Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Dänemark liegt beim lebenslangen Lernen in der Europäischen Union an der Spitze

30.08.2010
Bertelsmann Stiftung legt mit ELLI den ersten europäischen Index zum lebenslangen Lernen vor – Deutschland im EU-Vergleich im Mittelfeld – Schwächen bei formaler Bildung – Mangel an Hochschulabsolventen beeinträchtigt die Innovationsfähigkeit

Beim lebenslangen Lernen sind die Dänen in Europa spitze, Deutschland landet hingegen im Vergleich der 27 EU-Staaten vor allem wegen Schwächen bei der formalen Bildung nur im Mittelfeld. Das geht aus dem neuen „European Lifelong Learning Index“ (ELLI) der Bertelsmann Stiftung hervor.

Ein internationales Expertenteam hat ihn nach einem kanadischen Vorbild in den vergangenen zwei Jahren erarbeitet und damit die Daten über lebenslanges Lernen in Europa erstmals auf eine vergleichbare Grundlage gestellt. Der Index und alle ihm zugrundeliegenden Zahlen sind auf der Internetplattform www.elli.org abrufbar.

Den Ergebnissen des Index zufolge haben neben Dänemark auch die Niederlande und die skandinavischen Länder Schweden und Finnland beim lebenslangen Lernen die Nase vorn. Diese Staaten gehören gleichzeitig auch zu denen mit der höchsten Lebenszufriedenheit, der größten Wettbewerbsfähigkeit und der niedrigsten Korruption. Am unteren Ende der ELLI-Skala finden sich vor allem südeuropäische Länder wie Rumänien, Bulgarien und Griechenland. Deutschland kommt auf Platz zehn und erreicht dabei eine Indexpunktzahl, die nur knapp über dem europäischen Durchschnitt liegt.

In den Index fließen insgesamt 36 Indikatoren ein. ELLI berücksichtigt dabei erstmals auch Lernprozesse außerhalb der klassischen Bildungsinstitutionen, also beispielsweise das Lernen am Arbeitsplatz und in der Freizeit. Neben dem Hauptindex gibt es daher Unterindizes für die einzelnen vier Lerndimensionen, wie sie die UNESCO definiert hat: Während der Bereich "Lernen Wissen zu erwerben" das klassische formale Bildungswesen betrachtet, umfasst "Lernen zu handeln“ die berufliche Aus- und Weiterbildung. Unter der Kategorie "Lernen zusammen zu leben" werden die informellen sozialen Lernaktivitäten in der Freizeit zusammengefasst. Der Bereich "Lernen, das Leben zu gestalten" bezieht sich schließlich auf das eigenständige Lernen zur persönlichen Entfaltung und Weiterentwicklung.

In fast allen Kategorien schneidet Dänemark am besten ab. Nur im Bereich der beruflichen Weiterbildung landen die Schweden noch vor den Dänen. Deutschland hingegen offenbart vor allem Schwächen bei der formalen Bildung: Hier reicht es trotz verbesserter PISA-Ergebnisse nur zu Rang 14. Auch im Bereich betriebliche Weiterbildung hat Deutschland offenkundig im europäischen Vergleich noch Nachholbedarf: Sowohl bei den Teilnahmequoten als auch beim finanziellen Engagement der Unternehmen landet die Bundesrepublik nur im Mittelfeld. Besser sieht es beim non-formalen und informellen Lernen in der Freizeit aus. Hier punktet Deutschland vor allem mit einer guten Lern-Infrastruktur, die für das lebenslange Lernen von zentraler Bedeutung ist.

"Gelernt wird nicht nur an Schulen und Hochschulen", betont Dr. Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, „sondern auch am Arbeitsplatz, in Vereinen oder politischen Organisationen, in der Familie, in der Freizeit und im Gemeinwesen." Er unterstreicht: „Lernen ist der beste Garant für Wohlstand, Gesundheit, sozialen Zusammenhalt und Glück. In der Zukunft werden wir mehr, früher, länger und auch anders lernen müssen. Mit ELLI versuchen wir, Bildung und Lernen ganzheitlich zu erfassen um zu wissen, wo wir stehen.“

Gezielter Verbesserungsbedarf besteht in Deutschland vor allem im Bereich Hochschulbildung: Zu diesem Schluss kommen die Sozialwissenschaftler Prof. Dr. Klaus Schömann und Dr. Christoph Hilbert vom Bremer Jacobs Center on Lifelong Learning and Institutional Development (JCLL), die die deutschen ELLI-Ergebnisse im Auftrag der Bertelsmann Stiftung ausgewertet haben. Den Experten zufolge ist die Zahl der Hochschulabsolventen in Deutschland deutlich zu niedrig. Hochschulbildung sei aber die Grundlage für das Fortschrittspotenzial einer Gesellschaft.

Auf der Webplattform www.elli.org sind alle Detailergebnisse des Index abrufbar. Neben den Indexergebnissen sind hier auch über 150 verschiedene Kennzahlen zum lebenslangen Lernen in Zeitreihen zu finden, die als Landkarten oder klassische Tabellen und Diagramme darstellbar sind. Voraussichtlich im Herbst werden auch Regionaldaten aus Deutschland zum lebenslangen Lernen eingespeist. Die Indexergebnisse werden künftig jährlich auf den neuesten Stand gebracht.

Rückfragen an: Dr. Ulrich Schoof, Telefon: 0 52 41 /81-81384
E-Mail: ulrich.schoof@bertelsmann-stiftung.de

Ute Friedrich | idw
Weitere Informationen:
http://www.bertelsmann-stiftung.de
http://www.elli.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Personalisierte Medizin – Ein Schlüsselbegriff mit neuer Zukunftsperspektive
14.07.2017 | Institut für Bioprozess- und Analysenmesstechnik e.V.

nachricht Enterprise 2.0 ist weiterhin bedeutendes Thema in Unternehmen
03.07.2017 | Hochschule RheinMain

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten