Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Deutsche Aufsichtsräte sind unterbezahlt!

07.09.2007
Eine Studie Wittener Wirtschaftswissenschaftler zeigt deutliche Unterschiede bei der Vergütung von Aufsichtsräten in Großbritannien und Deutschland.

Teure Dienstwagen, schicke Anzüge, dicke Zigarren - das typische Klischee deutscher Aufsichtsräte. Eine Behauptung fällt in diesem Zusammenhang allerdings nie: Aufsichtsräte in Deutschland verdienen zu wenig.

Die Studenten der Wirtschaftsfakultät der Universität Witten/Herdecke Christian Jünger und Timm Tiller haben im Rahmen einer kurz vor der Publikation stehenden Studie für das Institut für Corporate Governance die Gehälter von deutschen Aufsichtsräten mit denen ihrer englischen Kollegen verglichen. Mit deutlichem Ergebnis, denn in Großbritannien verdient der so genannte Chairman etwa dreimal soviel. Dafür nehmen die Briten ihre Arbeit anscheinend auch ernster als die Deutschen und das hat auch kulturelle Gründe.

"Wir hatten schon mit Unterschieden bei der Vergütung gerechnet, dass sie jedoch derart krass ausfallen, haben wir so nicht erwartet", sagt Christian Jünger. Während ein deutsches Aufsichtsratsmitglied im Schnitt zwischen 160.000 und 185.000 Euro pro Jahr verdient, streicht der englische Chairman durchschnittlich über eine halbe Million Euro ein. Zusammen mit seinem Studienpartner Timm Tiller analysierte Jünger die Gehaltslisten der Aufsichtsräte von allen 30 im DAX gelisteten Unternehmen und verglich sie mit denen von 30 Unternehmen an der Londoner Börse FTSE.

... mehr zu:
»Corporate »Governance »ICG

"Für das Maß an Verantwortung, dass solch ein Amt mit sich bringt, ist der Aufsichtsrat in Deutschland zu schlecht bezahlt", sagt Jünger. Er investiert aber auch deutlich weniger Zeit in seine Aufgaben, als sein britischer Kollege. Dies lässt allein schon die Zahl der Sitzungen vermuten, die etwa doppelt so hoch liegt wie in Deutschland. "Hierzulande ist das Amt des Aufsichtsrates eher eine Art Ehrenamt, in Großbritannien hingegen ist der Stellenwert für diese Position ein anderer", erklärt Christian Jünger.

Nun stellt sich auch die Frage, inwieweit die Bezahlung deutscher Aufsichtsräte mit dem derzeit täglich spürbaren Mangel an Unternehmensaufsicht zusammenhängt. "Wir haben hier deutliche Defizite", sagt der Managing Director des Instituts für Corporate Governance (ICG) der Universität Witten/Herdecke, Maxim Nohroudi. "Nehmen Sie nur die Beispiele von schlechter Aufsicht bei der WestLB, der SachsenLB, der Mittelstandsbank IKB oder bei Siemens", so Nohroudi. Offensichtlich sei man in Deutschland kulturell noch nicht so weit, den Posten des Aufsichtsrats als professionellen Job zu betrachten, der entsprechend vergütet werden müsse. Dies zeige zumindest der Blick auf Großbritannien.

"Letztlich lässt sich der Stellenwert der Aufsichtsräte in Deutschland nur interdisziplinär beantworten", so Maxim Nohroudi, "da müssen soziologische, kapitalmarkttheoretische, gesellschaftsrechtliche sowie psychologische Aspekte berücksichtigt werden". Dies sei Aufgabe des ICG, welches insbesondere die Führungssysteme von Unternehmen und Körperschaften untersucht.

Weitere Informationen: Maxim Nohroudi, Tel. 02302/926-575, E-Mail: maxim.nohroudi@uni-wh.de, Institut für Corporate Governance | ICG, Internet: http://www.uni-wh.de/icg

Forschungsoffensive 2007
Mit der Forschungsoffensive bieten wir einen konzentrierten Einblick in die Vielfalt der Forschungsthemen, die derzeit an der Universität Witten/Herdecke bearbeitet werden. Dabei berichten wir nicht nur über laufende Projekte aus den Bereichen Medizin, Biologie und Wirtschaftswissenschaften. Neben interessanten Zwischenergebnissen stehen auch Forschungsarbeiten im Mittelpunkt, die bereits kurz vor ihrer Publikation stehen.

Janine Binczyk | Uni Witten/Herdecke
Weitere Informationen:
http://www.uni-wh.de/icg

Weitere Berichte zu: Corporate Governance ICG

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Entrepreneurship-Studie: Großes Potential für Unternehmensgründungen in Deutschland
15.09.2017 | Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie