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Lkw-Markt in Asien fordert deutsche Hersteller heraus

19.09.2006
Aktueller Absatzboom entscheidet über langfristige Marktanteile / PwC-Analyse: Hersteller müssen regional spezifische Kundenbedürfnisse mit globaler Technologieführerschaft in Einklang bringen / Starke Konkurrenz durch Local Player

Das fortgesetzt hohe Wirtschaftswachstum der Emerging Economies in Asien, Südamerika und Osteuropa erfordert immer größere Transportkapazitäten und sorgt für steigende Nachfrage bei den Nutzfahrzeugherstellern. Allein in China und Indien wurden 2005 über 380.000 mittelschwere und schwere Lkw neu zugelassen, gegenüber 85.000 in Deutschland. Die deutschen Nutzfahrzeughersteller werden ihre führende Stellung nur dann auf Dauer halten können, wenn sie sich schnell auf die besonderen Bedingungen in den Wachstumsmärkten einstellen. Derzeit haben noch zu wenige Produzenten die besonderen Chancen und Risiken in den Wachstumsregionen erkannt: "Viele deutsche Nutzfahrzeughersteller konzentrieren sich bei der Planung ihrer Absatz- und Produktstrategien nach wie vor auf die reifen Märkte der Industrieländer mit niedrigen organischen Wachstumsraten und zyklischen Konjunkturschwankungen. Doch wer den gegenwärtigen Absatzboom in den Emerging Economies verpasst, wird den Rückstand dort langfristig kaum aufholen können", warnt Karl Gadesmann, Partner und Leiter des Bereichs Automotive bei PricewaterhouseCoopers.

Zuverlässigkeit allein reicht nicht aus

Nutzfahrzeughersteller stehen in den Emerging Economies vor einer doppelten Herausforderung. Einerseits müssen sie an die lokalen Gegebenheiten und Bedürfnisse angepasste Lkw anbieten, andererseits verlangen die Kunden Fahrzeuge mit "State of the Art"-Technologien und modernem Design. "Zuverlässigkeit allein reicht als Kaufargument für Kunden in Indien, China oder Russland nicht mehr aus", so Gadesmann.

Für die Hersteller folgt daraus, dass sie ihre auf globaler Ebene organisierte Entwicklung und Fertigung mit regionalen Marktanforderungen in Einklang bringen müssen, ohne Kostenvorteile durch Skaleneffekte zu verlieren. Bislang haben deutsche Produzenten entweder eine stark zentralisierte Strategie verfolgt oder aber lokalen Niederlassungen weit gehende Entscheidungsfreiheit gelassen. Nachhaltige Erfolge hat keiner dieser beiden Ansätze gebracht. Notwendig ist offensichtlich eine Strategie, die den lokalen Fokus mit den Anforderungen einer global organisierten Industrie verbindet. Um dabei das Image der Kernmarke nicht zu verwässern, sei dafür möglicherweise der Aufbau einer Zweitmarke sinnvoll, so der PwC-Experte. Die Kompetenz im Antriebsbereich und die Qualität des Servicenetzes stellen unverändert ein wesentliches Differenzierungskriterium unter den Herstellern dar.

Starke Konkurrenz durch lokale Produzenten

Während der Pkw-Markt in den Emerging Economies von den etablierten internationalen Konzernen dominiert wird, müssen sich ausländische Nutzfahrzeughersteller mit einer starken einheimischen Konkurrenz auseinander setzen. Gemessen an den Absatzzahlen von 2005 liegt der chinesische Produzent Dongfeng auf Platz drei der Rangliste der weltweit größten Hersteller von schweren Lkw. Das indische Unternehmen Tata kommt auf den fünften Rang. "Es ist davon auszugehen, dass zumindest einige dieser Anbieter in den kommenden fünf bis zehn Jahren von lokalen Wettbewerbern zu ernst zu nehmenden Konkurrenten auf dem Weltmarkt heran reifen", betont Gadesmann.

Technologieführerschaft als Schlüssel zum Erfolg

Die deutschen Hersteller reagieren mit unterschiedlichen Strategien auf diese Herausforderung. MAN will bis Mitte 2007 eine Fabrik in Polen in Betrieb nehmen, in der speziell für die Märkte Osteuropas und des Mittleren Ostens ausgelegte Lkw montiert werden sollen. In Indien rollen bereits ab Oktober 2006 Lkw aus einem Gemeinschaftsunternehmen mit hohen lokalen Fertigungsanteilen. Volkswagen hat für seine Nutzfahrzeugproduktion in Brasilien ein Fertigungs- und Geschäftsmodell entwickelt, das auch für Standorte in anderen Emerging Economies ein enormes Erfolgspotenzial aufweist. Und DaimlerChrysler verfolgt mit seinen Kernmarken Mercedes-Benz, Freightliner und Fuso im Nutzfahrzeugbereich eine Doppelstrategie, die einerseits auf schnelle Markterfolge, andererseits auf die langfristige Einbeziehung lokaler Standorte in den Fertigungs- und Entwicklungsprozess abzielt.

In jedem Fall bleibt die Technologieführerschaft der Schlüssel zum langfristigen Erfolg. So zwingen der globale Wettbewerbsdruck und die weitere Verschärfung der Umweltauflagen - auch in den bevölkerungsreichen Emerging Economies - die Lkw-Hersteller in einen Innovationswettlauf. Dabei dürften die Hybrid-Antriebstechnik, kostengünstigere Lkw mit Nutzlasten von 60 Tonnen und mehr sowie die Entwicklung neuer Sicherheitskomponenten zu den wichtigsten Aspekten gehören. Zudem werden in den nächsten Jahren der Abbau der Fertigungstiefe und die Verlagerung von Produktionsumfängen auf Zulieferer weiter voranschreiten. Damit folgt die Branche der Entwicklung im Pkw-Segment.

Die PricewaterhouseCoopers AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft ist in Deutschland mit 8.000 Mitarbeitern und einem Umsatzvolumen von rund 1,1 Milliarden Euro eine der führenden Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaften. An 28 Standorten arbeiten Experten für nationale und internationale Mandanten jeder Größe. PwC bietet Dienstleistungen an in den Bereichen Wirtschaftsprüfung und prüfungsnahe Dienstleistungen (Assurance), Steuerberatung (Tax) sowie in den Bereichen Transaktions-, Prozess- und Krisenberatung (Advisory).

Karl Gadesmann | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.pwc.com

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