Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Im Stromnetz drohen Engpässe

30.03.2006


Entscheidungsstau im Netzausbau

Das deutsche Stromnetz muss "fit" für die Zukunft werden. Die Investitionen in die deutsche Stromversorgungssystem haben seit den 80er Jahren um circa 40 Prozent abgenommen. Die durchschnittliche Ausfallzeit ist 2004 von zuvor 15 Minuten auf 23 Minuten pro Jahr gestiegen. Durch den ansteigenden Einsatz regenerativer Energien erreichen die Netze zunehmend ihre Kapazitätsgrenze. Die Gefahr von Engpässen und Blackouts nimmt zu. Zu diesen Ergebnissen kommt die neue VDE-Studie zur Versorgungsqualität. In die Kapazität und in intelligente Techniken zur Steuerung der Versorgungssysteme müssen Milliardenbeträge investiert werden. Da allein schon die Genehmigung für den Netzausbau mehrere Jahre dauert, müssen Entscheidungsgrundlagen und Regularien rasch geschaffen werden, um den Leitungsbau zu beschleunigen. Gleichzeitig lassen sich die Kapazitäten des Übertragungsnetzes durch den Einsatz neuester Technologien signifikant erhöhen. Die Bundesbürger selbst sind für Energietechnik als Zukunftstechnologie. Rund 90 Prozent befürworten laut VDE- Verbraucher-Panel Technik 2006 ein größeres Engagement Deutschlands im Bereich der Energietechnik.

Bis zum Jahr 2020 geht altersbedingt oder aus politischen Gründen etwa die Hälfte des heutigen Kraftwerkparks vom Netz. An die Stelle des Stroms aus konventionellen Anlagen mit stabiler Erzeugung tritt vermehrt regenerative Energie, vor allem aus Windkraft. Deren Erzeugung schwankt stark. In Starkwindzeiten deckt sie 18 Prozent des Spitzenleistungsbedarfs, im Durchschnitt jedoch gut fünf Prozent. Verbrauchsferne Standorte neuer Kraftwerke wie Offshore-Windparks erfordern den Bau neuer Trassen. Der Zusammenschluss vieler Kleinerzeuger zu virtuellen Kraftwerken verlangt intelligent gesteuerte Netze. Für den zunehmenden Stromhandel in liberalisierten Märkten sind ebenfalls zusätzliche Leitungskapazitäten erforderlich, so der VDE.

"Vermehrt kleine Erzeuger, viel Wind und der weit weg - auf diese Parameter der Stromerzeugung müssen die Netze eingestellt werden", betonte der Vorsitzende der Energietechnischen Gesellschaft im VDE, Prof. Wolfgang Schröppel, in Berlin. Die frühere homogene Verteilung von Last und Erzeugung gebe es so nicht mehr. Schröppel forderte ein Aufrüstungsprogramm in IT und Leistungselektronik, da die künftigen Anforderungen nur mit intelligenter Netztechnik zu bewältigen seien. Beim Einsatz der Informationstechnologie für die Versorgungsqualität im Stromnetz sei Deutschland mit führend. "Unser Know-how in innovative Netztechnik hat das Zeug zum Exportschlager", formulierte Schröppel.

Die Studie nennt für Versorgungsqualität drei Kriterien: hohe Zuverlässigkeit, gleich bleibende Spannungsqualität und guten Kundenservice. Hierzu besteht Regulierungsbedarf. Laut VDE-Studie ist es auch wichtig, den Übertragungsnetzbetreibern Nutzungsentgelte und Netzrenditen zuzugestehen, die den zukunftsfähigen Ausbau und Betrieb der Netze ermöglichen. Unterschiedliche Versorgungsqualitäten - etwa für Haushalte und sensible High-Tech-Produzenten - zu differenzierten Preisen sind laut VDE-Studie zu erwarten.

Hohe Standards der Versorgungsqualität sind nach Ansicht von VDE-Präsidiumsmitglied Schröppel ein Standortfaktor ersten Ranges. Auf diesem Gebiet habe Deutschland einen signifikanten Vorsprung, der auf keinen Fall verspielt werden dürfe. Die Bedeutung der Effizienz, Zuverlässigkeit und Qualität der Stromversorgung für den High-Tech-Standort Deutschland könne man nicht hoch genug einschätzen. Die Stabilität in der Vergangenheit sei keine Garantie für die Zukunft, da sich grundlegende Bedingungen änderten. Das Thema Netze sei genau so wichtig wie die Versorgung mit Primärenergie.

Die Studie analysiert die Ursachen der zunehmenden Beanspruchung der Netze, ermittelt den Handlungsbedarf und gibt Empfehlungen, wie die Versorgungsqualität im deutschen Stromversorgungssystem effizient ermittelt, bewertet und langfristig optimiert werden kann. Sie liefert damit Netzbetreibern, aber auch dem Staat und der EU als Regulatoren eine fundierte Hilfestellung für die anstehenden technischen, wirtschaftlichen und politischen Entscheidungen.

Melanie Mora | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.vde.com

Weitere Berichte zu: Erzeugung Stromnetz VDE-Studie Versorgungsqualität

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Neue Studie „Education first! Bildung entscheidet über die Zukunft Sahel-Afrikas“
29.11.2017 | Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung

nachricht Zukunftsstudie zum Autoland Saarland veröffentlicht
29.11.2017 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Im Focus: Realer Versuch statt virtuellem Experiment: Erfolgreiche Prüfung von Nanodrähten

Mit neuartigen Experimenten enträtseln Forscher des Helmholtz-Zentrums Geesthacht und der Technischen Universität Hamburg, warum winzige Metallstrukturen extrem fest sind

Ultraleichte und zugleich extrem feste Werkstoffe – poröse Nanomaterialien aus Metall versprechen hochinteressante Anwendungen unter anderem für künftige...

Im Focus: Geburtshelfer und Wegweiser für Photonen

Gezielt Photonen erzeugen und ihren Weg kontrollieren: Das sollte mit einem neuen Design gelingen, das Würzburger Physiker für optische Antennen erarbeitet haben.

Atome und Moleküle können dazu gebracht werden, Lichtteilchen (Photonen) auszusenden. Dieser Vorgang verläuft aber ohne äußeren Eingriff ineffizient und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Goldmedaille für die praktischen Ergebnisse der Forschungsarbeit bei Nutricard

11.12.2017 | Unternehmensmeldung

Nachwuchs knackt Nüsse - Azubis der Friedhelm Loh Group für Projekte prämiert

11.12.2017 | Unternehmensmeldung

Mit 3D-Zellkulturen gegen Krebsresistenzen

11.12.2017 | Medizin Gesundheit