Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fehlendes Morgenlicht verzögert den Schlaf

18.02.2010
Früher Schulbeginn macht Jugendliche zu Nachteulen

Wer am Morgen kein wachmachendes Tageslicht sieht, verspielt damit eine natürliche Einschlafhilfe am Abend. Das berichten Forscher vom New Yorker Rensselaer Polytechnic Institute in der Zeitschrift Neuroendocrinology Letters.

Im ersten Feldversuch in einer Schule konnten sie bisherige Laborforschungen bestätigen, denen zufolge fehlende Aufnahme von kurzwelligem Morgenlicht das Einschlafen am Abend nach hinten hinausschiebt. Die Ursache sehen die Forscher in der Verzögerung der Produktion des Einschlaf-Hormons Melatonin.

Die Wissenschaftler um Marina Figueiro verpassten den an der fünftägigen Studie teilnehmenden Jugendlichen eine spezielle orangefarbene Brille, die den blauen Anteil des Morgenlichts abschirmt. Es zeigte sich, dass die Schüler schon nach fünf Tagen durchschnittlich eine halbe Stunde später einschliefen als sonst. Hormontests vor und nach dem Brillentragen zeigten, dass die Melatonin-Produktion täglich um sechs Minuten später begann. Das habe Folgen für die innere Uhr und somit auf Körpertemperatur, Wachheit, Appetit, die weitere Hormonproduktion und die Schlafrhythmen.

Zu wenig Sonne am Schulweg

Da der Körper Melatonin üblicherweise erst zwei Stunden vor dem Einschlafen produziert, fehlt mit dem Morgenlicht der Stimulus der inneren Uhr, die Jugendlichen zur üblichen Zeit ins Bett gehen lässt. Damit bekommen sie weniger Schlaf und schneiden womöglich auch schlechter in Leistungstests ab. "Diesen Zustand bezeichnet man neuerdings als 'Nachteulen-Syndrom'", erklärt die Studienleiterin. Da viele Schüler schon bei oder vor Sonnenaufgang in der Schule seien, würden sie zuwenig am stimulierenden Morgenlicht abbekommen. Es gebe zwar auch Tageslicht-Lampen mit hohem Blauanteil, doch seien diese bisher noch kaum in Schulen installiert.

"Mehr Tageslicht in den Schulen ist eine einfache, nicht-medikamentöse Form, um den Schlaf von Kindern und Jugendlichen zu verbessern", resümiert Figueiro. Besonders würden jedoch Schichtarbeiter und Alzheimerpatienten an unregelmäßigem Schlaf leiden. Eine bewusste Wegnahme oder Erhöhung des Tageslichts zu bestimmten Zeiten könnte diesen Gruppen besseren Schlaf und somit auch bessere allgemeine Befindlichkeit bringen. Eine deutsch-österreichische Studie zeigte erst vor kurzem, dass Beleuchtung mit mehr Blauanteil Demenzpatienten mehr Agilität verleiht (pressetext berichtete: http://pressetext.com/news/090709024/ ).

Blaues Licht gegen den Winterblues

"Ein deutlicher Hell-Dunkel-Wechsel zwischen Tag und Nacht hilft dabei, tags aktiver und nachts schläfriger zu sein", bestätigt Vivien Bromundt vom Zentrum für Chronobiologie an der psychiatrischen Universitätsklinik Basel http://www.chronobiology.ch gegenüber pressetext. Besondere Ausnutzung finde dieser Umstand in der Lichttherapie. "Etwa gegen Winterdepressionen setzt man Lampen mit hohem Blauanteil ein, die Lichtstärken bis 10.000 Lux haben. Sie liefern ein grelles, sehr weißes Licht." Deutlich stärker sei freilich das Licht eines schönen Sommertages, das bis zu 100.000 Lux erreicht.

Schaden kann die künstliche Beleuchtung mit mehr Blauanteil nach bisherigem Wissensstand nicht. "In extrem seltenen Fällen kommt es zu Kopfweh oder Übelkeit. Fälle von Netzhautschädigungen sind hingegen nicht bekannt, da gute Lichttherapielampen auch einen ausreichenden UV- und Infrarotschutz haben", so Bromundt. Licht sei somit ein schonenderer Eingriff zur Behandlung des Schlaf-Wach-Rhythmus als Medikamente.

Abstract des Originalartikels unter http://node.nel.edu/?node_id=9849

Johannes Pernsteiner | pressetext.schweiz
Weitere Informationen:
http://www.rpi.edu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften