Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

CRI Corporate Responsibility Index 2013: Unternehmerische Verantwortung erkennen und umsetzen

07.07.2014

Knapp zwei Drittel der Unternehmen in Deutschland sind überzeugt, dass gesellschaftlich verantwortliches Handeln eine hohe oder sogar eine sehr hohe Bedeutung für den Unternehmenserfolg hat.

Allerdings unterscheidet sich die Qualität ihres Engagements sehr deutlich. Dies zeigt der „Corporate Responsibility Index CRI 2013“ der Bertelsmann Stiftung, der gemeinsam mit der Universität Bayreuth und der concern GmbH erstellt wurde. Die repräsentative Studie mit dem Kurznamen „CRI 2013“ gibt erstmals Aufschluss darüber, welche Faktoren ausschlaggebend sind, wenn gesellschaftlich verantwortliches Handeln erfolgreich im Unternehmen verankert wird.

Aufbauend auf diesen Erkenntnissen wurde unter dem Aspekt der unternehmerischen Verantwortung (CR) ein qualitätsorientiertes Benchmarking deutscher Unternehmen durchgeführt. 169 Unternehmen gaben detaillierte Auskünfte über ihre Aktivitäten in diesem Bereich und konnten so daraufhin bewertet werden, wie gut ihnen die Umsetzung unternehmerischer Verantwortung gelingt.

Im einzelnen zeigt sich eine erhebliche Spannbreite: Einige Unternehmen stehen mit einem ganzheitlichen Management von Unternehmensverantwortung noch am Anfang, andere erreichen Spitzenwerte. Die höchsten Werte im CRI 2013 insgesamt erzielte BMW. Das Unternehmen steht damit zugleich an der Spitze der Automobilhersteller, die sich an der Studie beteiligt haben. Die DZ Bank wiederum führt die Gruppe der Finanzdienstleister an. In der Gruppe der mittelständischen Unternehmen liegt die Lebensbaum – Ulrich Walter GmbH bei der Realisierung unternehmerischer Verantwortung ganz vorn. Bestes Familienunternehmen ist in dieser Hinsicht die Phoenix Contact GmbH.

Es sind vor allem vier Faktoren, von denen eine erfolgreiche Umsetzung unternehmerischer Verantwortung abhängt: die Unterstützung durch das Top-Management, eine gelebte Wertekultur, die Integration von Unternehmensverantwortung in die Wertschöpfungskette und eine umfassende Erfolgskontrolle.

Unternehmen, in denen Maßnahmen zur Stärkung der Unternehmensverantwortung vom Vorstand unterstützt und gefördert werden, erzielen im CRI 2013 in allen wesentlichen Aspekten des CR-Managements bessere Ergebnisse. Im Bereich der Werteorientierung sind Familienunternehmen die Vorreiter: Wie aus der Studie hervorgeht, werden Werte hier signifikant besser gelebt, insbesondere von den Führungskräften.

Sobald es darum geht, unternehmerische Verantwortung in allen Bereichen der Wertschöpfungskette umzusetzen, zeigt sich bei vielen Firmen allerdings noch ein erhebliches Verbesserungspotenzial: Nur knapp 40 Prozent der Unternehmen, die an der Befragung teilgenommen haben, integrieren CR-Aktivitäten in die Geschäftsprozesse. Zudem wird bei wichtigen, das Kerngeschäft betreffenden Entscheidungen das Thema Unternehmensverantwortung nur unzureichend berücksichtigt.

Eine Ausnahme sind dabei die „CR-Champions“, also die zehn Prozent der Unternehmen mit den besten Werten im CR-Index. Sie alle haben, wie die Befragung zeigt, das strategische Potenzial von Unternehmensverantwortung erkannt.

„Auffällig ist, dass Corporate Responsibility in den Vergütungs- und Anreizsystemen von Unternehmen nicht zureichend berücksichtigt wird“, berichtet Prof. Dr. Dr. Alexander Brink, Professor für Wirtschafts- und Unternehmensethik an der Universität Bayreuth. „Nur bei 15 Prozent der befragten Unternehmen richtet sich die Höhe der Gehälter von Vorstand und Geschäftsführung auch danach, ob gesetzte Ziele im Bereich Unternehmensverantwortung erreicht wurden.“

Erhebliche Defizite gibt es nicht zuletzt auch bei der Erfolgskontrolle. Wie erfolgreich sind die Maßnahmen, die im Unternehmen auf den Weg gebracht werden, um unternehmerische Verantwortung zu stärken? Mehr als ein Drittel der Unternehmen, die an der Untersuchung teilgenommen haben, messen die Ergebnisse dieser Aktivitäten überhaupt nicht. „Dies liegt vermutlich auch daran, dass solche Messungen – gerade wenn sie ökonomische und soziale Auswirkungen betreffen – nicht leicht zu realisieren sind und die Unternehmen vor besondere Herausforderungen stellen“, meint Prof. Brink, der seitens der Universität Bayreuth an der Studie mitgearbeitet hat.

Politischer Druck von Regierung oder Parteien veranlasst übrigens nur etwa jedes zehnte Unternehmen zu gesellschaftlich verantwortlichem Handeln. Auffällig ist zudem, dass ein regelmäßiger Kontakt zu wichtigen Stakeholder-Gruppen bei weitem nicht selbstverständlich ist. Nur rund 20 Prozent der Unternehmen stehen in einem regelmäßigen Austausch mit Repräsentanten aus Politik, Nichtregierungsorganisationen oder Non-Profit-Organisationen; nicht mehr als 26 Prozent von ihnen suchen den ständigen Dialog mit Medien und Öffentlichkeit. Mit Kunden und Investoren pflegen 41 bzw. 43 Prozent der Unternehmen einen regelmäßigen Austausch. Bei diesen Ergebnissen ist allerdings zu berücksichtigen, dass diejenigen Unternehmen, die im CR-Index am besten abschneiden, deutlich aktiver mit ihren verschiedenen Stakeholder-Gruppen kommunizieren.

Weitere Informationen:

Die komplette Studie zum CRI Corporate Responsibility Index 2013 der Bertelsmann Stiftung ist online zugänglich unter: http://www.bertelsmann-stiftung.de

Ansprechpartner:

Prof. Dr . Dr. Alexander Brink
Wirtschafts- und Unternehmensethik
Universität Bayreuth
D-95440 Bayreuth
Telefon: +49 (0)921 55 4122
E-Mail: alexander.brink@uni-bayreuth.de

Hintergrund:

Der Corporate Responsibility Index CRI 2013 der Bertelsmann Stiftung ist die bisher umfangreichste Studie zum CR-Management deutscher Unternehmen. Die Stichprobe umfasst sowohl Großunternehmen als auch mittelständische Unternehmen verschiedener Branchen. Es handelt sich um die erste Studie, in der die relevanten Erfolgsfaktoren unternehmerischer Verantwortung systematisch untersucht werden. Mit dem CRI 2013 liegt daher ein Mess- und Steuerungsinstrument vor, das die Qualität der Umsetzung von Unternehmensverantwortung abbildet. Die nächste Befragung wird im Herbst 2014 stattfinden.

Die Studie entstand in enger Zusammenarbeit der Bertelsmann Stiftung mit Prof. Dr. Dr. Alexander Brink an der Universität Bayreuth (Philosophy & Economics) und Dr. Anne Fries bei der concern GmbH in Köln. Die concern GmbH ist eine auf Corporate Responsibility spezialisierte Beratungsgesellschaft und ein Spin-off des Philosophy & Economics-Studiengangs an der Universität Bayreuth.

Christian Wißler | Universität Bayreuth

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Zirkuläre Wirtschaft: Neues Wirtschaftsmodell für die chemische Industrie?
28.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Unternehmen entwickeln sich zu Serviceanbietern
25.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer IPM präsentiert »Deep Learning Framework« zur automatisierten Interpretation von 3D-Daten

22.08.2017 | Informationstechnologie

Globale Klimaextreme nach Vulkanausbrüchen

22.08.2017 | Geowissenschaften

RWI/ISL-Containerumschlag-Index erreicht neuen Höchstwert

22.08.2017 | Wirtschaft Finanzen