Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Brain Freeze – Wenn das Gehirn kurz „einfriert“: Studie untersucht "Eiscreme-Kopfschmerz""

20.07.2015

Brain Freeze: Eine Studie an der Universitätsmedizin Halle (Saale) untersucht derzeit den "Eiscreme-Kopfschmerz".

Ein schönes kaltes Getränk oder ein großes Eis sind besonders an heißen Sommertagen eine Wohltat. Doch bei einer größeren Menge der kalten Substanzen am Gaumen passiert es: Ein kurzer Schmerz im Kopf, das Gefühl, dass das Hirn für einen Augenblick wie „eingefroren“ ist.


Ole Hensel im Selbstversuch im Rahmen der Langen Nacht der Wissenschaften

Daniel Gandyra, Universitätsklinikum Halle (Saale)

Dieses Phänomen wird deshalb auch genauso bezeichnet – der „Eiscreme-Kopfschmerz“, im Englischen unter dem Begriff „Brain Freeze“ bekannt. Am Universitätsklinikum Halle (Saale) wird in der Klinik und Poliklinik für Neurologie unter Leitung von Prof. Stephan Zierz genau diese Form von Kopfschmerz in mehreren Studien näher untersucht.

„So wie beim Eiscreme-Kopfschmerz treten auch bei der Migräne mit Aura Veränderungen des Blutflusses im Gehirn auf“, sagt der beteiligte Assistenzarzt Ole Hensel. Möglicherweise lassen sich aus diesen Ergebnissen Erkenntnisse zur Entstehung von Kopfschmerzen oder gar für Therapieansätze beim akuten Schlaganfall gewinnen. Primär gehe es aber um die Ursachenforschung beim Eiscreme-Kopfschmerz.

„Die Kopfschmerzforschung ist ein Schwerpunkt unserer Klinik“, sagt Hensel und verweist auch auf die überregional anerkannte Kopfschmerzambulanz unter Leitung von Oberarzt Dr. med. Torsten Kraya. In der aktuellen Untersuchung von Ole Hensel habe man bereits herausgefunden, dass beispielsweise vier Grad Celsius kaltes Wasser eher den Schmerz auslöse als ein einzelner Eiswürfel.

„Mittels Doppler-Sonografie sind Durchblutungsveränderungen im Gehirn messbar“, erklärt Stephan Mages, der den „Eiscreme-Kopfschmerz“ in seiner Doktorarbeit untersucht. Für die Studie wurde zusammen mit der Forschungswerkstatt des Universitätsklinikums Halle (Saale) eigens eine spezielle Kopfhalterung entwickelt, die auf den Kopf gesetzt werden kann und mit mehreren Ultraschallsonden bestückt ist. Aus den Ultraschalldaten kann der Blutfluss gemessen werden und werden Veränderungen ohne und mit Kältereiz sichtbar. Die Apparatur wurde zum Patent angemeldet.

Im Unterschied zu den Ergebnissen anderer Studien, in denen eine Verlangsamung des Blutflusses festgestellt wurde, hat in den halleschen Untersuchungen der Blutfluss aufgrund des Kältereizes zugenommen. Die Studie ist noch nicht abgeschlossen, auch können sich noch Probanden melden, insbesondere auch Menschen, bei denen Eiscreme-Kopfschmerz bisher nicht aufgetreten ist. In ein bis zwei Monaten rechne man mit Ergebnissen, so Mages.

Ausgangspunkt war eine fragebogenbasierte „Jugend forscht“-Arbeit von Antonia Zierz vom Elisabeth-Gymnasium in Halle, in der unter anderem die Häufigkeit des Eiscreme-Kopfschmerzes bei Schülern, Eltern und Lehrern untersucht wurde. Dabei konnte erstmals eine familiäre, möglicherweise genetische, Veranlagung für Eiscreme-Kopfschmerz nachgewiesen werden. Darüber hinaus scheinen Kinder den Eiscreme-Kopfschmerz besser zu kennen.

„Das könnte daran liegen, dass Erwachsene möglicherweise vorsichtiger beim Konsumieren kalter Lebensmittel sind und die Einnahmegeschwindigkeit eine Rolle zu spielen scheint“, erklärt Prof. Zierz.

Jens Müller | Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Weitere Informationen:
http://www.uni-halle.de

Weitere Berichte zu: Apparatur Blutfluss Brain Freeze Gaumen Gehirn Hirn Patent Poliklinik Torsten genetische Veranlagung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hannover Messe: Elektrische Maschinen in neuen Dimensionen

28.03.2017 | HANNOVER MESSE

Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome

28.03.2017 | Medizin Gesundheit

Antibiotikaresistenz zeigt sich durch Leuchten

28.03.2017 | Biowissenschaften Chemie