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Erde durchlebt ihr sechstes Massensterben

27.10.2010
Studienleiter: Neue Mechanismen des Artenschutzes notwendig

Jede fünfte Wirbeltierart ist derzeit vom Aussterben bedroht. Zu diesem Schluss kommt ein internationales Forscherteam in der ersten Auswertung der globalen Biodiversität, die in der Zeitschrift "Science" veröffentlicht wurde.

"Es gibt drei große Schuldige am Verlust der Arten: die Abholzung, die Ausbeutung der Erde - zu denen auch Jagd und Fischfang zählen, sowie der Klimawandel", berichtet Studienleiter Paul Leadley von der Universität Paris-Süd im pressetext-Interview.

Aussterben wird immer schneller

Die Wissenschaftler werteten mehrere große Studien zur Artenvielfalt bei insgesamt 25.000 verschiedenen Wirbeltieren aus. Gefährdet sind demnach 13 Prozent der Vögel, 25 Prozent der Säugetier- und Reptilienarten und sogar 40 Prozent der Amphibien. Das Artensterben wird immer rasanter und hat heute bereits zwei- bis dreifache Geschwindigkeit von 1970 erreicht. Betroffen sind vor allem die tropischen Regionen, wobei in Asien die Situation am schlimmsten ist. Zwar haben Schutzprogramme Ärgeres verhindert, doch sprechen die Forscher auch so bereits von einem "sechsten Massensterben der Erdgeschichte".

Europa hat das Problem des Verlusts der Biodiversität nicht erkannt, so die Diagnose Leadleys gegenüber pressetext. "Noch immer glauben die meisten, es gehe hier um den Verlust von Würmern oder von Lebewesen, die man aus dem Zoo kennt. Die Folgen beschränken sich jedoch nicht auf die Auslöschung von Spezies, sondern betreffen auch deren Neuverteilung, die sich auf das gesamte ökologische System auswirkt. Welchen Schaden das bedeutet, wird man zunehmend auch in Geldwerten messen können."

Weltrat für Biosphären in Vorbereitung

"Wir brauchen globale Ansätze, um Problemen wie der Entwaldung oder Überfischung entgegenzusteuern", fordert der Pariser Forscher. Eine Hoffnung sieht er im nahenden Klimagipfel in Cancun, wo man sich im günstigen Fall auf Zahlungen für das Vermeiden von Abholzung des Urwaldes einigen könnte. Weiters sollte die Zahl der Schutzgebiete deutlich erhöht werden. "Absolut notwendig ist zudem das Anhalten des Klimawandels. Denn er belastet auch die Tierwelt, da etwa migrierende Arten die heimischen verdrängen."

Gestärkt werden könnte der Kampf für Biodiversität schon bald durch die Schaffung einer neuen internationalen Schnittstelle zwischen Forschung und Politik, der IPBES ("Intergovermental science-policy platform on biodiversity and ecosystem services", siehe http://www.pressetext.com/news/100615018/ ). Im Juni diesen Jahres wurden im koreanischen Busan bereits Vorbereitungen dafür getroffen. "Die Zielvorstellung ist ein Pendant zum Weltklimarat IPCC. Erteilt die UNO die Zusage, könnte die Umsetzung bereits 2011 erfolgen", so Leadley. Das würde dabei helfen, die politische Aufmerksamkeit stärker auf Biodiversität zu lenken und den wissenschaftlichen Dialog zu fördern.

Johannes Pernsteiner | pressetext.redaktion
Weitere Informationen:
http://www.u-psud.fr

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