Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Cyber-Mobbing an Schulen: Ein Fünftel der Jugendlichen direkt betroffen

14.04.2011
Pilotstudie der Universität Hohenheim: Neben persönlichen Gründen spielen oft die Klassen- und Schulstruktur eine wichtige Rolle

Die Zeiten, in denen Cyber-Mobbing als Ausnahmephänomen galt, sind vorbei. Dies deutet eine Pilotstudie der Universität Hohenheim an zwei Schulen im Raum Stuttgart an. Mehr als ein Fünftel der befragten 409 Schüler (insgesamt 22,1 Prozent) haben demnach schon persönliche Erfahrungen mit dem Phänomen.

Vor allem Schülerinnen und Jüngere werden zur Zielscheibe der virtuellen Angriffe. So hatten die weiblichen Befragten ein 6fach erhöhtes Risiko, Opfer von Cyber-Mobbing zu werden. Täter sind dagegen häufig gut integrierte Kinder aus der Mitte der Klasse.

Das Spektrum der Taten reicht von persönlichen Angriffen auf Soziale Netzwerkseiten und Communities über die Veröffentlichung verletzender Bilder bis hin zum Einstellen peinlicher Videos ins Netz, so eine Erkenntnis am Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaft, insb. interaktive Medien- und Onlinekommunikation, der die Studie herausbrachte.

Studienleiterin Ruth Festl führt diese Vielfalt auch auf die rasante Vereinfachung der entsprechenden Medientechnologien zurück: „Der Zugang zu Multimedia-Handys und die Allgegenwart des Internet im Alltag Jugendlicher haben dazu geführt, dass der Schritt zum Mobben über das Netz oft nur noch ein kleiner ist.“ So kann die Hohenheimer Studie zeigen, dass insbesondere Vielnutzer von Internet und sozialen Netzwerken häufiger zu den Tätern gehören.

Täter stammen aus der Klassenmitte, Opfer sind die Randfiguren

Doch es seien nicht nur individuelle Aspekte, wie Mediennutzung, familiärer und sozialer Hintergrund, die die Täter auszeichnen. Mit Hilfe von Netzwerkanalysen belegen die Forscher, dass auch die soziale Struktur der Klassen und Schulen eine wichtige Rolle spielt.

Demnach nehmen Personen, die bereits Täter und Opfer von Cyber-Mobbing waren, innerhalb der Klasse zentrale und vor allem ‚strategische’ Positionen ein. Sie unterscheiden sich somit deutlich von den reinen Opfern, die eher am Rande des Netzwerks positioniert sind: So wurden die Cyber-Mobbing-Opfer nur selten von anderen als Freund benannt. Täter scheinen im Gegensatz dazu gut in der Klasse integriert zu sein und besetzen eher zentrale Stellen in den Gemeinschaften.

Ergebnisse fordern ein Umdenken

Diese Ergebnisse widersprechen anderen Befunden, die Cyber-Mobbing bislang eher als soziales Randphänomen angesehen haben: Es seien gerade nicht die wenig integrierten Randpersonen, die zu Tätern werden, sondern zum Teil anerkannte Schüler mit großem Freundeskreis.

Prof. Dr. Thorsten Quandt, Leiter des Lehrstuhls, sieht hier Grund zum Umdenken: „Täter sind eben nicht immer die Randpersonen einer Klasse. Das Mobbing kommt im wahrsten Sinne aus der Mitte der Klassengemeinschaft. Anders sieht es bei den Opfern aus: Da trifft es vor allem die sozialen Außenseiter.“

Folgen von Wut bis Angst – oder auch Belustigung

Die berichteten Auswirkungen des Cyber-Mobbings sind weitreichend: Neben den direkten Effekten des Bloßstellens über das Internet sind auch einige Folgeprobleme von den Probanden genannt worden.

Als häufige Reaktionen wurden u.a. Wut, persönliche Verletzung, Enttäuschung und Schlafstörungen sowie Angst genannt. Manche Betroffenen zeigen sich aber auch nur belustigt.

Weitere Forschung geplant

Die Thematik Cyber-Mobbing soll in den nächsten Jahren an der Universität Hohenheim weiter erforscht werden. Geplant sind Kooperationen mit öffentlichen Einrichtungen und Schulen, um auf Basis der Forschungsergebnisse wirksame Interventionsstrategien zu entwickeln.

Die vorliegende Pilotstudie erhielt von der International Communication Association bereits eine Wissenschaftsauszeichnung (Top Faculty Paper Award der Computer & Technology Division). Eine größere Anschlussstudie ist aktuell in Vorbereitung.

Kontakt für Medien:
Ruth Festl M.A., Universität Hohenheim, Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaft (insb. Interaktive Medien und Onlinekommunikation), Tel.: 0711/459-24477, E-Mail: ruth.festl@uni-hohenheim.de

Prof. Dr. Thorsten Quandt, E-Mail: thorsten.quandt@uni-hohenheim.de, Homepage: http://online.uni-hohenheim.de

Text: Klebs

Florian Klebs | Universität Hohenheim
Weitere Informationen:
http://online.uni-hohenheim.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Entrepreneurship-Studie: Großes Potential für Unternehmensgründungen in Deutschland
15.09.2017 | Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Höher - schneller - weiter: Der Faktor Mensch in der Luftfahrt

20.09.2017 | Veranstaltungen

Wälder unter Druck: Internationale Tagung zur Rolle von Wäldern in der Landschaft an der Uni Halle

20.09.2017 | Veranstaltungen

7000 Teilnehmer erwartet: 69. Urologen-Kongress startet heute in Dresden

20.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Drohnen sehen auch im Dunkeln

20.09.2017 | Informationstechnologie

Pfeilgiftfrösche machen auf „Kommando“ Brutpflege für fremde Kaulquappen

20.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Frühwarnsystem für gefährliche Gase: TUHH-Forscher erreichen Meilenstein

20.09.2017 | Energie und Elektrotechnik