Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Was Greise glücklich macht

16.04.2010
Forscher ermitteln Schlüssel zur Zufriedenheit von Hundertjährigen

Glücklich ein hohes Alter zu erreichen ist ein Traum vieler. Was zur Zufriedenheit von hochbetagten Menschen beiträgt und was sie im Gegenteil depressiv machen kann, haben nun Forscher der Iowa State University untersucht.

In der Zeitschrift "Gerontology" berichten sie, dass Leistungen in früheren Jahren und auch der Erhalt der Eigenständigkeit eine wichtige Rolle spielen. Das Thema ist aktueller denn je, wird doch jedes zweite heute geborene Baby mindestens hundert Jahre alt (pressetext berichtete: http://pressetext.com/news/091002012/ ).

Keine Wende im Alter

Die Forscher befragten 100- und 80-Jährige nach Gesundheit, sozialer und finanzieller Sicherheit sowie Lebenszufriedenheit. Es stellte sich heraus, dass besonders das Denken an frühere Leistungen und Glückerfahrungen die Stimmung hebt. Als man nach depressiven Symptomen suchte, zeigte sich bei den 100-Jährigen ein Zusammenhang zum Ausgeliefertsein an die Pflege und die Sorge um die Zukunft der Welt. Die 80-Jährigen schmerzte der Verlust der Fähigkeit, Probleme zu lösen und die Kontrolle allmählich zu verlieren. Materielle Ressourcen und Intellekt hatten weder für Glück noch für Depression besondere Auswirkung.

"Die Vergangenheit ist die beste Vorhersage für die Zukunft. Das Leben nimmt keine entscheidende Wendung mehr, wenn man 85 oder 90 Jahre alt ist. Deshalb kann die Erinnerung an ein früher verspürtes Glück auch in den letzten Lebensjahren tragen", betont Studienleiter Peter Martin. Für die Betreuung alter Menschen schlägt er vor, die Rückerinnerung und den strukturierten Lebensrückblick gezielt einzusetzen. Auch könne schon eine kurzes Gespräch über die Vergangenheit uralte Menschen für mehrere Stunden glücklich machen.

Alter bringt kristalline Intelligenz

"Alle Menschen sind auf manches im Leben stolz und ein kleines Lächeln überkommt sie, wenn sie daran denken. Warum sollte sich das im hohen Alter ändern?", fragt Katharina Pils von der österreichischen Gesellschaft für Geriatrie und Gerontologie http://www.geriatrie-online.at im pressetext-Interview. Ob man Positives von früher halten könne, sei auch eine Frage des Charakters, des Selbstbewusstseins und der Integration. Letztere werde Senioren allerdings oft zum Problem. "Sie erleben ständig Verluste wie etwa Todesfälle im nahen Umfeld, die viel Trauerarbeit erfordern und zur Isolation beitragen können. Immer wieder sind Senioren sozial abgeschnitten."

Um dem entgegenzuwirken sei es wichtig, Alte in ihrer Eigenverantwortlichkeit zu stärken. "Was zählt, ist die aktive Teilhabe an der Gesellschaft. Heute sind die 80- bis 90-Jährigen körperlich und geistig meist noch agil und können etwa Betreuungsaufgaben oder Ehrenämter übernehmen", so Pils. Sei der Verlust von Faktenwissen und Lernfähigkeit auch vorprogrammiert, steige selbst im Alter noch die Fähigkeit des vernetzten Denkens. "Die Stärke alter Menschen ohne Demenz ist, dass sie viele gespeicherte Informationen zusammentragen können. Das wird als 'kristalline Intelligenz' bezeichnet."

Senioren im Studentenheim

Die Frage, wie das in der Praxis umgesetzt werden kann, drängt angesichts der zunehmenden Überalterung immer mehr (siehe auch http://pressetext.com/news/090124002/ ). Pils berichtet von Projekten, die auf Senioren-spezifische Stärken wie Kurrentschrift-Lesen, Wissen über alte Rezepte oder Zeitzeugen-Wissen abzielen. "Vor allem brauchen wir soziale Angebote zwischen Generationen, die Wertschätzung erfahren lassen. Möglich wäre es, Pensionisten- und Studentenheime zu verbinden, wobei eine Patenschaft für einen Alten den Studenten Vergünstigungen bringt", so die Expertin. Zugute kommen würde solchen Projekten das entspannte Verhältnis zur Enkelgeneration. "Anders als zwischen aufeinander folgenden Generationen oft Konflikte, verschwindet zur übernächsten Generation alles Belehrende."

Die Altenmedizinerin fordert darüber hinaus eine Neuausrichtung der öffentlichen Diskussion. "Immer wieder ist zu hören, dass Alte zu teuer sind, was etwa Ausgaben für Gesundheit oder Pensionen betrifft. Alten gibt das Angst um ihre Lebensgrundlage", so Pils. Entschärfen könnte man diese Situation, wenn anerkannt würde, dass jede Altersgruppe auf ihre Weise Ressourcen aus der Gesellschaft entnimmt. "Junge erhalten die Ausbildung, und auch Arbeitende nutzen die Infrastruktur bis hin zu Kranken- und Versicherungsleistungen, die alte Menschen gar nicht mehr brauchen."

Abstract zur Studie zu Glück unter http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20110722 bzw. zur Zufriedenheit unter http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20110723

Johannes Pernsteiner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.iastate.edu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Zirkuläre Wirtschaft: Neues Wirtschaftsmodell für die chemische Industrie?
28.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Unternehmen entwickeln sich zu Serviceanbietern
25.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie