nachweislich in der Senkung der Energiezufuhr, also in einer Reduzierung der Kalorien, die wir täglich zu uns nehmen", gab Dr. Krebs zu verstehen.

Dr. Krebs zufolge deuten die Untersuchungsergebnisse außerdem darauf hin, dass wir in der Auswahl der für uns passenden Ernährungsweise durchaus flexibel sein sollten, um wirklich erfolgreich abzunehmen. Gesättigte Fettsäuren sollte man natürlich auch weiterhin vermeiden, genauso wie man Ballaststoffe weiterhin in großen Mengen zu sich nehmen sollte.

"Vielen Menschen fällt es extrem schwer, sich über einen längeren Zeitraum strikt an eine Diät zu halten. Das verlangt einfach viel Disziplin ab. 30 Prozent unserer Probanden haben ihre Teilnahme an der Studie vorzeitig beendet, weil sie sich nicht an ihre zugewiesene Diät halten konnten. Und auch diejenigen, die mehr oder weniger standhaft blieben, nahmen in den beiden Jahren nicht exakt die vorgegebene Protein- und Kohlenhydratmenge zu sich. Ein Zeichen dafür, wie schwer es ist, unsere alten Essgewohnheiten abzulegen".

Die Studie zeigt, dass es beim Abnehmen keinen Unterschied macht, ob man Fett nun durch viele Proteine oder durch viele Kohlenhydrate ersetzt. Es wird wohl am besten sein, die Patienten selbst über die für sie passende Ernährungsweise entscheiden zu lassen. Der Schwerpunkt sollte dabei jedoch stets auf der Reduzierung der Kalorienaufnahme liegen.

"Viele Menschen neigen dazu, in ihre alten Essgewohnheiten zurückzufallen. Das hat auch das Verhalten unserer Testpersonen gezeigt. Der Schlüssel zum Gewichtsverlust bei Patienten mit Typ-2-Diabetik und zur Regulation des Blutzuckerspiegels liegt tatsächlich in der langfristigen Verringerung der Kalorienaufnahme", betonte Dr. Krebs.

Weitere Informationen:

Institut Ranke-Heinemann / Australisch-Neuseeländischer Hochschulverbund
Pressestelle
Friedrichstr. 95
10117 Berlin
Email: berlin@ranke-heinemann.de
Tel.: 030-20 96 29 593
oder
Dr Jeremy Krebs
University of Otago, Wellington
Email: jeremy.krebs@ccdhb.org.nz
Dr Helen Lunt
University of Otago,Christchurch
Email helen.lunt@cdhb.govt.nz
Das Institut Ranke-Heinemann / Australisch-Neuseeländischer Hochschulverbund ist das gemeinnützige Studierendensekretariat aller australischen und neuseeländischen Universitäten in Europa, zuständig für Wissens- und Forschungstransfer, Forschungsförderung sowie Studenten- und Wissenschaftleraustausch und für die Betreuung von Studierenden und Schülern, die ein Studium Down Under vorbereiten.

Sabine Ranke-Heinemann | idw
Weitere Informationen:
http://www.ranke-heinemann.de/
http://www.ranke-heinemann.at/
http://www.ranke-heinemann.tv/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Erste großangelegte Genomstudie prähistorischer Skelette aus Afrika
27.09.2017 | Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte / Max Planck Institute for the Science of Human History

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Salmonellen als Medikament gegen Tumore

HZI-Forscher entwickeln Bakterienstamm, der in der Krebstherapie eingesetzt werden kann

Salmonellen sind gefährliche Krankheitserreger, die über verdorbene Lebensmittel in den Körper gelangen und schwere Infektionen verursachen können. Jedoch ist...

Im Focus: Salmonella as a tumour medication

HZI researchers developed a bacterial strain that can be used in cancer therapy

Salmonellae are dangerous pathogens that enter the body via contaminated food and can cause severe infections. But these bacteria are also known to target...

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Konferenz IT-Security Community Xchange (IT-SECX) am 10. November 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Luftfracht

23.10.2017 | Veranstaltungen

Ehrung des Autors Herbert W. Franke mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Magma sucht sich nach Flankenkollaps neue Wege

23.10.2017 | Geowissenschaften

Neues Sensorsystem sorgt für sichere Ernte

23.10.2017 | Informationstechnologie

Salmonellen als Medikament gegen Tumore

23.10.2017 | Biowissenschaften Chemie