Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Eins, zwei - aber nicht viele - Warum sich Paare gegen die Mehrkinderfamilie entscheiden

05.03.2010
Mehrkinderfamilien - Familien mit drei oder mehr Kindern - kommt demografisch gesehen eine wichtige Funktion zu, denn der Geburtenrückgang ist vor allem auch eine Folge des Rückgangs großer Familien.

Doch was hält Paare von der Mehrkinderfamilie ab? Zur Lebenssituation von Mehrkinderfamilien, damit zusammenhängenden Belastungen, aber auch zu den Bereicherungen des Familienlebens existiert bisher jedoch nur bruchstückhaftes Wissen. Deshalb hat eine DJI-Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) den Alltag von Mehrkinderfamilien untersucht, um Ressourcen und Bedarfe zu ermitteln.

Wie wird Familie von den einzelnen Familienmitgliedern gelebt und erlebt? Wie ist das Passungsverhältnis von Familienstruktur-, Familiengröße und der sozialen Umwelt? Welche Faktoren ermöglichen ein mehr oder weniger gelingendes Familienleben? DJI Online stellt Antworten auf diese und weitere Fragen sowie die Ergebnisse der Studie im aktuellen Themenschwerpunkt "Der Alltag von Mehrkinderfamilien - Ressourcen und Bedarfe" vor.

Nur 15 Prozent der 20- bis 39-jährigen Frauen und Männer in Deutschland würden sich eine Mehrkinderfamilie wünschen. Über die Hälfte orientiert sich an der Zwei-Kind-Familie als Norm. Tatsächlich liegt der Anteil der Familien mit drei Kindern derzeit in Deutschland bei 10,6 Prozent (West) bzw. 7,5 Prozent (Ost). Vier-Kind-Familien bilden mit 3,3 Prozent (West) bzw. 2,1 Prozent (Ost) allerdings die Ausnahme.

Begünstigende Faktoren für die Gründung einer kinderreichen Familie sind eine stabile Partnerschaft, eine aktiv gelebte Religiosität und die eigene Erfahrung des Aufwachsens mit mehreren Geschwistern. Der Großteil der Eltern in Mehrkinderfamilien hat sich schon vor der Heirat für eine große Familie ausgesprochen und ist bereit, Einschränkungen bezüglich finanzieller und zeitlicher Flexibilität in Kauf zu nehmen. In 15 bis 35 Prozent der Familien - die Schätzungen differieren je nach Quelle - waren die dritten und vierten Kinder eher nicht geplant.

Als Hauptgründe, die nach dem zweiten Kind gegen eine weitere Familienerweiterung sprechen, nennen Eltern am häufigsten, dass die ideale Kinderzahl schon erreicht sei (50 Prozent) und dass ein weiteres Kind eine große finanzielle Belastung wäre (36 Prozent). 22 Prozent der Paare wollen sich Freiräume erhalten und 19 Prozent sehen Nachteile für ihre berufliche Entwicklung.

Die meisten Kinder haben im Durchschnitt verheiratete Frauen mit niedrigem Bildungsstatus. Allerdings gibt es unter den Eltern mit drei Kindern auch eine relativ große Gruppe mit hohem Bildungsstatus: Bei 28 Prozent der Paare mit drei Kindern hat mindestens einer der Partner das Abitur; in 17 Prozent der Familien dieser Größe haben sogar beide Partner eine Hochschulzugangsberechtigung.

Die Arbeitsteilung der Eltern in Bezug auf Erwerbsleben, Haushalt, Kinderbetreuung und Erziehung ist in Mehrkinderfamilien deutlich traditioneller als in Ein- und Zweikinderfamilien. Kinder mit vielen Geschwistern sind früher selbstständig und unternehmen mehr allein als Kinder in kleineren Familien. Gleichzeitig helfen sie öfter im Haushalt und bei der Betreuung von Geschwistern. Gegenüber Einkindfamilien bleiben die Eltern in Mehrkinderfamilien beim Spielen eher außen vor. Durchschnittlich betrachtet ist der Bildungserfolg von Kindern mit vielen Geschwistern geringer als in kleineren Familien.

Mehrkinderfamilien sind häufiger im Westen als im Osten Deutschlands anzutreffen. Während Mehrkinderfamilien ohne Migrationshintergrund überwiegend in eher ländlichen Gebieten wohnen, leben kinderreiche Familien mit Migrationshintergrund häufiger in städtischen Regionen. Der Anteil von Mehrkinderfamilien ist bei Familien mit Migrationshintergrund deutlich höher. In der Tendenz findet aber eine Anpassung an das generative Verhalten der deutschen Familien statt.

Es gibt spezifische Konstellationen von Mehrfachbelastungen, die Mehrkinderfamilien erheblich überfordern können. Dazu zählen die junge, bildungsschwache, ressourcenarme Mehrkinderfamilie, die Mehrkinderfamilie in ressourcenarmen Wohngegenden, die Patchwork-Mehrkinderfamilie sowie die große Einelternfamilie.

In Deutschland sind kinderreiche Familien ökonomisch deutlich schlechter gestellt als der Durchschnitt der Bevölkerung. Sie tragen auch ein höheres Risiko, in eine finanziell schwierige Lage zu geraten als kleinere Familien oder Mehrkinderfamilien in anderen europäischen Ländern. Dies unterstreichen auch die Aussagen von Erich Stutzer, Leiter der FaFo FamilienForschung Baden-Württemberg (im Statistischen Landesamt). Er beschreibt im DJI-Gastbeitrag die ökonomische Situation von Mehrkinderfamilien am Beispiel Baden-Württembergs, wo der Anteil kinderreicher Familien in den letzten 30 Jahren um nahezu 40 Prozent zurückgegangen ist und beklagt, dass es in Deutschland - anders als beispielsweise beim Familiensplitting in Frankreich - außer den Freibeträgen für Kinder, keine weiteren speziellen Komponenten zur steuerlichen Förderung kinderreicher Familien gibt.

Andrea Macion | idw
Weitere Informationen:
http://www.dji.de/thema/1003

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Erste großangelegte Genomstudie prähistorischer Skelette aus Afrika
27.09.2017 | Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte / Max Planck Institute for the Science of Human History

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise