Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Versicherte wollen Wettbewerb zwischen Gesetzlicher und Privater Krankenversicherung

05.09.2006
Bertelsmann Stiftung: Politik braucht ordnungspolitisches Konzept

In der deutschen Bevölkerung gibt es ein klares Votum für ein soli­darisches Gesundheitssystem. Das zeigt der aktuelle "Gesundheitsmonitor" der Bertelsmann Stif­tung. Über drei Viertel der Befragten (77 Prozent) lehnen die Auflösung der heutigen Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) - unter der Bedingung, dass sich alle je nach Krankheitsrisiko und Leistungsumfang privat versichern - ab.

Auch eine Absicherung der Bedürftigsten aus staatlichen Mitteln würde an diesem Urteil nichts ändern. Eine Auflösung der GKV, bei der Menschen, die sich aus finanziellen oder gesundheitlichen Gründen nicht privat versichern können, von einer staatli­chen Versicherung aufgefangen werden, findet nur bei 14 Prozent der Befragten Zustimmung. Eine Abschaffung der Privaten Krankenversicherung (PKV) findet in der Bevölkerung ebenfalls keine Mehrheit. Die Existenz zweier Systeme hat demnach Rückhalt bei den Versicherten. "Die Politik muss jetzt ordnungspolitische Konzepte entwickeln, um einen tatsächlichen Wettbewerb der Systeme zu ermöglichen. Dies bedeutet vor allem, dass die unzeitgemäße Grenzziehung zwischen den Systemen abgeschafft wird", sagt Brigitte Mohn, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung.

Die Bürger sehen dies ähnlich: 64 Prozent der Befragten befürworten, dass jeder die Möglichkeit haben sollte, sich in der Gesetzlichen oder der Privaten Krankenversicherung zu versichern. Die derzeitige Regelung, dass Besserverdienende sich aus der solidarischen Krankenversicherung verabschieden können, findet wenig Unterstützung.

Die Bürger haben klare Vorstellungen über die Ausgestaltung eines Wettbewerbs zwischen GKV und PKV. Bei der Berechnung der Versicherungsbeiträge lehnen drei von vier Befragten eine Ver­knüpfung von Gesundheitszustand und Versicherungsbeitrag ab. Selbst die Privatversicherten sind zu 46 Prozent gegen die Risikoabhängigkeit der Prämien. Ein einkommensabhängiger Versicherungsbeitrag wird dagegen von 77 Prozent der Befragten unterstützt. Auch die Privatversicherten, die bei einer einkommensbezogenen Beitragsbemessung höchstwahrscheinlich schlechter ab­schneiden würden, stimmen dieser immerhin noch zu 48 Prozent zu.

"Es ist nach wie vor unklar, ob in der GKV oder der PKV eine effizientere Versorgung angeboten wird. Die Bertelsmann Stiftung fordert eine nachvollziehbare Erfolgsmessung für Leistungsanbieter und Kostenträger. Dies gilt sowohl für den umfassenden Bereich der Grundleistungen als auch für zusätzlich angebotene Leistungen", sagt Brigitte Mohn: "Entsprechende Informationen müssen dem Bürger zur Verfügung gestellt werden, damit er eine Chance für rationale Entscheidungen im Wettbewerb hat."

Der Gesundheitsmonitor der Bertelsmann Stiftung befragt repräsentativ zweimal jährlich die Bevöl­kerung und einmal im Jahr Ärzte zu aktuellen Themen des deutschen Gesundheitswesens. Bis­lang wurden rund 15.000 Versicherte und 2.500 Ärzte befragt.

Über die Bertelsmann Stiftung:

Die Bertelsmann Stiftung versteht sich als Förderin des Wandels für eine zukunftsfähige Gesellschaft. Sie will Reformen in den Bereichen Bildung, Wirtschaft und Soziales, Gesundheit sowie Internationale Verstän­digung voranbringen. Die 1977 von Reinhard Mohn gegründete, gemeinnützige Einrichtung hält die Mehrheit der Kapitalanteile der Bertelsmann AG. In ihrer Projektarbeit ist die Stiftung unab­hängig vom Unternehmen und parteipolitisch neutral.

Rückfragen an: Jan Böcken, Telefon: 0 173 / 54 52 073; E-Mail: Jan.Boecken@Bertelsmann.de

Der "Gesundheitsmonitor 2006" erscheint im Herbst im Verlag Bertelsmann Stiftung.

Julia Schormann | idw
Weitere Informationen:
http://www.bertelsmann-stiftung.de

Weitere Berichte zu: GKV Gesundheitsmonitor Krankenversicherung PKV

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu sicherem Autofahren bis ins hohe Alter
19.06.2017 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu aktuellen Fragen der Stammzellforschung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Fraunhofer FKIE ist Gastgeber für internationale Experten Digitaler Mensch-Modelle

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der Krümmung einen Schritt voraus

27.06.2017 | Informationstechnologie

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Überschwemmungen genau in den Blick nehmen

27.06.2017 | Informationstechnologie