Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Geld allein motiviert Mitarbeiter nicht

14.10.2015

Kleine Signale der Wertschätzung haben entscheidenden Einfluss auf das Pensum und die Qualität der Arbeit von Mitarbeitern. Ein Feldexperiment der am KIT lehrenden Wirtschaftswissenschaftlerin Petra Nieken und zweier Fachkollegen ergab: Die Kombination aus leistungsorientiertem Stücklohn und einer kleinen motivierenden Ansprache führte zu einer Leistungssteigerung von 20 Prozent, zugleich reduzierte sich die Fehlerquote um 40 Prozent.
(DOI:10.1016/j.euroecorev.2015.03.003)

„Unsere Ergebnisse sind wichtig für die unternehmerische Praxis“, betont Nieken, die den Lehrstuhl für Human Resource Management am Institut für Unternehmensführung des KIT innehat. Wie lassen Mitarbeiter sich motivieren?


Die motivierende Ansprache von Mitarbeitern hilft die Leistungsbereitschaft hoch und die Fehlerquote gering zu halten. (Bild: KIT)

Die Theorie nennt dafür zwei Instrumente: zum einen finanzielle Anreize - beispielsweise Boni oder Stücklöhne -, zum anderen die Fähigkeit von Führungskräften ihre Mitarbeiter anzuspornen. Die Frage, ob und wie sich diese beiden Instrumente ergänzen, gegenseitig verstärken oder schwächen, beantwortet die Theorie jedoch nicht eindeutig. Die Klärung dieser Frage stand deshalb im Mittelpunkt der an der Universität Bonn durchgeführten Studie.

139 Studierende erhielten in dem Feldexperiment die Aufgabe, Daten für ein Forschungsprojekt elektronisch zu erfassen. Die Datenerfassung war einfach, erforderte aber einen gewissen Grad von Aufmerksamkeit und Sorgfalt.

Die Probanden erhielten alle den gleichen Grundlohn, eine Gruppe bekam jedoch zusätzlich einen geringen leistungsabhängigen Stücklohn. Aus jeder Entlohnungsgruppe wurden zwei Teilgruppen gebildet. Den Probanden aus einer Teilgruppe wurde vor Arbeitsbeginn in ein paar Sätzen der Zweck der Aufgabe erläutert und die Wertschätzung für die Arbeit sowie positive Erwartungen an das Arbeitsergebnis ausgedrückt.

Durch die Gestaltung des Experiments ließen sich sowohl die Einzeleffekte als auch das Zusammenspiel der jeweiligen Motivationswerkzeuge beobachten. Es zeigte sich, dass die kleine motivierende Ansprache die Leistung nur dann verbesserte, wenn sie von der leistungsbezogenen Entlohnung begleitet wurde. Wurde zwar eine Extra-Leistungsentlohnung bezahlt, fehlten jedoch die motivierenden Worte, führte dies sogar zu einer geringeren Leistung und mehr Fehlern.

Dieses Nachlassen des eigenen inneren Antriebs - von der Psychologie als Schwächung der intrinsischen Motivation bezeichnet - ist vergleichbar mit Kindern, die die Lust verlieren ohne äußere Belohnung zum Stift zu greifen, wenn sie ein paar Mal Geld für das Malen eines Bildes bekommen haben.

Die Verbindung mit anerkennenden, wertschätzenden Aussagen ist entscheidend dafür, dass dieser negative Effekt aufgehoben wird, ergab das Experiment von Nieken und ihren Forscherkollegen Anja Schöttner, Humboldt-Universität Berlin, und Ola Kvaløy, Universität Stavanger, Norwegen. In der Untersuchung führte die Kombination eines Extrasalärs in Höhe von etwa zehn Prozent des Gesamtlohns zu einer Leistungssteigerung von 20 Prozent bei einer gleichzeitigen Reduzierung der Fehlerquote um 40 Prozent. „Wir hatten solch ein Ergebnis erhofft, aber nicht erwartet, dass es so deutlich ist“, sagt die Wissenschaftlerin des KIT, die zudem als Associate Professorin an der Universität Stavanger tätig ist und sich seit zehn Jahren mit experimenteller Wirtschaftsforschung beschäftigt.

Über die Ergebnisse ihrer Studie berichteten die Wissenschaftler kürzlich bei der Zusammenkunft der European Economic Association, der größten wirtschaftswissenschaftlichen Vereinigung Europas, in Mannheim. Veröffentlicht wurden sie unter dem Titel „Hidden benefits of reward: A field experiment on motivation and monetary incentives“, Ola Kvaløy, Petra Nieken, Anja Schöttner, in der Publikation European Economic Review. doi:10.1016/j.euroecorev.2015.03.003

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) vereint als selbstständige Körperschaft des öffentlichen Rechts die Aufgaben einer Universität des Landes Baden-Württemberg und eines nationalen Forschungszentrums in der Helmholtz-Gemein-schaft. Seine Kernaufgaben Forschung, Lehre und Innovation verbindet das KIT zu einer Mission. Mit rund 9 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie 24 500 Studierenden ist das KIT eine der großen natur- und ingenieurwissenschaftlichen Forschungs- und Lehreinrichtungen Europas.

Das KIT ist seit 2010 als familiengerechte Hochschule zertifiziert.

Weitere Informationen:

Diese Presseinformation ist im Internet abrufbar unter: www.kit.edu
Das Foto steht in druckfähiger Qualität auf www.kit.edu zum Download bereit und kann angefordert werden unter: presse@kit.edu oder +49 721 608-47414. Die Verwendung des Bildes ist ausschließlich in dem oben genannten Zusammenhang gestattet.

Monika Landgraf | Karlsruher Institut für Technologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu sicherem Autofahren bis ins hohe Alter
19.06.2017 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften