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PISA-Studie: Siegener Professoren warnen vor Schnellschüssen

16.01.2002


"Die aufgedeckten Probleme sind sehr ernst zu nehmen, die Ursachen aber noch unklar", warnen die Erziehungswissenschaftler Hans Brügelmann und Hans Werner Heymann von der Universität Siegen. Sie kritisieren vorschnelle Folgerungen.


Vor allem in der Bildungspolitik hole jeder seine alt bekannten Vorschläge aus der Schublade und versuche, sie mit den Ergebnissen aus PISA neu zu rechtfertigen.
In einem Beitrag für die Zeitschrift "Pädagogik" (erscheint März 2002) weisen die beiden Pädagogen auch darauf hin, dass Deutschland vor 30 Jahren bei internationalen Leistungsvergleichen noch schlechter abgeschnitten habe. Dennoch habe sich die Wirtschaft in der globalen Konkurrenz gut behauptet - ähnlich wie die USA, aus denen auch immer wieder Horrormeldungen über den Zustand des Bildungswesens durch die Presse gehen. Und auch die heute vorgeschlagenen Rezepte seien schon vor 30 Jahren gepredigt worden. Bildungsreform sei offensichtlich ein schwieriges Geschäft.

Immerhin habe PISA wieder einmal deutlich gemacht, dass für den Vor- und Grundschulbereich mehr getan werden müsse. Was aber genau, darüber könne man auch nach PISA trefflich streiten. Es sei klug, erst einmal die Ergebnisse der internationalen Grundschulstudie IGLU abzuwarten, die erst im kommenden Jahr veröffentlicht werden.
Zwei Befunde die deutsche Situation betreffend lasse PISA indes zu:
  • Der Schule gelingt es nicht, Unterschiede in den außerschulischen Erfahrungen der Schülerinnen und Schüler auszugleichen.
  • Bei gleichen kognitiven Voraussetzungen bzw. fachlichen Leistungen benachteiligt die Schule sogar Schülerinnen und Schüler aus den unteren sozialen Schichten.

Die Pädagogen wenden sich gegen eine ausschließlich pessimistische Lesart der PISA-Studie, denn die Studie mache deutlich, dass Schule in der Lage sein kann, schichtspezifische Benachteiligung zu verringern, Migrantenkinder zu integrieren und Leistungsunterschieden ohne Qualitätsverlust entgegenzuwirken.

Für diejenigen, die sich über PISA genauer informieren wollen, bietet das Zentrum für Lehrerbildung an der Universität Siegen am 30. Januar 2001 um 19 Uhr eine Informationsveranstaltung an (Adolf Reichwein Straße, Roter Hörsaal). Nach einer Einführung durch Prof. Brügelmann und Prof. Heymann sollen in einer Podiumsdiskussion Interpretationen der Studie und Folgerungen aus ihren Ergebnissen diskutiert werden.

Kontakt:
Prof. Dr. Hans Brügelmann
FB 2 der Universität Siegen
PF 10 12 40
57068 Siegen
Tel: 0271 / 740-4470
Fax: 0271 / 740-2509

Kordula Lindner-Jarchow | idw

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