Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Internationale Studien: Temperaturschwankungen sind schlecht für die Herzgesundheit

03.09.2013
Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie zum Europäischen Kardiologenkongress (ESC) in Amsterdam

Winterliches Wetter wirkt sich ungünstig auf Herz-Kreislauf-Risikofaktoren aus. Und bei größeren Temperaturschwankungen kommt es auch häufiger zu Herzinfarkten als an warmen Tagen. Das zeigen aktuelle Studien aus der Schweiz und Belgien, die auf dem Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) in Amsterdam präsentiert wurden.

Einen deutlichen Zusammenhang zwischen dem Wetter und der Häufigkeit von Herzinfarkten belegt eine in Amsterdam präsentierte Studie der Universität Antwerpen, für die die Daten von 32 belgischen Herzkatheter-Zentren analysiert und mit den meteorologischen Daten von 73 Wetterstationen verglichen wurden. Bei einem Absinken der Tagestemperatur um zehn Grad stieg die Herzinfarkt-Häufigkeit um sieben Prozent an. „Zusätzliche Analysen zeigten, dass dieser Triggereffekt von niedrigen Temperaturen nicht nur im Winter auftritt“, erklärte Studienleiter Prof. Marc Claeys in Amsterdam. „Offenbar können auch relativ geringe Temperaturunterschiede zwischen Innenräumen und dem Freien die Häufigkeit von Herzinfarkten fördern.“ Ein möglicher Mechanismus, der den Zusammenhang zwischen Kälte und Herzinfarktrate erklären könnte, sei die Stimulation von Kälterezeptoren im sympathischen Nervensystem, die zu einer Erhöhung der körpereigenen Ausschüttung von Katecholaminen führt, so der Experte.

„Darüber hinaus fördert Kälte die Thrombozyten-Aggregation und die Zähflüssigkeit des Blutes, was wiederum das Risiko von Blutgerinnseln und Thrombosen steigert.“ Vor allem Menschen mit einem erhöhten Herz-Kreislauf-Risiko sollten daher möglichst vermeiden, sich großen Temperaturschwankungen auszusetzen. Einen Einfluss von Luftverschmutzung auf die Herzinfarkthäufigkeit, die hier ebenfalls untersucht wurde, konnte übrigens nicht nachgewiesen werden.

Zu diesen Ergebnissen passt eine Analyse von Dr. Pedro Marques-Vidal und seinen Kollegen vom CHUV Lausanne. Sie werteten zehn Bevölkerungsstudien aus sieben Ländern (Belgien, Dänemark, Frankreich, Italien, Norwegen, Russland und Schweiz) aus, in die insgesamt 107.090 Personen eingeschlossen waren. Untersucht wurden Blutdruck, Blutfett- und Blutzuckerwerte, Body-Mass-Index und Bauchumfang in den unterschiedlichen Jahreszeiten. Einige der Risikofaktoren waren im Winter (Januar bis Februar) stärker ausgeprägt als im Jahresdurchschnitt, im Sommer (Juni bis August) hingegen geringer.

So war der systolische Blutdruck im Sommer im Durchschnitt 3,5 mmHg niedriger als im Winter – ein individuell nicht sehr hoher, aber auf die Gesamtbevölkerung bezogen sehr relevanter Unterschied. Der Bauchumfang war im Sommer durchschnittlich um einen Zentimeter geringer als im Winter, das Gesamtcholesterin um 0,24 mmol/L niedriger. „Unsere Daten liefern Hinweise, dass manche Risikofaktoren quasi Sommerurlaub machen. Das könnte auch erklären, warum die Sterblichkeit aufgrund von kardiovaskulären Ursachen im Winter höher ist als im Sommer. Man sollte daher im Winter im Interesse der Herzgesundheit noch mehr für gesunde Ernährung und Bewegung sorgen,“ so Dr. Marques-Vidal.

Quelle: ESC Abstracts: 2661- Seasonality of cardiovascular risk factors - an analysis including over 100,000 participants in seven countries; 1769 - Environmental triggers of acute myocardial infarction: does air pollution matter?

Kontakt:
Pressesprecher der DGK
Prof. Dr. Eckart Fleck
E-Mail: presse@dgk.org
B & K Kommunikationsberatung, Dr. Birgit Kofler: Mobil: 0043 676 6368930;
Büro Berlin: 030 700159676
Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz und Kreislaufforschung e.V. (DGK) mit Sitz in Düsseldorf ist eine gemeinnützige wissenschaftlich medizinische Fachgesellschaft mit mehr als 8200 Mitgliedern. Sie ist die älteste und größte kardiologische Gesellschaft in Europa. Ihr Ziel ist die Förderung der Wissenschaft auf dem Gebiet der kardiovaskulären Erkrankungen, die Ausrichtung von Tagungen die Aus-, Weiter- und Fortbildung ihrer Mitglieder und die Erstellung von Leitlinien.

Prof. Dr. Eckart Fleck | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgk.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise