Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hohle Maskenillusion kann Schizophreniepatienten nicht täuschen

29.04.2009
Deutsch-Englische Studie zeigt veränderte Sinneswahrnehmungen bei Betroffenen / Veröffentlichung in "NeuroImage"

Bei der "Hohlmaske" handelt es sich um die Maske eines menschlichen Gesichtes, die nicht von außen sondern von innen betrachtet wird -also hohl oder konkav ist. Unter Normalbedingungen sind Menschen nicht in der Lage, eine Hohlmaske als hohl zu erkennen, sie nehmen die Maske als ein normales konvexes menschliches Gesicht wahr.

Patienten, die an einer Schizophrenie leiden, lassen sich durch diese Illusion jedoch erstaunlicherweise nicht täuschen und erkennen die Hohlmaske tatsächlich als hohl. Deutsche und englische Wissenschaftler der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und des UCL Institute of Cognitive Neuroscience konnten in einer Studie zeigen, dass bei Schizophreniepatienten die Verarbeitung von Sinneswahrnehmungen verändert ist.

"Sie verlassen sich in ihrem Denken mehr auf das, was sie wirklich wahrnehmen und weniger auf das, was sie an Erfahrungen und Erwartungen haben, wie die Wirklichkeit aussehen müsste", erklärt Dr. Danai Dima, PhDStudentin in der Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie der MHH. Die Ergebnisse der Untersuchung werden auch vor dem Hintergrund diskutiert, dass Menschen unter dem Einfluss von Cannabis - ähnlich wie Schizophrene - sich nicht illusionär täuschen lassen. Die Ergebnisse wurden jetzt in der Fachzeitschrift "NeuroImage" veröffentlicht.

In der Studie wurden 16 gesunden Freiwilligen und 13 Patienten normale Gesichter und "Hohle Masken" gezeigt, während ihre Hirnreaktionen in einem fMRT-Scanner aufgezeichnet wurden. Alle 16 Freiwilligen nahmen wie erwartet die "Hohle Maske" als normales Gesicht wahr - alle 13 Patienten konnten zwischen der Maske und den normalen Gesichtern unterscheiden.

Die Verarbeitung von Sinneseindrücken im Gehirn ist ein interaktiver Prozess, in dem die von den Sinnesorganen ankommenden Informationen mit den im Gehirn gespeicherten Informationen verglichen und abgeglichen werden müssen. Hieraus entsteht normalerweise eine individuell sinnvolle Wahrnehmung mit einer für das Individuum optimal angepassten Reaktionsweise auf einen äußeren Reiz.

Die Informationsweitergabe, ausgehend von den Sinnesorganen, bezeichnet man als "bottom-up" Prozess, während der entgegengesetzte Informationsfluss von gespeicherten Informationen als "top-down" bezeichnet wird. Illusionen entstehen, wenn das Gehirn Sinnesinformationen auf der Basis individueller Kontexte und Vorerfahrungen interpretiert. Dabei kann es dazu kommen, dass diese Erfahrungen so stabil sind, dass andersartige Sinneseindrücke "überstimmt" werden. Beim Blick in die Hohlmaske wird dann der an sich korrekte Sinneseindruck (bottom-up) zugunsten des von der Vorerfahrung her bedeutsameren Konzeptes überstimmt.

Die Studie erhärtet die Hypothese, dass bei Patienten mit einer Schizophrenie "top-down" Prozesse weniger Einfluss auf das Denken haben. Diese Ergebnisse lassen sich im Sinne der sogenannte Dysconnektivitätshypothese der Schizophrenie interpretieren, die eine gestörte Verbindung verschiedener Hirnareale als Ursache der Schizophrenie annimmt. Es lässt sich zeigen, dass die Verbindungen von vorderen Hirnanteilen, in denen Erfahrungen und Konzepte gespeichert sind, zu anderen Gebieten, die visuell räumliche Informationen verarbeiten, geschwächt ist. Bei der Verarbeitung eines zweideutigen Stimulus wie der Hohlmaske wirkt sich die geschwächte Verbindung so aus, dass gesunde Konzepte überstimmt werden und die Hohlmaske als hohl erkannt wird.

Weitere Informationen geben Ihnen gern Danai Dima, Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie unter Telefon (0511) 532 6765, e-mail: Dima.Danai@MH-Hannover.de), Dr. Wolfgang Dillo, Telefon (0511) 532-3174, e-mail: Dillo.Wolfgang@MH-Hannover.de) oder Prof. Dr. Dr. Hinderk M. Emrich, e-mail: Emrich.Hinderk@MH-Hannover.de).

Stefan Zorn | idw
Weitere Informationen:
http://www.mh-hannover.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Entrepreneurship-Studie: Großes Potential für Unternehmensgründungen in Deutschland
15.09.2017 | Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

23. Baltic Sea Forum am 11. und 12. Oktober nimmt Wirtschaftspartner Finnland in den Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

6. Stralsunder IT-Sicherheitskonferenz im Zeichen von Smart Home

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

OLED auf hauchdünnem Edelstahl

21.09.2017 | Messenachrichten

Weniger (Flug-)Lärm dank Mathematik

21.09.2017 | Physik Astronomie

In Zeiten des Klimawandels: Was die Farbe eines Sees über seinen Zustand verrät

21.09.2017 | Geowissenschaften