Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Intuition: Typisch weiblich, typisch männlich?

25.02.2014
Die Intuition gilt traditionell als weiblich und wird der männlichen Vernunft gegenübergestellt. Doch existieren diese Stereotype nach wie vor? Glauben die Deutschen immer noch, dass Frauen bessere Intuitionen über Menschen haben als Männer? Diesen Fragen gingen Wissenschaftler um Gerd Gigerenzer am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung nach.

Wer hat die bessere Intuition – Frauen, Männer, oder gibt es keinen Unterschied? Diese Frage stellte eine Forschergruppe aus Berlin insgesamt 1.016 deutschen Frauen und Männern. Dabei ging es sowohl um das Privat- als auch das Berufsleben. Die Ergebnisse sind überraschend. Wenn es um die Wahl des richtigen Lebenspartners geht, ist die Mehrzahl der Frauen überzeugt, dass sie die besseren Intuitionen haben. Und die deutschen Männer stimmen ihnen zu. Lediglich 14 Prozent der Männer vertrauen ihren eigenen Intuitionen bei der Partnersuche (siehe Abbildung). Das gleiche Bild zeigt sich bei anderen persönlichen Fragen. 


Stereotype von Männern und Frauen über Intuition

 
Ganz anders sieht es jedoch zum Beispiel beim Aktienkauf an der Börse aus. Nur 11 Prozent der Frauen denken, dass sie hier die besseren Intuitionen haben – und noch weniger Männer trauen ihnen das zu. Spiegeln diese Stereotype die Wirklichkeit wider? Im Aktienmarkt ist das keineswegs der Fall. Männer verfügen zwar meist über mehr Wissen, aber nicht über bessere Intuitionen: Andere Studien zeigen keinen Unterschied oder sogar leicht erfolgreichere Investitionen von Frauen. 

 
Diese erstaunliche Gleichförmigkeit der Stereotype bei Männern wie Frauen wird jedoch in einem Bereich durchbrochen: die soziale Interaktion im Berufsleben. Dort gibt es diese Übereinstimmung und Polarisierung nicht mehr. Geht es etwa um das Führen von Mitarbeitern, glauben die Männer mehr an ihre Intuition als an die weibliche. Bei den Frauen ist es hingegen umgekehrt: Sie glauben in der Mehrzahl nicht an die männliche Intuition im Umgang mit Mitarbeitern. Ein großer Teil aber sieht hier keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern.

 
Ein unerwartetes Ergebnis erbrachte die Analyse des Alters: Junge wie ältere Deutsche hatten die gleichen Stereotype über Intuition. „Dies weist darauf hin, dass wir von einem aufgeklärten Umgang mit Intuition noch weit entfernt sind. So gut wie jeder Manager und Arzt trifft ständig Bauchentscheidungen, aber man hat Angst, das öffentlich zu sagen. Intuition wird immer noch mit Willkür, einem sechsten Sinn, oder weiblicher Natur gleichgesetzt“, sagt der Hauptautor Gerd Gigerenzer, geschäftsführender Direktor des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung. 

 
Gibt es die gleichen Stereotype in anderen Ländern? In Kooperation mit der Universität von Granada in Spanien haben die Max-Planck-Forscher auch einen Ländervergleich angestellt. Die spanischen Frauen und Männer sahen weniger Unterschiede zwischen den Geschlechtern als die Deutschen, insbesondere in Bereichen, die den Beruf betreffen. Und das, obwohl die Gleichstellung der Geschlechter in Deutschland angeblich einen höheren Stellenwert hat. „Die Spanier denken über Intuition weniger stereotyp als die Deutschen. Das hat uns aufgrund der traditionellen, eher konservativen Rolle der Frau in Spanien überrascht, die durch das Franco-Regime bis in die Mitte der 70er Jahre geprägt wurde“, so Gerd Gigerenzer.

 
Fakt ist: Zwar sind im vermeintlich gleichgestellten Deutschland mehr Frauen berufstätig als in Spanien, jedoch dafür häufiger in Teilzeit. Gleichzeitig sitzen mehr Spanierinnen als deutsche Frauen in Top-Positionen. Stereotype über weibliche Intuition sind möglicherweise eine der Ursachen, warum wir in Deutschland relativ wenige Frauen in den Führungsspitzen der Wirtschaft und Wissenschaft haben.

 
Originalstudie
Gigerenzer, G., Galesic, M., Garcia-Retamero, R. (2014). Stereotypes About Men's and Women's Intuitions: A Study of Two Nations. Journal of Cross-Cultural Psychology, 2014 45: 62, doi: 10.1177/0022022113487074

Weitere Informationen:

http://www.mpib-berlin.mpg.de/de/presse/2014/02/intuition-typisch-weiblich-typis...

Nicole Siller | Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

Weitere Berichte zu: Bildungsforschung Gleichstellung Interaktion Stereotype

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Zirkuläre Wirtschaft: Neues Wirtschaftsmodell für die chemische Industrie?
28.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Unternehmen entwickeln sich zu Serviceanbietern
25.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Im Focus: Wissenschaftler beleuchten den „anderen Hochtemperatur-Supraleiter“

Eine von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) geleitete Studie zeigt, dass Supraleitung und Ladungsdichtewellen in Verbindungen der wenig untersuchten Familie der Bismutate koexistieren können.

Diese Beobachtung eröffnet neue Perspektiven für ein vertieftes Verständnis des Phänomens der Hochtemperatur-Supraleitung, ein Thema, welches die Forschung der...

Im Focus: Tests der Quantenmechanik mit massiven Teilchen

Quantenmechanische Teilchen können sich wie Wellen verhalten und mehrere Wege gleichzeitig nehmen, um an ihr Ziel zu gelangen. Dieses Prinzip basiert auf Borns Regel, einem Grundpfeiler der Quantenmechanik; eine mögliche Abweichung hätte weitreichende Folgen und könnte ein Indikator für neue Phänomene in der Physik sein. WissenschafterInnen der Universität Wien und Tel Aviv haben nun diese Regel explizit mit Materiewellen überprüft, indem sie massive Teilchen an einer Kombination aus Einzel-, Doppel- und Dreifachspalten interferierten. Die Analyse bestätigt den Formalismus der etablierten Quantenmechanik und wurde im Journal "Science Advances" publiziert.

Die Quantenmechanik beschreibt sehr erfolgreich das Verhalten von Partikeln auf den kleinsten Masse- und Längenskalen. Die offensichtliche Unvereinbarkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen

15.08.2017 | Veranstaltungen

Anbausysteme im Wandel: Europäische Ackerbaubetriebe müssen sich anpassen

15.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Einblicke in die Welt der Trypanosomen

16.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Maschinensteuerung an Anwender: Intelligentes System für mobile Endgeräte in der Fertigung

16.08.2017 | Informationstechnologie

Komfortable Software für die Genomanalyse

16.08.2017 | Informationstechnologie