Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Streber - oder wenn Leistung bestraft wird

29.11.2006
Chemnitzer Psychologen haben eine Studie zu Persönlichkeit, Erleben und Interaktion bei leistungsstarken Schülern der achten Klasse durchgeführt

An deutschen Schulen steht den Anforderungen unserer Gesellschaft nach Leistung ein Phänomen entgegen: die Etikettierung von leistungsstarken Schülern als Streber.

Die Chemnitzer Professorin für Persönlichkeitspsychologie und Diagnostik, Prof. Dr. Astrid Schütz, und die Diplomandin Katrin Rentzsch wollen diesem Widerspruch auf den Grund gehen und starteten im Juni 2005 ihr Forschungsprojekt "Streber".

Angeregt wurden sie auch von der Untersuchung des einstigen Chemnitzer Soziologieprofessors Dr. Klaus Boehnke (jetzt International University Bremen), der sich dem deutschen Streber-Phänomen kulturvergleichend im Rahmen des DFG- Forschungsprojekts "Die Bildungsqualität von Schule" widmete. Bereits 2002 zeigte er, dass die Angst als Streber diffamiert zu werden, mit besseren Zensuren steigt. Prof. Schütz und Katrin Rentzsch untersuchten nun das Streber-Phänomen genauer und prüften, durch welche Faktoren Akzeptanz und Beliebtheit beeinflusst werden.

... mehr zu:
»Streber

Folgende Untersuchungsfragen standen im Mittelpunkt: Was wird mit dem Begriff "Streber" verbunden? Wie häufig wird dieses Etikett zugeschrieben? Durch welche Persönlichkeitseigenschaften zeichnen sich Schüler, die häufig Streber genannt werden, aus? Stehen diese Eigenschaften in Zusammenhang mit den zugeschriebenen Eigenschaften? Welche Faktoren beeinflussen die Beliebtheit von leistungsstarken Schülern? Dazu befragte Katrin Rentzsch 317 Mädchen und Jungen der achten Klasse an sechs Chemnitzer Mittelschulen und Gymnasien. 30 Prozent der Befragten gaben an, dass sie bereits mit abfälligen Bemerkungen von Mitschülern auf Grund ihrer guten Schulleistungen konfrontiert waren. Fast ein Viertel der Schüler hat zumindest bisweilen Angst davor, als Streber bezeichnet zu werden und gut 20 Prozent gaben an, dass sie manchmal bis häufig Streber genannt werden. Dabei ist die Bezeichnung nicht geschlechtsspezifisch. Jungen und Mädchen sind gleichermaßen betroffen. "Zudem geht die Etikettierung nicht nur von einer kleinen Minderheit aus", so die 22-jährige Psychologiestudentin Katrin Rentzsch. "Fast ein Drittel der befragten Acht-Klässler bezeichnet andere als Streber."

Schüler, die oftmals als Streber bezeichnet werden, sind introvertierter und gewissenhafter als der Rest der Klasse. "Außerdem haben sie einen höheren Leistungsselbstwert und einen niedrigeren Selbstwert in Bezug auf Sportlichkeit und physische Attraktivität", so Katrin Rentzsch. "Präventiv bedeutsam sind die Ergebnisse, weil sie auf der Basis hypothetischer Szenarien Hinweise darauf geben, wann Leistung mit Beliebtheit einhergeht und wann nicht", so die Studentin weiter. "Wir haben festgestellt, dass als Streber bezeichnete Schüler trotz guter Noten dann beliebt in der Klasse sind, wenn sie ihre schulischen Anstrengungen nicht offen präsentieren, ihre Leistungen eher bescheiden darstellen, sportlich engagiert sind und sich den Mitschülern gegenüber gesellig verhalten."

Um dem Streber-Phänomen entgegenzuwirken, empfehlen Prof. Dr. Schütz und Katrin Rentzsch Lehrkräften den Datenschutz z.B. bei der Rückgabe von Arbeiten noch ernster zu nehmen, damit leistungsstarke Schüler nicht als Streber und leistungsschwache nicht als Versager gebrandmarkt werden. Ein individuelles Gespräch zum Notenstand sei zumindest in dieser kritischen Phase der Jugend die bessere Alternative. "Informationen über die Bedingungen, die zur Beliebtheit von so genannten Strebern beitragen, können außerdem von Schulpsychologen oder Mediationsteams an Hilfe suchende Schüler weitergegeben werden", erklärt die Professorin.

Weitere Informationen erteilen Prof. Dr. Astrid Schütz, Telefon (03 71) 5 31 - 36 366, E-Mail astrid.schuetz@phil.tu-chemnitz.de und Katrin Rentzsch, E-Mail katrin.rentzsch@s2002.tu-chemnitz.de.

(Autorin: Janine Mahler)

Mario Steinebach | Technische Universität Chemnitz
Weitere Informationen:
http://www.tu-chemnitz.de

Weitere Berichte zu: Streber

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu sicherem Autofahren bis ins hohe Alter
19.06.2017 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Future Security Conference 2017 in Nürnberg - Call for Papers bis 31. Juli

26.06.2017 | Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblick ins geschlossene Enzym

26.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Laser – World of Photonics: Offene und flexible Montageplattform für optische Systeme

26.06.2017 | Messenachrichten

Biophotonische Innovationen auf der LASER World of PHOTONICS 2017

26.06.2017 | Messenachrichten