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Experten warnen vor einer einseitigen Aufwertung des Yuan

09.11.2010
Bertelsmann Stiftung: China, USA und Europa müssen in Währungs- und Handelsfragen enger zusammenarbeiten

Eine massive Aufwertung des Yuan könnte das chinesische und globale Wachstum hemmen und zu einem weltweiten Zinsanstieg führen. Diese Entwicklung legt eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung nahe.

Die Analyse "Rebalancing the Global Economy" warnt davor, die Bürde einer Korrektur von Handelsungleichgewichten ausschließlich China zuzuschieben. In diesem Fall blieben die komplexen Ursachen von hohen Leistungsbilanzüberschüssen und -defiziten außer Acht und einer ohnehin schon anfälligen Weltwirtschaft drohe eine noch stärkere Belastung. Vielmehr müssten die Vereinigten Staaten und Europa mit China zusammenarbeiten und alle drei Partner sollten geeignete Maßnahmen zum Ausgleich von Ungleichgewichten umsetzen.

Verfasser der Studie sind Stefan Collignon von der Sant’Anna School of Advanced Studies, Richard Cooper von der Harvard University, Masahiro Kawai vom Asian Development Bank Institute und Yongjun Zhang vom China Center for International Economic Exchanges.

Die Autoren weisen darauf hin, dass eine schnelle Aufwertung des Yuan die chinesischen Exporte schwächen und in der Folge die Verfügbarkeit chinesischen Kapitals mindern werde. Dieses habe dazu beigetragen, die Zinsen niedrig zu halten und das Wachstum anzukurbeln. Zudem hätten die USA und Europa unter geringeren chinesischen Investitionen zu leiden. Darüber hinaus würde ein deutlich aufgewerteter Yuan die Wachstumslokomotive China bremsen und damit auch das globale Wachstum dämpfen. Dies könnte dann zu einer weltweiten Abwertung des US-Dollars führen, mit einem daraus folgendem Anstieg der US-Zinsen und einem Rückgang der US-Aktienkurse. Eine solche Entwicklung hätte aber keine Auswirkungen auf die chinesische Sparquote und Marktverzerrungen, mit denen die chinesischen Produktionskosten künstlich niedrig gehalten werden.

Stattdessen sollten Länder mit hohen Leistungsbilanzüberschüssen oder
-defiziten eine Kombination aus mehreren politischen Maßnahmen umsetzen, fordern die Verfasser der Studie. Dazu gehöre eine Anhebung der US-Sparquote durch Verringerung der kreditfinanzierten Nachfrage. Weiter empfehlen die Autoren ein Umsteuern in europäischen Ländern mit Leistungsbilanzüberschüssen von einem exportgesteuerten Wachstum zu vermehrter Inlandsnachfrage mit höherer Importtätigkeit. Auch die Umsetzung einer chinesischen Strukturreform, die die Binnennachfrage stärkt, sowie der Ausbau der sozialen Sicherungssysteme sollten zu den stabilisierenden Maßnahmen gehören.

Zudem regen sie die Bildung von Währungsreserven in anderen Währungen als dem US-Dollar und eine stärkere Bindung der ostasiatischen Währungen inklusive des Yuan an einen Währungskorb an, bei dem der Euro und der Yen ein großes Gewicht haben sollten.

Die Verfasser der Studie empfehlen dringend eine kontrollierte Senkung von Leistungsbilanzungleichgewichten, um höhere Arbeitslosigkeit, steigende Staatsschulden, Protektionismus und Währungsschwankungen zu vermeiden. Nach ihren Schlussfolgerungen wäre diese Senkung am sinnvollsten im Rahmen einer Gesamtstrategie zu erreichen, die alle großen Volkswirtschaften der Welt einbeziehe und von ihnen umgesetzt würde.

Die Studie "Rebalancing the Global Economy" wird auf einem von der Bertelsmann Stiftung und dem China Center for International Economic Exchanges gemeinsam veranstalteten Kongress am 10. November 2010 in Peking vorgestellt.

Rückfragen an:
Thieß Petersen, Telefon: 0 52 41 / 81- 81 218
E-Mail: thiess.petersen@bertelsmann-stiftung.de

Ute Friedrich | idw
Weitere Informationen:
http://www.bertelsmann-stiftung.de

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