Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Accenture-Studie: Die Zukunft der Börsenlandschaft

22.12.2006
Wachstumsdruck und regulatorische Anforderungen verändern Handelsplätze

Der steigende Wachstumsdruck und die gestiegenen Ansprüche an die Profitabilität der Handelsplätze werden die weltweite Börsenlandschaft massiv verändern. Maßgeblich bestimmt wird diese Entwicklung durch die Marktkapitalisierung auf öffentlich gelisteten Börsen, die sich in den vergangenen sechs Jahren nahezu verachtfacht hat, sowie durch neue Regularien. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie, für die der Management-, Technologie- und Outsourcing-Dienstleister Accenture über 50 Interviews mit Top-Managern führender Aktien- und Terminbörsen, Abwicklungsinstitutionen sowie unterschiedlichster Wertpapierhandelsunternehmen in Europa, Nordamerika und Asien geführt hat.

Der Studie zufolge hat sich die weltweite Marktkapitalisierung auf öffentlich gelisteten Börsen von acht Prozent im Jahr 2000 auf 63 Prozent in diesem Jahr erhöht. Die Entwicklung der Handelsplätze hin zu börsennotierten Unternehmen hat in der Branche zu einem beispiellosen Druck geführt, neue Einnahmequellen zu erschließen und profitabler zu werden. Parallel dazu werden die "Regulation National Market System" (Reg NMS) in den Vereinigten Staaten und die "Markets in Financial Instruments Directive" (MiFID) in der Europäischen Union dazu führen, dass sich der Wettbewerb zwischen den verschiedenen Handelsformen - Börsen, alternative Handelssysteme und Internalisierung in global agierenden Investmentbanken - weiter verschärfen wird.

"Der durch die Forderung nach mehr Shareholder Value und neue gesetzliche Vorschriften verursachte Konkurrenzdruck treibt sowohl die Konsolidierung als auch die Fragmentierung der Märkte sowie die grenzüberschreitende Expansion und die Produktdiversifikation voran", sagt Susanne Klöß, Autorin der Studie und Managing Partner Capital Markets bei Accenture. "Angesichts dieser Entwicklung müssen die Börsen mit dem hohen Innovationstempo in der Branche Schritt halten und ständig neue Produkt- und Dienstleistungsstrategien entwickeln, um wettbewerbsfähig zu bleiben."

Weitere wichtige Studienergebnisse und Prognosen:

- Derzeit werden etwa 83 Prozent der Derivate weltweit und etwa 96 Prozent der US-amerikanischen Schuldverschreibungen außerbörslich gehandelt. Hier bieten sich für die Börsen potenziell neue Wachstumsmärkte, die sich aber nur durch Produktindividualisierung und Verkürzung der Entwicklungszyklen adressieren lassen.

- Dem globalen Kapitalmarkt droht eine Fragmentierung, da neue Regularien den Eintritt neuer Wettbewerber in den Markt begünstigen, die bestimmte Handels-volumina auf sich vereinigen werden.

- China und Indien werden die wichtigsten Wachstumszentren für die Kapitalmärkte sein. In Indien werden sich die derzeit mehr als 20 Börsen mittelfristig zu zwei bis drei zentralen Handelszentren zusammenschließen.

- Die pan-europäische Clearing- & Settlement-Industrie wird sich konsolidieren und stärker vernetzen oder in einer pan-europäischen Lösung, die Finanzinstrumente über verschiedene Börsen und Ländergrenzen hinweg unterstützt, aufgehen.

- Die Struktur des Aktienhandels in den USA wird durch Reg NMS nachhaltig verändert. Die Vorschrift stellt eine erhebliche Bedrohung für die Wettbewerbsfähigkeit der herkömmlichen Märkte mit Parketthandel dar.

"Sowohl für Kleinanleger als auch für institutionelle Investoren bedeuten diese Veränderungen künftig eine schnellere Abwicklung des Handels, engere Preisspannen und eine größere Auswahl an Handelsplätzen", so Susanne Klöß. "Während der Nutzen dieser Entwicklung für Investoren auf der Hand liegt, wird es für die traditionellen Börsen schwieriger, die richtigen Weichen für die Zukunft zu stellen. Differenzierte Strategien und neue Wege zu Unternehmenswachstum werden nötig sein."

Die Studie nennt folgende Optionen, mit denen Börsen auf die aktuellen Trends reagieren können:

- Die Börsen müssen ihre vorhandenen Dienstleistungen attraktiver gestalten: durch eine diversifizierte Produktgestaltung sowie eine höhere Effizienz und eine wettbewerbsfähige Preisgestaltung.

- Die Einführung neuer Produkte und Dienstleistungen in den Bereichen Derivate, strukturierte Produkte und Cross-Asset-Class-Instrumenten erlaubt Börsen eine zunehmende Produktdifferenzierung.

- Die großen Börsen sollten sich darauf vorbereiten, durch strategische Allianzen und internationales Marketing vom Wachstumspotenzial in China und Indien zu profitieren.

- Da die Einführung von Reg NMS und MiFID innerhalb weniger Jahre zu einer Verdreifachung des Umsatzes des Algorithmic Tradings und anderer Formen des elektronischen Handels führen wird, müssen die Börsen sich auf die Verarbeitung deutlich höherer Datenmengen einstellen. Um Margen, die in diesem Prozess verloren gehen, aufzufangen, müssen sie individualisierte Produkte und Dienstleistungen entwickeln, mit denen sich höhere Margen erzielen lassen. Diese Produkte und Services müssen gleichzeitig kürzere Entwicklungszyklen aufweisen.

- Börsen, die mit anderen Handelsplätzen fusionieren, müssen vor allem ihr Geschäftsmodell und die entsprechenden IT-Systeme abgleichen. Zudem sollten sie insbesondere die kulturelle Integration vor und nach einer Fusion entsprechend gestalten.

- Kleinere nationale Börsen sollten sich ihr lokales Wissen über den Markt wertschöpfend zunutze machen und attraktive Kanäle entwickeln, über die kleine und mittlere Unternehmen an Kapital gelangen können. Dies könnte auf der Basis der gemeinsamen Nutzung von Plattformen oder über Allianzen mit anderen Handelsplätzen geschehen.

Zur Studie:

Für die Studie wurden 50 qualifizierte Interviews mit Top-Managern führender Aktien- und Terminbörsen, Abwicklungsinstitutionen sowie unterschiedlichster Wertpapierhandelsunternehmen in Europa, Nordamerika und Asien geführt.

Mag. Katharina Riedl | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.accenture.com

Weitere Berichte zu: Börsenlandschaft Handelsplatz Market NMS Terminbörse

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Zirkuläre Wirtschaft: Neues Wirtschaftsmodell für die chemische Industrie?
28.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Unternehmen entwickeln sich zu Serviceanbietern
25.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Wolkenmacher“: Wie Unternehmen Vertrauen aufbauen

18.08.2017 | Unternehmensmeldung

Beschichtung lässt Muscheln abrutschen

18.08.2017 | Materialwissenschaften

Fettleber produziert Eiweiße, die andere Organe schädigen können

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie