Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vögel in Tschernobyl meiden stark verstrahlte Nester

29.03.2007
Fluktuation mögliche Ursache für stabile Vogelpopulation um Tschernobyl

Vögel im Einzugsgebiet des Unglücksreaktors von Tschernobyl meiden besonders stark verstrahlte Nester. Das ist das Ergebnis einer Studie amerikanischer und französischer Wissenschaftler, die im Fachmagazin "Proceedings of the Royal Society" erschienen ist. Wie die Vögel die variierenden Strahlungsintensitäten erkennen und unterscheiden ist allerdings noch offen. "Ebenso wenig wissen wir über die Langzeitfolgen der Strahlenbelastung für die Tierwelt", sagt Tim Mousseau von der University of California auf Nachfrage von pressetext.

Für ihre Studie verteilten die Forscher etwa 200 Nistkästen im "Roten Wald", etwa drei Kilometer vom Unglücksreaktor entfernt. Dort verfärbten sich die Bäume nach dem Reaktorunfall rot, weil die Strahlenbelastung so hoch war - so erhielt der Wald seinen Namen. Mittlerweile wurden die toten Bäume jedoch abgeholzt und der Boden neu bepflanzt. Die Wissenschaftler wollten untersuchen, ob Tiere Gebiete mit geringer Strahlungsintensität bevorzugen. Denn nach der Explosion verteilte sich der radioaktive Niederschlag nicht gleichmäßig, so dass einige Gebieter stärker und einige weniger stark verstrahlt sind. Die Forscher beobachteten das Verhalten von Kohlmeisen und Trauerschnäppern. Die Nistkästen standen in ähnlichen Ungebungen mit ähnlichem Futterangebot - einzig die Strahlungsbelastung variierte.

Das Ergebnis: Beide Vögel bevorzugten Nester mit geringer Strahlenbelastung, wobei Trauerschnäpper sensibler reagierten als die Kohlmeisen. "Ein Grund für dieses Verhalten könnte darin liegen, dass eine höhere Radioaktivität die Konzentration von Antioxidantien reduziert", sagt Mousseau. Gemeinsam mit seinem französischen Kollegen Anders Moller von der Pierre und Marie Curie Universität Paris konnte er außerdem Veränderungen der Spermien bei Rauschwalben als Folge der Radioaktivität nachweisen. "Es könnte für Vögel deshalb von großem Vorteil sein, Gebiete mit starker Strahlenbelastung zu meiden", so Mousseau. "Wir wissen aber nicht, wie die Vögel stark kontaminierte Nistkästen erkennen können."

Mousseau und Moller erforschen bereits seit dem Jahr 2000 die Vegetation um den Unglücksreaktor Tschernobyl. "Die am stärksten kontaminierten Gebiete in der direkter Nähe zum Reaktors sind tot", sagt Mousseau. "Die Umgebung wirkt dagegen sehr natürlich, so dass vermutet wird, dass die Langzeitfolgen der Verstrahlung begrenzt sind." Dafür gebe es aber noch keinen wissenschaftlichen Beweis. Mousseau hält noch eine andere Erklärung für die äußerlich intakte Vegetation für möglich: "Die Ursache könnte eine Fluktuation innerhalb der Tierpopulation sein." Demnach würden neu hinzugekommene Vögel die Population stabilisieren. Denn nicht alle Vögel in der Umgebung Tschernobyls kehren an ihren alten Nistplatz zurück. Dieses Verhalten beobachtete Mousseau in einem Forschungsprojekt bei Rauchschwalben. Im Mai möchte Mousseau seine Untersuchungen vor Ort fortsetzen.

Christoph Marty | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.pubs.royalsoc.ac.uk/
http://www.sc.edu/
http://www.upmc.fr/

Weitere Berichte zu: Strahlenbelastung Tschernobyl Unglücksreaktor

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Neue Gene für das Risiko von allergischen Erkrankungen entdeckt
21.11.2017 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

nachricht Bedeutung von Biodiversität in Wäldern könnte mit Klimawandel zunehmen
17.11.2017 | Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

IfBB bei 12th European Bioplastics Conference mit dabei: neue Marktzahlen, neue Forschungsthemen

22.11.2017 | Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bakterien als Schrittmacher des Darms

22.11.2017 | Biowissenschaften Chemie

Ozeanversauerung schädigt Miesmuscheln im Frühstadium

22.11.2017 | Biowissenschaften Chemie

Die gefrorenen Küsten der Arktis: Ein Lebensraum schmilzt davon

22.11.2017 | Geowissenschaften