Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Innere Uhr steuert Blutdruck

21.02.2007
Studie vereint zwei Erklärungen für hohen Blutdruck am frühen morgen

Wie die innere Uhr des Menschen den Blutdruck beeinflusst, haben Wissenschaftler der School of Medicine an der University of Pennsylvania herausgefunden. Dass der Blutdruck etwa am frühen Morgen besonders hoch ist, erklären die Forscher in den Proceedings of the National Academy of Science zwar mit einer Stressreaktion. Diese werde allerdings über die zentrale innere Uhr des Menschen reguliert. Die Wissenschaftler fassen damit die beiden wichtigsten Erklärungsversuche für die vermehrten Herzinfarkte am frühen Morgen zu einem neuen Ansatz zusammen.

Schon lange vermuten die Forscher, dass die innere Uhr den Blutdruck beeinflusst. Ebenfalls bekannt ist, dass Herzinfarkte besonders häufig in den frühen Morgenstunden auftreten. Bei Patienten mit Bluthochdruck tritt dieser Effekt sogar verstärkt auf. Nicht einig waren sich die Wissenschaftler allerdings bislang darüber, ob womöglich ein Zusammenhang zwischen den vermehrten Herzinfarkten am frühen Morgen und der inneren Uhr des Menschen besteht - oder ob die vermehrt auftretenden Infarkte die Folge von zuviel Stress in den frühen Morgenstunden sind, verursacht etwa durch die Hast zum Arbeitsplatz. Die nun veröffentlichten Ergebnisse könnten beide Erklärungsversuche zu einem gemeinsamen Ansatz verbinden.

"Die zentrale innere Uhr des Menschen stellt man sich als eine Gruppe von Proteinen vor, die sich gegenseitig regulieren", sagt Christof Schomerus von der Universität Frankfurt im Gespräch mit pressetext. Angesiedelt in einer speziellen Region des Gehirns reguliert sie verschiedene Prozesse im menschlichen Körper - und beeinflusst wahrscheinlich alle anderen inneren Uhren, die in nahezu allen anderen Zuellen des menschlichen Körpers ticken. "Verändert man den Aufbau der inneren Uhr kann es passieren, dass der gesamte Mechanismus nicht mehr richtig funktioniert," sagt Schomerus. Doch um einen möglichen Zusammenhang zwischen innerer Uhr und dem erhöhten Blutdruck am frühen Morgen zu testen, taten die Forscher genau das: In Versuchen mit Mäusen schalteten sie Gene aus, welche einige Proteine der inneren Uhr kodieren. In der Folge konnten die Wissenschaftler verschiedene Effekte auf den Blutdruck und dessen tagesrhythmische Schwankungen beobachten.

Zugleich wiesen sie nach, dass auch das Stresshormon Katecholamin unter der Kontrolle der inneren Uhr steht. "Im Normalfall passt die innere Uhr die Produktion von Katecholamin an die Aktivitäten des Menschen an", sagt Schomerus. Die Mäuse produzierten mehr von dem Hormon, falls sie unter Stress standen. Auch bei den Schwankungen des Blutdrucks vermuteten die Wissenschaftler deshalb einen Zusammenhang zwischen Stress und den Mechanismen der biologischen Uhr.

In Tierversuchen zeigten sie, dass der Zeitpunkt, an dem die Mäuse unter Druck gesetzt wurden, entscheidend für die Stärke der Katecholamin-Produktion und die Höhe des Blutdrucks ist. Der größte Anstieg fiel genau in die Zeit, die den frühen Morgenstunden beim Menschen entsprichen - ein erstes Indiz, das die Forscher zu weiteren Untersuchungen ermutigte. Als die Wissenschaftler ein Gen der zentralen inneren Uhr gezielt abschalteten, reagierten die Mäuse auch unter Stress nicht mit einer Erhöhung des Blutdrucks.

"Diese Ergebnisse zeigen, dass ein Gen der inneren Uhr bei der Stressreaktion eine unerwartete Rolle spielt", sagt Co-Autor Garret A. FitzGerald. Der erhöhte Blutdruck bei Menschen am frühen Morgen ist demnach zwar eine Stressreaktion - diese wird allerdings wahrscheinlich durch die innere Uhr beeinflusst. "Das eröffnet uns neue Möglichkeiten, den Blutdruck zu regulieren und damit das Risiko für einen Herzinfarkt am frühen morgen zu senken, indem wir Medikamente einsetzen, um die innere Uhr neu einstellen.

Christoph Marty | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.pnas.org/
http://www.uni-frankfurt.de/

Weitere Berichte zu: Blutdruck Gen Herzinfarkt Stressreaktion

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave
02.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT

nachricht Europaweite Studie zu Antibiotikaresistenzen in Krankenhäusern
18.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie