Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Studie: Kapitalmarkt-Orientierung deutscher Mittelstandsunternehmen ist unzureichend

26.03.2002


Wettbewerbsfähigkeit und Attraktivität des Finanzplatzes sind zu verbessern

Die Wettbewerbsfähigkeit vieler Unternehmen in Deutschland leidet unter einer unzureichenden Vorbereitung auf die gestiegenen Anforderungen des Kapitalmarkts. Hinzu kommt, dass der Finanzplatz Deutschland im internationalen Vergleich an Attraktivität gewinnen muss. Dazu sind weitergehende Reformen im Bereich der Kapitalmärkte, der Steuergesetzgebung und im Arbeitsrecht notwendig. Das hat eine gemeinsame Studie von KPMG Corporate Finance und dem F.A.Z.-Institut ergeben, bei der Ende 2001 rund 300 mittelständische Unternehmen in Deutschland sowie 34 international tätige Private Equity Manager befragt wurden.

Nur jedes dritte Unternehmen glaubt, dass der Shareholder-Value-Gedanke in der deutschen Unternehmenspraxis bereits ausreichend verankert ist. Drei von vier der internationalen Private Equity Manager bestätigen diesen Befund. Thomas Ehren, Leiter KPMG Corporate Finance: "Mittelständische Unternehmen müssen ihre Geschäftspolitik stärker an den Anforderungen des Kapitalmarktes ausrichten, um im Wettbewerb bestehen zu können. Der Zugang zum Kapitalmarkt bildet einen Schlüsselfaktor für den künftigen Erfolg der Unternehmen."

Dazu gehört auch eine wirksame Corporate Governance, die von internationalen Investoren auf den Kapitalmärkten gefordert wird. Hier zeigt sich für Deutschland allerdings Nachholbedarf. Internationale Investoren stellen der deutschen Corporate Governance mit der Durchschnittsnote 3,6 kein gutes Zeugnis aus. Die Notwendigkeit für eine Verbesserung in Form einer erhöhten Transparenz der Unternehmensführung wird auch von fast der Hälfte der Unternehmen (45 Prozent) für erforderlich gehalten, allerdings fehlt es den Unternehmen an der Überzeugung, dass damit auch konkrete Vorteile verbunden sind. Nur 30 Prozent glauben, dass eine transparente Unternehmensführung vorteilhaft ist. Darüber hinaus steht der Mittelstand auch den Reformen von Basel II skeptisch gegenüber. Die befragten Unternehmen gehen davon aus, dass die Zinsen in Folge von Basel II eher steigen (44,4 Prozent) oder eher gleich bleiben (41,1 Prozent). Nur 14,5 Prozent erwarten eine Verringerung der Zinsen. Thomas Ehren: "Der Mittelstand muss die Herausforderungen einer erhöhten Transparenz und einer stärkeren Shareholder-Value-Orientierung annehmen, um der zunehmenden Globalisierung der Kapitalmärkte und Finanzdienstleistungen erfolgreich zu begegnen. Nur dann ist wirklich eine Verbesserung der Finanzierungskonditionen zu erwarten".

Bezüglich des Finanzplatzes Deutschland und der anstehenden Änderungen des Vierten Finanzmarktförderungsgesetzes fordern sowohl mittelständische Unternehmen als auch internationale Private Equity Manager eine weitere Professionalisierung. Als notwendige Rahmenbedingung wird dabei von den Befragten mehrheitlich eine europaweit einheitliche Regelung für Unternehmensübernahmen auch nach In-Kraft-Treten des deutschen Übernahmegesetzes angesehen. Thomas Ehren: "Ein europaweit verbindliches Regelwerk würde die M&A-Märkte weiter integrieren, wovon der Investitionsstandort und Finanzplatz Deutschland profitieren wird."

Hinsichtlich der Rahmenbedingungen für den Investitionsstandort Deutschland gab es auch in anderen Bereichen schlechte Noten. Im Durchschnitt vergeben die deutschen Unternehmen für die Steuerpolitik in unserem Land nur die Note "ausreichend". Die Mehrzahl der mittelständischen Unternehmen fühlt sich durch die Steuerreform im Vergleich zu den Großunternehmen benachteiligt. Sie hoffen auf eine weitere Verbesserung der Rahmenbedingungen am Standort Deutschland in der kommenden Legislaturperiode. Fast 90 Prozent der befragten Unternehmen fordern eine Vereinfachung des Steuerrechts, knapp 80 Prozent plädieren für eine weitere Senkung der Steuersätze. Jedes zweite Unternehmen (53 Prozent) hält eine Abschaffung der Gewerbesteuer für "sehr wichtig" oder "wichtig". Auch das deutsche Arbeitsrecht muss nach Ansicht der Befragten dringend flexibler werden. 84 Prozent der Unternehmen fordern eine Deregulierung des Arbeitsmarktes, drei von vier (77 Prozent) wünschen sich, dass die Befristung von Arbeitsverhältnissen erleichtert wird. Fast ebenso viele (73 Prozent) halten eine Lockerung des Kündigungsschutzes für "sehr wichtig" oder "wichtig".

Einig waren sich Unternehmen und Private Equity Manager bezüglich der Attraktivität von Deutschland als Investitionsstandort und Finanzplatz: Deutschland bleibt in der Attraktivitätsskala hinter den meisten anderen Ländern zurück. Thomas Ehren: "Aufgrund der Größe und Bedeutung des Finanzplatzes Deutschland innerhalb der globalen Wirtschaft ist bei Umsetzung weiterer Reformen allerdings mit einer erheblichen Verbesserung des Investitionsklimas zu rechnen".

Marita Reuter | Pressemitteilung

Weitere Berichte zu: Corporate Equity Finanzplatz Kapitalmarkt

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Europaweite Studie zu „Smart Engineering“
30.03.2017 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

Jenaer Akustik-Tag: Belastende Geräusche minimieren - für den Schutz des Gehörs

27.04.2017 | Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

VLC 200 GT von EMAG: Neue passgenaue Dreh-Schleif-Lösung für die Bearbeitung von Pkw-Getrieberädern

27.04.2017 | Maschinenbau

Induktive Lötprozesse von eldec: Schneller, präziser und sparsamer verlöten

27.04.2017 | Maschinenbau

Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

27.04.2017 | Informationstechnologie