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Open Source - Strukturwandel oder Strohfeuer?

16.11.2006
Der Einsatz von Open Source Software (OSS) führt zu teilweise erheblichen Einsparungen in der öffentlichen Verwaltung. Auch IT-Unternehmen profitieren von ihren OSS-Aktivitäten.

Das ist das Ergebnis einer von IBM, Novell und der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH (WRS) beim Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) in Auftrag gegebenen Studie. Das Institut hat 209 öffentliche Verwaltungen und IT-Unternehmen nach ihren Einschätzungen zu quelloffener Software befragt.

Knapp die Hälfte (47 Prozent) der 115 befragten öffentlichen Einrichtungen geht von Kostensenkungen von mehr als 50 Prozent durch den Einsatz von Open Source Software aus. Weitere 20 Prozent glauben an eine Kostensenkung von bis zu 25 Prozent. Für rund 59 Prozent ist die Umstellung auf Open Source-basierte Anwendungen Teil einer mittel- oder langfristigen IT-Gesamtstrategie.

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die öffentliche Hand treibende Kraft für den Einsatz von Open Source-Lösungen ist: Anhaltende Veränderungen und Umstrukturierungen im Bereich der öffentlichen Einrichtungen würden auch in den nächsten Jahren zu entsprechenden IT-Projekten führen. Dies rechne sich, so die Autoren, auch für IT-Unternehmen, die Open Source als Dienstleistung oder Produkt anbieten: "Die öffentliche Hand rechnet im Bereich der Dienstleistungskosten mit Kostensteigerungen von bis zu 25 Prozent, die in diesem Rahmen OSS-Unternehmen zu Gute kommen," so Jochen Günther, Projektleiter beim Stuttgarter Fraunhofer IAO. Dem stehen Ersparnisse durch wegfallende Lizenzkosten gegenüber.

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"Es ist beeindruckend, welche enormen Vorteile Unternehmen und öffentliche Einrichtungen durch den Einsatz freier Software bereits erzielen und in welcher Weise OSS Innovationen beschleunigt," kommentiert Prof. Dr.-Ing. Dieter Spath, Leiter des Fraunhofer IAO, die Ergebnisse der Studie.

Mittelstand profitiert

Vor allen Dingen der Mittelstand profitiere von den Investitionen des öffentlichen Sektors: "Rund 83 Prozent der OSS-Aufträge der öffentlichen Verwaltung gehen an kleine und mittlere, regionale Dienstleister," so Günther. Dienstleistungen werden von diesen Unternehmen rund um die drei Themenbereiche Programmierung, Konfiguration oder Anpassung von OSS an kundenspezifische Bedürfnisse, die Unterstützung in der Einführungsphase sowie beim späteren Support angeboten, so ein Ergebnis der Studie.

Die beauftragten Unternehmen profitieren nicht nur finanziell von den Aufträgen, sondern auch entwicklungstechnisch. Günther: "Rund 71 Prozent der IT-Unternehmen schätzen, dass der Einsatz von OSS bei ihnen zu verwertbaren Produktinnovationen führt und 35 Prozent der Unternehmen glauben sogar, dass sie ohne Open Source-Aktivitäten nicht mehr überlebensfähig sind."

Akzente in der bundesdeutschen Verwaltung gesetzt

Michael A. Maier, Geschäftsbereichsleiter Öffentlicher Dienst bei der IBM Deutschland: "Rückblickend haben sich die Entscheidungen, Open Source in der öffentlichen Verwaltung einzusetzen, als richtig erwiesen. Die Ergebnisse der Studie sollten die Entscheidungsträger in Politik und öffentlicher Verwaltung dazu ermuntern, wenn immer möglich, die Vorteilhaftigkeit von Open Source-Anwendungen zu prüfen und Open Source einzusetzen."

Die IBM habe sich schon frühzeitig der Unterstützung des Open Source-Gedankens verpflichtet. Das gelte auch für den Einsatz von Open Source-Lösungen durch die Öffentliche Hand. Maier: "Wir sind an den meisten Projekten beteiligt, die in der bundesdeutschen Verwaltung Akzente gesetzt haben." Beispiele dafür seien das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, das Bundesamt für Finanzen, die Stadt Schwäbisch-Hall und nicht zuletzt der Deutsche Bundestag. "Der im Juni 2002 zwischen dem Bundesministerium des Innern und der IBM abgeschlossene Kooperationsvertrag zur Förderung von freier und offener Software ist ein Meilenstein gewesen, der weltweit Beachtung und Nachahmer gefunden hat," so Maier. Der Vertrag sei inzwischen eine konstante Größe geworden und werde beständig von der Öffentlichen Hand genutzt, um mehr und mehr Linux-basierte IT-Lösungen einzuführen. Der auf der diesjährigen CeBIT mit dem rheinland-pfälzischen Innenminister Karl Peter Bruch abgeschlossene Vertrag zur Einrichtung eines Open Source-Softwarekompentenzzentrums beim Landesbetrieb Daten und Information in Mainz sei ein Beispiel dafür, wie die IBM das Thema in den Ländern und Regionen voranbringe.

Open Source in die Regionen bringen

Dr. Harald Neumann, Teamlead Linux, IBM Deutschland, ergänzt: "IBM arbeitet weltweit in zahlreichen globalen Open Source- und Open Standard-Projekten, die nach dem Community-Prinzip organisiert sind, mit. Wir glauben aber, dass es mit dem weiteren Vordringen von Open Source in der Verwaltung noch mehr Interesse für regionale Communities geben wird, die sowohl helfen, auf Basis von Open Source passgenaue Lösungen für die örtlichen Verwaltungen zu liefern, als auch den Mitgliedern die Möglichkeit geben, sich gemeinsam mit der öffentlichen Verwaltung als Community im globalen Wettbewerb zu behaupten."

Mehr Beschäftigung in Deutschland?

Die Autoren der Studie kommen zu dem Ergebnis, dass der Einsatz von Open Source Software nicht nur der Öffentlichen Hand und den IT-Unternehmen mit OSS-Aktivitäten Vorteile bringt, sondern auch zu mehr Beschäftigung in Deutschland führen kann.

Die Studie habe gezeigt, so Dr. Walter Rogg, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH, dass Open Source verstärkt zu regionaler Wertschöpfung führt und das Innovationspotenzial der IT-Unternehmen stärkt. "Open Source Software sorgt für Innovation und sichert Arbeitsplätze vor Ort. Deshalb werden wir mit unserer erfolgreichen Initiative "Open Source Region Stuttgart" (http://opensource.region-stuttgart.de) den Wachstumsmarkt weiter gezielt entwickeln."

Der Wirtschaftsförderer erhofft sich auch von anderen Fördermittelgebern Maßnahmen, um diese Basis weiter zu stärken. So sollten verstärkt bestehende IT-Fördermittel des Bundes oder der Europäischen Union zur Förderung von Open Source-Projekten umgeschichtet werden. "Das bietet die Chance, dass aus öffentlichen Mitteln Software entsteht, die dann sowohl öffentlichen Einrichtungen, aber auch IT-Unternehmen zur wirtschaftlichen Verwertung frei zur Verfügung steht," so Dr. Rogg.

Auch Novell engagiert sich stark im Bereich Linux und Open Source, gerade in Deutschland. Der Schwerpunkt der Linux-Entwicklung von Novell befindet sich in Nürnberg. "Der öffentliche Sektor ist in Deutschland um ein Vielfaches innovativer als oftmals geglaubt wird. Quelloffene Software und offene Standards für Schnittstellen und Datenformate brechen die Strukturen auf und ermöglichen so flexibleres Arbeiten," erläutert Holger Dyroff, Vice President Product Management Linux Platforms bei Novell, die Motivation des öffentlichen Sektors für Open Source Technologien. "Mit Open Source Software und dem entsprechenden Support kann der öffentliche Sektor Dienstleistungen am Bürger schneller, sicherer und zuverlässiger erbringen und gleichzeitig die Flexibilität wahren zukünftige Anforderungen zu erfüllen."

Für die Studie wurden Entscheidungsträger von öffentlichen Einrichtungen und IT-Unternehmen in Deutschland befragt. Im Bereich der öffentlichen Einrichtungen konnten insgesamt 115, bei den IT-Unternehmen 94 gültige Antworten erzielt werden. "Die verschiedenen Größenklassen der befragten Einrichtungen und Unternehmen garantieren eine gute Übertragbarkeit der Ergebnisse," so Jochen Günther. Zudem seien die Teilnehmer der Befragung überwiegend Entscheidungsträger und Meinungsführer innerhalb ihrer Einrichtungen.

Juliane Segedi | idw
Weitere Informationen:
http://www.iao.fhg.de/
http://www.iao.fraunhofer.de/d/projekte/oss.hbs

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