Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Große europäische Langzeitstudie liefert neue Daten zu Alkoholkonsum und Krebs

08.04.2011
Der Alkoholkonsum ist für etwa einen von zehn Krebsfällen bei Männern und einen von 33 Krebsfällen bei Frauen verantwortlich.

Dieses Ergebnis basiert zum Großteil auf den Daten von 363.988 männlichen und weiblichen EPIC*-Studienteilnehmern aus Dänemark, Frankreich, Griechenland, Deutschland, Italien, den Niederlanden, Spanien und Großbritannien. Die Mehrzahl der alkoholbedingten Krebsfälle ist dabei auf einen Konsum zurückzuführen, der über die akzeptable Menge hinausgeht. Diese liegt bei Männern bei zwei Gläsern pro Tag und bei Frauen bei täglich einem Glas eines alkoholischen Getränks.

Die Datenauswertung führte die Abteilung Epidemiologie des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) in enger Zusammenarbeit mit dem Centre for Addiction and Mental Health (CAMH), Toronto, Kanada durch, das unter anderem die Daten über den Alkoholkonsum in den untersuchten Ländern beisteuerte. Die Forscher berücksichtigten für ihre Berechnungen zudem Daten der GLOBOCAN 2008 - eine Datenbank der World Health Organisation (WHO), in der alle in den einzelnen Ländern aufgetretenen Krebsfälle registriert sind.

Die Wissenschaftler veröffentlichten ihre Ergebnisse nun in der Fachzeitschrift British Medical Journal (Schütze et al., 2011, DOI: 10.1136/bmj.d1584).

Nach Angaben des Internationalen Krebsforschungszentrums der World Health Organisation (IARC) gilt der ursächliche Zusammenhang zwischen dem Alkoholkonsum und dem Auftreten von Krebserkrankungen der Leber, der Brust, des Darms und des oberen Verdauungstraktes bereits seit längerer Zeit als wissenschaftlich belegt. Dennoch fehlten bislang Aussagen darüber, wie viele Krebsfälle insgesamt auf den Konsum alkoholischer Getränke zurückzuführen sind. Ebenso war die Dosisabhängigkeit unbekannt.

Im Jahr 2008 war bei Männern der Alkoholkonsum für fast insgesamt 57.600 Krebserkrankungen des oberen Verdauungstraktes, des Darms und der Leber verantwortlich. Wobei sich diese Zahl nur auf Dänemark, Griechenland, Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien bezieht**. Dabei waren ca. 33.000 dieser Fälle auf einen Konsum von mehr als zwei alkoholischen Getränken pro Tag zurückzuführen.

In allen acht untersuchten Ländern bedingte der Alkoholkonsum bei Frauen im Jahr 2008 insgesamt etwa 21.500 Krebserkrankungen des oberen Verdauungstraktes, des Darms, der Leber und der Brust. Auch hier war ein Großteil der Erkrankungsfälle, nämlich ca. 17.400, auf einen übermäßigen Konsum zurückzuführen. Das heißt in diesem Fall, auf einen Konsum von mehr als einem Glas Bier, Wein oder Spirituosen pro Tag.

„Nach unseren Ergebnissen wären bereits sehr viele Krebsfälle vermeidbar, wenn die Empfehlungen der Gesundheitsorganisationen berücksichtigt würden, das heißt, wenn man als Mann nicht mehr als zwei Gläser beziehungsweise als Frau nicht mehr als ein Glas eines alkoholischen Getränks pro Tag konsumiert“, sagt Madlen Schütze, Erstautorin der Studie und Epidemiologin am DIfE. „Noch mehr Krebserkrankungen ließen sich vermeiden, wenn jeder ganz auf Alkohol verzichten würde“. „Unsere Resultate betonen damit, wie wichtig es ist, die aktuellen Maßnahmen zur Verringerung des Alkoholkonsums in Europa und Deutschland noch weiter zu verstärken“, ergänzt Manuela Bergmann, die im Rahmen eines an die EPIC-Studie angeschlossenen europäischen Projekts eine Arbeitsgruppe leitete, die sich mit den Gesundheitsfolgen des Alkoholkonsums befasste.

Hintergrundinformationen:

*EPIC: European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition. Die EPIC-Studie ist eine prospektive Studie, die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Krebs und anderen chronischen Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes untersucht. An der EPIC-Studie sind 23 administrative Zentren in zehn europäischen Ländern mit insgesamt 519.000 Studienteilnehmern im Erwachsenenalter beteiligt.

Die Potsdamer EPIC-Studie ist mit mehr als 27.000 Teilnehmern ein Teil der EPIC-Studie.

**In Frankreich und den Niederlanden sind in die EPIC-Studie nur Frauen aufgenommen worden. Deshalb liegen für diese Länder hinsichtlich der Männer keine entsprechenden Daten vor.

Zu den Krebserkrankungen des oberen Verdauungstraktes zählen Mund-, Rachen-, und Speiseröhrenkrebs.

Europa gehört zu den Regionen mit dem höchsten Alkoholkonsum pro Kopf. Etwa 6,5 Prozent aller Todesfälle sind in Europa auf das Trinken von Alkohol zurückzuführen.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hält zurzeit für gesunde Frauen beziehungsweise Männer eine tägliche Aufnahme von nicht mehr als zehn beziehungsweise 20 g Alkohol pro Tag für akzeptabel. Eine Menge von 20 g Alkohol ist z.B. enthalten in 0,5 l Bier, 0,25 l Wein oder 0,06 l Weinbrand. Diese Angabe g/Tag darf nicht als Empfehlung verstanden werden, jeden Tag Alkohol zu trinken.

Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Es erforscht die Ursachen ernährungsbedingter Erkrankungen, um neue Strategien für Prävention, Therapie und Ernährungsempfehlungen zu entwickeln. Forschungsschwerpunkte sind dabei Adipositas (Fettsucht), Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs.

Zur Leibniz-Gemeinschaft gehören zurzeit 86 Forschungsinstitute und Serviceeinrichtungen für die Forschung sowie drei assoziierte Mitglieder. Die Ausrichtung der Leibniz-Institute reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute arbeiten strategisch und themenorientiert an Fragestellungen von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung. Bund und Länder fördern die Institute der Leibniz-Gemeinschaft daher gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen etwa 14.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon sind ca. 6.500 Wissenschaftler, davon wiederum 2.500 Nachwuchswissenschaftler. Näheres unter http://www.leibniz-gemeinschaft.de.

Kontakt:

Dr. Manuela Bergmann
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Abteilung Epidemiologie
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
14558 Nuthetal/ Deutschland
Tel.: +49(0)33 200-88 715/ 711
E-Mail: bergmann@dife.de
Madlen Schütze
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Abteilung Epidemiologie
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
D-14558 Nuthetal
E-Mail: m.schuetze@dife.de
Prof. Heiner Boeing
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Abteilung Epidemiologie
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
14558 Nuthetal/ Deutschland
Tel.: +49(0)33 200-88 710
E-Mail: boeing@dife.de
Dr. Gisela Olias
Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
14558 Nuthetal/Deutschland
Tel.: +49(0)33 200-88 278/335
E-Mail: olias@dife.de

Dr. Gisela Olias | idw
Weitere Informationen:
http://www.dife.de
http://www.dife.de/de/index.php?request=/de/forschung/projekte/epic.php

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu sicherem Autofahren bis ins hohe Alter
19.06.2017 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften