Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Deutsche Frauen sind auch ohne Ehe glücklich

08.04.2011
Moralvorstellungen der Gesellschaft führen zu Glück oder Unglück von Frauen in Ehe oder eheähnlichen Gemeinschaften

Das Glück liegt auch in unserer Umgebung: Ob Frauen eher in der Ehe oder in einer eheähnlichen Gemeinschaft glücklich sind, hängt von den Werten der Gesellschaft ab, in der sie leben. Generell gilt: je konservativer die Gesellschaft, desto unglücklicher sind Frauen in eheähnlichen Gemeinschaften im Vergleich zu den verheirateten Frauen.

Zu diesem Ergebnis kam eine Studie Kölner Forscher vom Institut für Wirtschafts- und Sozialpsychologie der Universität zu Köln. Olga Stavrova, Professor Detlef Fetchenhauer und Dr. Thomas Schlösser werteten dafür die Daten einer Befragung von insgesamt 22 000 verheirateter und unverheirateter in Partnerschaften lebender Frauen und Männer in 28 Ländern aus - knapp 900 davon in Deutschland. Die Ergebnisse der Studie wurden jetzt beim jährlichen Treffen der British Sociological Association in London vorgestellt.

Das Ziel der Studie war es herauszufinden, ob es Glücksunterschiede zwischen verheirateten und unverheirateten zusammenlebenden Männern und Frauen gibt. Darüber hinaus wollten die Psychologen untersuchen, ob diese Geschlechterunterschiede – falls vorhanden - über viele Kulturen hinweg konstant sind. „Die Studie zeigt, dass das Glück nicht nur innerhalb einer Person liegt, sondern auch außerhalb – in ihrer Umgebung“, erklärt Olga Stavrova. Dafür befragten sie Männer und Frauen von Australien über Brasilien, den skandinavischen Ländern, bis Ost- und Westeuropa.

Auf einer 7-Punkt-Skala von 0 (glücklich) bis 7 (absolut unglücklich) wurde das subjektive Glücksempfinden der Probanden gemessen. Die Ergebnisse korrelierten deutlich mit der Einstellung der umgebenden Gesellschaft zu den Themen Geschlechterrollen bzw. Rollen und gesellschaftlicher Status von Männern und Frauen. Die Länder mit den ausgeprägtesten traditionellen Rollenerwartungen an die Frau waren Bulgarien, Mexiko, die Slovakei, Brasilien und die Vereinigten Staaten. Dort erlebten Frauen in eheähnlichen Partnerschaften die stärkste Missbilligung durch ihre Umwelt. So sind im konservativen Bulgarien verheiratete Frauen 0,8 Punkte glücklicher. In liberalen skandinavischen Ländern bringt die offizielle Ehe hingegen nicht mehr Glück als das inoffizielle Zusammenleben. Deutschland liegt mit seinen gesellschaftlichen Konzepten von Geschlechtergleichheit im Mittelfeld. Es ist weder zu konservativ noch zu liberal was die Geschlechterrollen angeht. Hier gibt es für Frauen keinen großen Unterschied ob sie in der Ehe und eheähnlichen Gemeinschaften leben.

Damit unterstützt die Studie die Ergebnisse anderer Arbeiten der Wirtschaftspsychologen, die zeigten, dass Arbeitslose vor allem in solchen Ländern unglücklich sind, in denen die gesellschaftliche Moral besagt, dass jeder von der eigenen Arbeit leben muss. Oder dass religiöse Menschen vor allem in solchen Ländern glücklich sind, in denen es viele religiöse Leute gibt. „Ob unser Status, Lebensform oder Glauben uns glücklich machen, hängt nicht nur davon ab, was für ein Status oder Glaube es ist, sondern davon, ob wir in einer Gesellschaft leben, die diesen Status oder Glauben unterstützt oder nicht“, so Stavrova.

Die Kölner Studie widerlegt bisherige Annahmen über das Thema Glück in Ehe und eheloser Gemeinschaft. Frühere Studien hatten gezeigt, dass verheiratete Menschen glücklicher seien als diejenigen, die in eheähnlichen Gemeinschaften lebten. Unterschiedliche Erklärungen wurden angeboten: die Ehe bedeute größere Bindung oder Hingabe und Zuverlässigkeit, die Verheirateten seien religiöser und deswegen glücklicher. „Unsere Ergebnisse konnten zeigen, dass es - zumindest im Fall der Frauen - nicht an der Ehe selber liegt, sondern an den dominierenden gesellschaftlichen Vorstellungen über die sozialen Rollen von Männern und Frauen.“ Verheiratete Frauen seien nur glücklicher als Frauen in eheähnlichen Gemeinschaften, wenn sie in Ländern mit gesellschaftlich konservativer Moral lebten, die ihnen nicht erlaube in eheähnlichen Gemeinschaften zu leben.

Die Daten der Studie sind öffentlich über GESIS (http://www.gesis.org/) verfügbar.

Bei Rückfragen: Olga Stavrova, stavrova@wiso.uni-koeln.de

Verantwortlich: Dr. Patrick Honecker MBA – patrick.honecker@uni-koeln.de

Gabriele Rutzen | idw
Weitere Informationen:
http://www.gesis.org/
http://www.uni-koeln.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wiederverwendung von IT- und Kommunikationsgeräten schont Klima und Ressourcen
23.02.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Klimawandel verstärkt Selenmangel
21.02.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie