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Europäische Akademie GmbH legt neue Studie zu gesellschaftlichen Herausforderungen durch innovative Eingriffe in das Gehirn vor

03.05.2007
Gelähmte steuern künstliche Gliedmaßen mithilfe von Gehirn-Computer-Schnittstellen durch die bloße Kraft ihrer Gedanken. Parkinsonkranken wird Hirngewebe abgetriebener Föten in das Gehirn gespritzt, um ihre Beschwerden zu lindern. Menschen mit Depressionen regeln ihre Stimmung durch tief im Gehirn implantierte Elektroden. Abiturienten machen sich für Prüfungen fit, indem sie Pillen schlucken, die sie ihren hyperaktiven Mitschülern abkaufen.

In den vergangenen Jahren hat es eine Vielzahl derartiger Meldungen über Ge- und Missbrauchsmöglichkeiten neurowissenschaftlicher Innovationen gegeben. Dabei fällt es nicht nur Laien schwer, zwischen aktuellen Anwendungen und mehr oder weniger nahe liegenden Zukunftsperspektiven zu unterscheiden. Entsprechend schwankt die Debatte über neue Möglichkeiten der Einflussnahme auf das Gehirn zwischen euphorischen Vorwegnahmen neuer Therapieoptionen und finsteren Befürchtungen bezüglich selbstentfremdeter Individuen oder auf Hirndoping basierender Wettbewerbsgesellschaften.

Die neue Studie der Europäischen Akademie GmbH bietet in dieser Situation eine rationale Orientierungshilfe. Sie ist hervorgegangen aus der zweieinhalbjährigen Arbeit einer interdisziplinären Projektgruppe, bestehend aus Neurowissenschaftlern, Medizinern, Philosophen und einem Juristen. Im ersten Teil des Buches berichten die Experten aus erster Hand über derzeitige Möglichkeiten und Entwicklungsperspektiven in den Bereichen Psychopharmakologie, Neurotransplantation, Neuroprothetik und elektrische Stimulationstechniken. Der zweite Teil analysiert die wichtigsten Bedenken gegen diese Interventionen aus philosophischer und juristischer Perspektive und versucht dabei sorgfältig zwischen begründeter Besorgnis und technikfeindlicher Panikmache zu trennen.

Die Autoren ziehen praxisbezogene Schlussfolgerungen, die einen verantwortbaren Umgang mit den neuen Eingriffen in das Gehirn vorbereiten sollen.

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Beispielsweise sind therapeutische Anwendungen solcher Interventionen anders zu beurteilen als Anwendungen, die auf Zwecke des "Enhancements" abzielen, also auf die Verbesserung der psychischen Funktionen von Gesunden. So fallen bei Maßnahmen des Enhancements Nebenwirkungen ungleich schwerer ins Gewicht. Dennoch ist es nach Ansicht der Autoren nicht prinzipiell verwerflich, wenn sich Personen auf eigenes Risiko dazu entscheiden, ihre geistigen Fähigkeiten durch geeignete Techniken zu verbessern. Allerdings sollten sie dies auch auf eigene Kosten tun, denn die Finanzierung solcher Maßnahmen sollte grundsätzlich nicht durch das Gesundheitssystem finanziell gefördert werden.

Veröffentlichung:
Reinhard Merkel, Gerhard Boer, Jörg Fegert, Thorsten Galert, Dirk Hartmann, Bart Nuttin, Steffen Rosahl: Intervening in the Brain. Changing Psyche and Society (Band 29 der Reihe Ethics of Science and Technology Assessment, hrsg. von C. F. Gethmann), Springer Verlag, Berlin 2007, ISBN-10 3-540-46476-X

Friederike Wütscher | idw
Weitere Informationen:
http://www.ea-aw.de

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