Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Studie zur psychosozialen Beratung von Schwangeren im Rahmen von Pränataldiagnostik

08.02.2007
Heute ermöglicht die Medizin, manche Fehlentwicklungen und Erkrankungen eines Kindes bereits vor der Geburt zu erkennen. Sie kann dem Kind und den Eltern dadurch oft helfen. Manchmal stellt sich aber auch die Frage eines Schwangerschaftsabbruchs und zwingt so die Eltern, über die Lebenschancen ihres Kindes zu entscheiden.

Um die Betroffenen in dieser schweren Krise nicht allein zu lassen, gibt es in Bonn, Düsseldorf und Essen direkt "vor Ort" eine psychosoziale Beratung. Diese Modellprojekte wurden durch das Land NRW gefördert und mit Unterstützung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend unter der Leitung von Professorin Anke Rohde (Gynäkologische Psychosomatik Bonn) und Privatdozentin Christiane Woopen (Institut für Geschichte und Ethik der Universität zu Köln) wissenschaftlich begleitet. Die Studie sollte klären, inwiefern psychosoziale Beratung im Rahmen einer Pränataldiagnostik sinnvoll ist und welche Voraussetzungen für ihre Integration erforderlich sind. Am Mittwoch, 14. Februar, werden die Ergebnisse der dreijährigen Studie in Bonn vorgestellt.

Die Mitteilung einer Behinderung oder Erkrankung ihres ungeborenen Kindes stürzt die Schwangere in Not und Verzweiflung. Meist unvorbereitet steht sie plötzlich vor dem nahezu unlösbaren Konflikt, ob ein Leben mit diesem Kind für sie möglich ist oder nicht. "Auch zwei Jahre später ist jeder Zweiten das Erlebte gedanklich und gefühlsmäßig noch sehr präsent", sagt Professorin Rohde, Leiterin der Gynäkologischen Psychosomatik am Universitätsklinikum Bonn. "Die Erfahrung, ein krankes oder behindertes Kind zu bekommen, beziehungsweise eine Schwangerschaft abzubrechen, kann psychische Störungen verursachen."

Seit Januar 2003 beteiligten sich rund 500 Frauen an der Evaluation. Etwa 350 von ihnen waren zu wiederholten Befragungen über den Zeitraum von zwei Jahren bereit. Über 90 Prozent der Studienteilnehmerinnen empfanden die Beratung auch rückblickend als hilfreich. Diese bot ihnen einen neutralen Raum für ihre Gefühle, Ängste und innere Zerrissenheit. Verschiedene Zukunftsperspektiven mit und ohne Kind konnten reflektiert werden. Als nützlich wurde es auch empfunden konkrete Dinge, wie Abschied und Beerdigung, anzusprechen. Einige halten sogar noch mehr Informationen über Hilfsangebote und Kontakte zu anderen Betroffen und Selbsthilfegruppen für wünschenswert. Fast ausnahmslos raten die Studienteilnehmerinnen anderen Betroffenen zu einer psychosozialen Beratung - zum großen Teil auch schon vor der Pränataldiagnostik.

Raum und Zeit zur Reflexion

Durch den akuten Leidensdruck entsteht oft zunächst der Impuls, die Schwangerschaft sofort zu beenden. "Doch es ist nicht im Sinne der Patientin einem solchen Drängen nachzugeben", sagt Professorin Rohde. Jede Frau soll ohne Druck einen Weg finden, den sie als richtig empfindet und möglichst auch später vor sich selbst verantworten kann. "Zudem muss der Arzt nach ausführlicher Aufklärung und Beratung erst einmal feststellen, ob eine medizinische Indikation zum Schwangerschaftsabbruch gegeben ist", betont Privatdozentin Woopen.

Egal welcher Weg schließlich gegangen wird, er ist in der Regel von Trauer und Schuldgefühlen begleitet. Zwar nimmt die psychische Belastung und Trauer mit der Zeit ab, doch viele haben Ängste, unter anderem im Hinblick auf eine neue Schwangerschaft. Jede Vierte ist auch nach zwei Jahren erhöht psychisch belastet - wobei insbesondere ängstliche als auch zurückhaltende Frauen ein erhöhtes Risiko für einen behandlungsbedürftigen Trauerverlauf zeigen. "Gerade diese Frauen würden von einer über die Akutsituation hinausgehenden längerfristigen Betreuung profitieren", sagt Professorin Rohde.

Beratung als fester Bestandteil der Pränatalmedizin

Neben dem Nutzen und der Akzeptanz seitens der Betroffenen, zeigen die drei Modellprojekte auch Wege auf, wie eine psychosoziale Beratung trotz anfänglicher Schwierigkeiten erfolgreich in den Alltag einer pränatalmedizinischen Klinikabteilung oder Schwerpunktpraxis integriert werden kann. Außerdem wirft die Evaluation weitergehende Fragen auf, beispielsweise nach einer sinnvollen Einbindung der Partner in das Beratungskonzept. Denn die Frauen empfinden die Unterstützung durch ihren Partner als enorm wichtig.

Ihre Ergebnisse und Empfehlungen stellten Professorin Rohde und Privatdozentin Woopen in einem Buch zusammen:

Psychosoziale Beratung im Kontext von Pränataldiagnostik/Evaluation der Modellprojekte in Bonn, Düsseldorf und Essen
ISBN: 978-3-7691-1242-9
Deutscher Ärzte-Verlag
Kontakt für die Medien:
Professorin Dr. Anke Rohde
Leiterin der Gynäkologischen Psychosomatik
Zentrum für Geburtshilfe und Frauenheilkunde am Universitätsklinikum Bonn
Telefon: 0228/287-14737
E-Mail: anke.rohde@ukb.uni-bonn.de

Dr. Inka Väth | idw
Weitere Informationen:
http://www.femina.uni-bonn.d

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu Bildungsangeboten für die Industrie 4.0 in Österreich
05.02.2018 | Fachhochschule St. Pölten

nachricht Schildkrötengehirne sind komplexer als gedacht
05.02.2018 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Im Focus: Demonstration of a single molecule piezoelectric effect

Breakthrough provides a new concept of the design of molecular motors, sensors and electricity generators at nanoscale

Researchers from the Institute of Organic Chemistry and Biochemistry of the CAS (IOCB Prague), Institute of Physics of the CAS (IP CAS) and Palacký University...

Im Focus: Das VLT der ESO arbeitet erstmals wie ein 16-Meter-Teleskop

Erstes Licht für das ESPRESSO-Instrument mit allen vier Hauptteleskopen

Das ESPRESSO-Instrument am Very Large Telescope der ESO in Chile hat zum ersten Mal das kombinierte Licht aller vier 8,2-Meter-Hauptteleskope nutzbar gemacht....

Im Focus: Neuer Quantenspeicher behält Information über Stunden

Information in einem Quantensystem abzuspeichern ist schwer, sie geht meist rasch verloren. An der TU Wien erzielte man nun ultralange Speicherzeiten mit winzigen Diamanten.

Mit Quantenteilchen kann man Information speichern und manipulieren – das ist die Basis für viele vielversprechende Technologien, vom hochsensiblen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Auf der grünen Welle in die Zukunft des Mobilfunks

16.02.2018 | Veranstaltungen

Smart City: Interdisziplinäre Konferenz zu Solarenergie und Architektur

15.02.2018 | Veranstaltungen

Forschung für fruchtbare Böden / BonaRes-Konferenz 2018 versammelt internationale Bodenforscher

15.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

17.02.2018 | Energie und Elektrotechnik

Stammbaum der Tagfalter erstmalig umfassend neu aufgestellt

16.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Neue Strategien zur Behandlung chronischer Nierenleiden kommen aus der Tierwelt

16.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics