Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

FlinK-Forschung zu Freelancern: Immer mehr Erwerbstätige in "atypischen" Beschäftigungsverhältnissen

21.09.2009
Mit der beruflichen und persönlichen Situation freier Mitarbeiter befasst sich das Forschungsprojekt "Freelancer im Spannungsfeld von Flexibilisierung und Stabilisierung (FlinK)" in der Medien- und in der IT-Branche.

Betriebswirtschaftler und Psychologen der FernUniversität in Hagen erforschen die individuelle, subjektive Ebene von Freelancern. Dafür werden sie zu gleichen Teilen mit fast 515.000 Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem europäischen Sozialfonds gefördert.

Weit über zwei Millionen Menschen arbeiten nach Schätzungen alleine in Deutschland als "Freelancer", Tendenz steigend. Mit der beruflichen und persönlichen Situation solcher freier Mitarbeiter befasst sich das Forschungsprojekt "Freelancer im Spannungsfeld von Flexibilisierung und Stabilisierung (FlinK)" in der Medien- und IT-Branche.

Zwei Lehrstühle der FernUniversität in Hagen untersuchen dabei individuelles Empfinden und Sichtweise des einzelnen Freelancers, dafür werden sie zu gleichen Teilen mit fast 515.000 Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem europäischen Sozialfonds gefördert. Das gesamte Fördervolumen für das internationale Verbundprojekt mit Unternehmen und Hochschulen beträgt 767.491 Euro bis zum 30. April 2013. U.a. soll es konkrete Konzepte für Freelancer und die Unternehmenspraxis entwickeln.

Die FernUni-Lehrstühle Betriebswirtschaftslehre, insb. Organisation und Planung (Prof. Dr. Ewald Scherm) und Psychologie des Erwachsenenalters (Prof. Dr. Ingrid Josephs) erforschen die individuelle, subjektive Ebene des einzelnen Freelancers. Projektleiter in Hagen ist Privatdozent Dr. Stephan Süß (Lehrstuhl Scherm).

Hohe Anforderungen an Flexibilität

In den letzten Jahren haben zahlreiche Unternehmen ihre Strukturen flexibilisiert. Dadurch haben neue, "atypische" Beschäftigungsverhältnisse mit ganz eigenen Rahmenbedingungen erheblich zugenommen. Die Beschäftigungsform "Freelance" z.B. stellt an die Flexibilität dieser Erwerbstätigen sehr hohe Anforderungen, durch die Berufs- und Privatleben an Stabilität verlieren.

Aus diesem Spannungsverhältnis zwischen berufliche Flexibilisierung auf der einen und dem Wunsch nach persönlicher und beruflicher Stabilität auf der anderen Seite ergibt sich einer der beiden Forschungsbereiche der FernUni-Wirtschaftswissenschaftler: Wie empfinden Freelancer ihre Beschäftigungsform? Konkret geht es um die Analyse des Commitments (des Ausmaßes ihrer Identifikation), ihrer Arbeitszufriedenheit und der durch sie empfundenen Work-Life-Balance (Einklang von Arbeit und Privatleben).

Der zweite ökonomische Forschungsbereich ergibt sich daraus, dass die von Medien- und IT-Auftraggebern geforderte hohe Qualifikation häufig aktualisiert werden müsste, auch um die eigene Beschäftigungsfähigkeit zu sichern. Jedoch zeigt die Praxis, dass die Freelancer sich in diesen Branchen vergleichsweise selten gezielt weiterbilden.

Bedrohung oder willkommene Herausforderung?

Den Psychologen der FernUniversität geht es um berufliche Identität, Motivation und Persönlichkeit bei älteren Freelancern. Flexibilitätsanforderungen wirken sich insbesondere in Arbeitsfeldern aus, in denen Einzelne keine identitätsstiftende und stabilisierende Orientierung mehr finden und in denen sie nur zeitweise beschäftigt sind (also anders als bei einer "klassischen" Berufszugehörigkeit). Für die wachsende Gruppe der "älteren" Freelancer ab dem 40. Lebensjahr verschärft sich diese Problematik, weil ihr Bedürfnis nach Stabilität und Erhalt "des Erreichten" steigt. Dies ist mit einer neuen freiberuflichen Tätigkeit nicht erreichbar, zumindest nicht auf den ersten Blick. Was dem einen bedrohlich erscheint ist jedoch für andere eine willkommene Herausforderung. Verschiedene Faktoren wie Freunde, Familie oder das Bild von sich selbst können dazu beitragen, die besonderen beruflichen Anforderungen und Probleme zu kompensieren. Daraus ergeben sich zahlreiche Forschungsfragen.

Erste Ergebnisse werden Mitte 2010 vorliegen.

Projektleiter und Ansprechpartner der FernUniversität ist PD Dr. Stefan Süß, Lehrstuhl für BWL, insbesondere Organisation und Planung, Tel.: 02331-9872693, Stefan.Suess@FernUni-Hagen.de.

Hochschulen, Verbände und Unternehmen als Partner

Die Analyse auf der Unternehmensebene erfolgt durch die Wissenschaftliche Hochschule Lahr, deren Prof. Dr. Stephan Kaiser, Lehrstuhl für ABWL, Personalmanagement und Organisation, Konsortialführer des Verbundprojektes ist. Internationale Forschungspartner sind die Massey University (Auckland, Neuseeland), die Tel Aviv University, die Wirtschaftsuniversität Wien, die Norwegian School of Economics and Business Administration (Bergen), und die Clark University, Worcester (USA).

Als Transferpartner beteiligt sind u. a. die Gesellschaft für Informatik e.V., die DGFP Deutsche Gesellschaft für Personalführung, der Deutsche Presseverband, der Deutsche Journalistenverband DJV, die Südwestfälische Industrie- und Handelskammer zu Hagen (SIHK), die Wirtschaftsförderung Hagen GmbH, die Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di, Referat Selbstständige) und die "mediafon" Selbstständigenberatung. Als Multiplikatoren sollen sie Projektergebnisse der Öffentlichkeit bzw. ihrer jeweiligen Klientel zugänglich machen und Kontakte zu Freelancern vermitteln, die interviewt bzw. befragt werden.

Die Praxispartner Peperoni Mobile & Internet Software GmbH, Hays AG, Hubert Burda Media, IDS Scheer, Amasol AG u.a. vermitteln ebenfalls Interview-Kontakte zu Freelancern. Außerdem ermöglichen sie Forschung im Unternehmen.

Gerd Dapprich | idw
Weitere Informationen:
http://www.flink-projekt.de
http://www.fernuni-hagen.de/scherm/forschung/bmbf_flink.shtml

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu Bildungsangeboten für die Industrie 4.0 in Österreich
05.02.2018 | Fachhochschule St. Pölten

nachricht Schildkrötengehirne sind komplexer als gedacht
05.02.2018 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Im Focus: Developing reliable quantum computers

International research team makes important step on the path to solving certification problems

Quantum computers may one day solve algorithmic problems which even the biggest supercomputers today can’t manage. But how do you test a quantum computer to...

Im Focus: Innovation im Leichtbaubereich: Belastbares Sandwich aus Aramid und Carbon

Die Entwicklung von Leichtbaustrukturen ist eines der zentralen Zukunftsthemen unserer Gesellschaft. Besonders in der Luftfahrtindustrie und in anderen Transportbereichen sind Leichtbaustrukturen gefragt. Sie ermöglichen Energieeinsparungen und reduzieren den Ressourcenverbrauch bei Treibstoffen und Material. Zum Einsatz kommen dabei Verbundmaterialien in der so genannten Sandwich-Bauweise. Diese bestehen aus zwei dünnen, steifen und hochfesten Deckschichten mit einer dazwischen liegenden dicken, vergleichsweise leichten und weichen Mittelschicht, dem Sandwich-Kern.

Aramidpapier ist ein etabliertes Material für solche Sandwichkerne. Sein mechanisches Strukturversagen ist jedoch noch unzureichend erforscht: Bislang fehlten...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Good vibrations feel the force

23.02.2018 | Physik Astronomie

Empa zeigt «Tankstelle der Zukunft»

23.02.2018 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics